Unterstützung vom Palliative-Care-Team Königstor

Die Zeit, die noch bleibt, mit der Familie verbringen: Ein sterbenskranker Vater berichtet

„Das Leben ist noch lebenswert“, sagt der an Krebs erkrankte Martin Rösser-Wunderlich. Er freut sich über die Zeit mit seiner Familie, hier mit Sohn Emil.
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„Das Leben ist noch lebenswert“, sagt der an Krebs erkrankte Martin Rösser-Wunderlich. Er freut sich über die Zeit mit seiner Familie, hier mit Sohn Emil.

Zeit mit der Familie verbringen ist für Martin Rösser-Wunderlich aus Kassel das wichtigste. Er hat Krebs im Endstadium. Unterstützt wird er dabei vom Palliative-Care-Team.

Kassel – Ein neuer Kalender für 2020 liegt bereit. Martin Rösser-Wunderlich hat ihn sich bewusst schon jetzt gekauft – ohne zu wissen, ob oder wie lange er ihn brauchen wird. Vielleicht auch doch. 

Der 46-Jährige weiß nicht, wie viel Zeit er noch hat. Aber die, die noch bleibt, die will er nutzen und so intensiv wie möglich erleben. Mit seiner Familie. Zu Hause.

"Die Diagnose haut einem die Füße weg"

Martin Rösser-Wunderlich hat Krebs. 2016 kam die Diagnose, dass er an einem Papillenkarzinom leidet, einem Tumor in der Bauchspeicheldrüse. „Die Diagnose haut einem den Boden unter den Füßen weg“, erzählt der baumlange Familienvater, der mitten im Leben stand und Pläne hatte. 

Arzt war deutlich: keine Heilung, nur Lebensverlängerung möglich

Nach einer siebenstündigen Operation habe ihm der behandelnde Arzt klargemacht, dass es keine Aussicht auf Heilung gebe; es gehe nur um Lebensverlängerung. Die Formulierung hat den damals 43-Jährigen schwer getroffen, zumal es ihm nach Operation und erster Chemo zunächst deutlich besser ging, er sogar überlegte, wieder in seinen Job als leitender Sozialpädagoge zurückzukehren. Es kam anders, denn der Krebs brach sich weiter Bahn.

Unterstützung beim Palliative-Care-Team geholt: "Das gibt mir Sicherheit"

Vor etwa einem Jahr wandte sich der Kasseler an das Palliative-Care-Team Königstor. „Von dem Heilsgedanken war ich weg“, erzählt er. Und bereit, sich auf die Hilfe von Außen einzulassen, eine Hilfe, die nach Hause kommt, die keinen weißen Kittel trägt. „Es gibt mir Sicherheit und Wohlbefinden“, sagt Martin Rösser-Wunderlich. Und seine Frau Helen stimmt zu: Rund um die Uhr ist das Team erreichbar, für ihren Mann und die ganze Familie.

Ziel des Palliative-Care-Teams: Schwerkranken Menschen eine Betreuung zu Hause ermöglichen

Dr. Christian Krieg-Hartig und Susanne Siegwart gehören zu den Gründern des DRK Palliative-Care-Teams. Sie haben die Strukturen des Angebots, das vor 15 Jahren hessenweit noch in den Kinderschuhen steckte, mitaufgebaut. Ihr Ziel: schwerkranke Menschen zu begleiten und ihnen eine gute Versorgung und Betreuung zu Hause zu ermöglichen, Lebensqualität zu erhalten und Schmerzen zu lindern.

 „Wir sind eine große Ergänzung zur Primärversorgung“, sagt Susanne Siegwart. Bis zu 30 Patienten betreut das Team aus fünf Palliativmedizinern und neun Pflegekräften in Stadt und Landkreis Kassel. Sie begleiten das Leben bis zuletzt. „Jeden Patienten, den wir kennenlernen, werden wir wahrscheinlich sterben sehen, und trotzdem ist die Arbeit schön“, sagt Siegwart. Man bekomme viel zurück, ergänzt Krieg-Hartig, „weil sie uns nah ranlassen“.

Mediziner vom Palliative-Care-Team ist nah dran an den Schicksalen - Auch bei Familie Rösser-Wunderlich

Nah dran ist der Mediziner auch am Geschehen der Familie Rösser-Wunderlich. Die Kinder freuen sich, wenn der 51-Jährige kommt; sie nehmen ihn nicht als Fremden wahr. Der Inhalt der Tasche des Arztes verrät indes seine Bestimmung: Opioide, Punktionsmaterial, Zugänge – selbst Ultraschallgeräte hält die mobile Praxis beim Hausbesuch bereit. Christian Krieg-Hartig kann Schmerzen behandeln. Vor allem aber kann er zuhören, sich auf sein Gegenüber einlassen. Er bringt Zeit mit und Empathie. Bei Tee und Knabbereien bespricht er die aktuellen Laborwerte, die Schmerzmitteldosen, die nächste Chemotherapie. Er hört zu, wenn es um Ängste geht. Er reicht Taschentücher, wenn die Tränen laufen.

Seine Kinder zu sehen ist das größte Glück und zugleich der größte Schmerz

Der kleine Emil ist dabei. Ihn und seine fünfjährige Schwester aufwachsen zu sehen, ist für Martin Rösser-Wunderlich das größte Glück. Und zugleich der größte Schmerz. „Wenn ich ihnen nahe bin, kommt die Traurigkeit“, sagt der 46-Jährige. Er weiß nicht, wie lange er sie begleiten kann, wann und wie der Tod kommt. Aber er weiß, dass er nicht alleine sein wird.

Palliative-Care-Team Königstor: Hilfe in der letzten Lebensphase

Das DRK Palliative-Care-Team Königstor wird in diesem Monat 15 Jahre alt: Arzt Dr. Christian Krieg-Hartig und Susanne Siegwart (Pflegerische Teamleitung) schauen sich die vielen Dankeskarten und -Briefe an, die sie im Laufe der Zeit von Angehörigen erhalten haben.

Die letzte, wertvolle Lebensphase zu Hause zu verbringen – als das Palliative-Care-Team Königstor vor 15 Jahren sein Angebot unter dem Dach des DRK Kreisverbands Kassel-Wolfhagen etablierte, klaffte noch eine Lücke im Versorgungssystem schwerkranker Menschen. Auffällig viele Patienten landeten über Nacht im Krankenhaus, weil sie ambulant nicht ausreichend versorgt werden konnten, berichtet Susanne Siegwart, die das Team mit aufbaute.

Palliative-Care-Team hilft Schwerkranken die Lebensqualität zu erhalten

Eben hier setzt das DRK-Angebot an. Es will mit einem multiprofessionellem Team aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen mit der Zusatzqualifikation Palliativmedizin und speziell ausgebildeten Pflegefachkräften eine gute Versorgung und Betreuung zu Hause anbieten. Wichtigstes Ziel ist der Erhalt von Lebensqualität durch schmerz- und symptomlindernde Therapien. 

Aber auch Aromapflege und Klangmassagen gehören dazu. Das Team berät Patienten und Angehörige, betreuende Haus- und Fachärzte, Pflegedienste, Hospizdienste und Altenheime, mit denen es zugleich eng zusammenarbeitet.

Kosten für die ambulante Palliativversorgung übernehmen seit 2009 die Krankenkassen

Seit 2009 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für diese spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), wenn Haus- oder Facharzt eine Verordnung ausstellen. Die Leistung erfolgt parallel und ergänzend zu der bestehenden ärztlichen und pflegerischen Versorgung. „Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz“, erläutert Dr. Christian Krieg-Hartig. Das bedeutet auch, enge Beziehungen zu den Patienten einzugehen. 

Der jüngste Patient war gerade einmal 18 Jahre alt. Im Durchschnitt betreut das Team einen Patienten 21 Tage lang - manche nur 24 Stunden, andere über Jahre, erläutert der Mediziner. Diese Aufgabe sei sinnstiftend und erfüllend. Seine Kollegin ergänzt: „Wir sind immer noch begeistert von dem, was wir tun.“ 

In verschiedenen Baby-Milchpulver-Produkten wurden Mineralöle gefunden, die Krebs auslösen können. Die Bundesregierung wusste schon vor Veröffentlichung der Laborergebnisse Bescheid.

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