Täter nahm Geld und Schmuck mit

Einbruchsopfer über die Auswirkungen auf seine Familie: „Sicherheitsgefühl ist komplett weg“

Einbruch: Dieb hebelt Fenster auf
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Auch bei den Müllers im Landkreis Kassel kam der Einbrecher durch ein Fenster. (Symbolfoto)

Nach einem Familienausflug der Schock: Ein Einbrecher hat das ganze Haus zerwühlt. Ein Betroffener aus Kassel berichtet über die schlimmen Folgen.

Kassel – „Hier war einer, der weiß alles über mich, aber ich weiß nichts über ihn“, sagt Michael Müller (Name von der Redaktion geändert). Der 37-jährige Mann aus dem Landkreis Kassel spricht über einen Einbrecher, der seit Anfang November das Leben seiner Familie auf den Kopf gestellt hat. Müller kann seitdem nicht mehr schlafen. „Ich hätte nie gedacht, dass ein Einbruch einem so den Teppich unter den Füßen wegziehen kann.“

Es war am Sonntag, 1. November. Müller besuchte mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern, der Sohn ist drei Jahre alt, die Tochter sieben Wochen, Verwandte. Deshalb war die Familie zwischen 11 und 19 Uhr außer Haus.

Schock nach dem Familienbesuch: Einbrecher hat Haus durchwühlt

Als die Müllers zurückkamen, wollten sie die Kinder ins Bett bringen und sich anschließend auf dem Sofa entspannen. Eigentlich. Nachdem Müller die Haustür aufgeschlossen hatte, wunderte er sich zunächst, warum alle Schränke im Hausflur offen waren. Er fragte seine Frau, warum sie die Türen nicht geschlossen habe. Die wusste nicht, was er meinte.

Dann sah er, dass die Tür vom Hauswirtschaftsraum offen stand. Er schaute in das Zimmer und sah, dass es komplett verwüstet war. Das Fenster in dem Raum hing nur noch am „seidenen Faden“. Müller schickte seine Frau und die Kinder zu Nachbarn und schaute sich weiter um. Die Terrassentür stand offen, ebenso die Schränke im Wohnzimmer.

Einbruch in Kassel: Täter hatte Geld und Schmuck mitgenommen

Anschließend sei er nach oben gegangen. „Das hätte ich nicht machen sollen“, sagt der 37-Jährige. Schließlich hätte der Einbrecher noch im Haus sein können. Der war aber verschwunden. Hinterlassen habe der Täter dafür ein „heilloses Chaos“. Alle Zimmer seien durchwühlt gewesen.

Wie sich später herausstellte, hat der Täter Geld, Schmuck und einen Autoschlüssel mitgenommen. Zum Glück sei die Batterie in dem Schlüssel leer gewesen, sagt Müller. Ansonsten hätte der Einbrecher womöglich auch noch den Zweitwagen der Familie, einen sechs Jahre alten Golf, der unter dem Carport stand, mitgenommen.

Nach Einbruch: „Mein Sicherheitsgefühl ist komplett weg“,

„Mein Sicherheitsgefühl ist komplett weg“, sagt Müller. Seit dem Einbruch würden seine Frau und die Kinder oben schlafen und er unten auf dem Sofa. Dabei lasse er das Licht an und schrecke bei jedem Geräusch auf. Zum Schlafen sei er bislang kaum gekommen, nur mit Tabletten.

Michael Müller geht es sehr nahe, dass der Einbrecher auch die Bilder seiner Familie an den Wänden gesehen hat. Auch dadurch sei der Intimbereich der Familie zerstört worden. „Ich bekomme richtige Hassgefühle“, sagt der 37-Jährige.

„Warum gerade wir?“ fragt sich Müller. „Wir haben ein ganz normales Fertighaus, keine Villa. Wir haben Kinder und gerade erst gebaut. Da ist nichts Tolles zu holen.“ Der Mann macht sich auch Gedanken darüber, ob seine Familie von dem Täter beobachtet worden ist.

Einbruchs-Opfer hat viel Arbeit mit der Versicherung

Hinzu komme, dass er jetzt viel Arbeit mit der Versicherung habe, um den Schaden ersetzt zu bekommen. „Das ist eine Rennerei.“ Zudem bekomme er derzeit keinen Handwerker, der ein neues Fenster in den Hauswirtschaftsraum einbaue. Deshalb ist das alte Fenster zunächst mit zwölf Schrauben provisorisch gesichert worden. „So einen Einbruch, den wünsche ich keinem“, sagt der 37-Jährige. (Ulrike Pflüger-Scherb)

Berät zum Thema Einbruchschutz: Polizeihauptkommissarin Susanne Gottmann steht am 19. November bei einer Telefonsprechstunde zur Verfügung.

Sprechstunde der Polizei

Das Polizeipräsidium Nordhessen bietet am Donnerstag, 19.11.2020, eine Telefonsprechstunde zum Thema Einbruchsschutz an. Die Fachberaterin und der Fachberater für Kriminalprävention beim Polizeipräsidium Nordhessen sind an diesem Tag von 10 bis 12 Uhr unter Tel. 0561/910 1035 zu erreichen.

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