Sie sind unzertrennlich: Eineiige Zwillingsschwestern feiern ihren 90. Geburtstag

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Unzertrennlich: Die eineiigen Zwillinge Anneliese Dorschner (links) aus Kassel und Irmgard Schalles aus Reichenbach feiern ihren 90. Geburtstag. 

Sie sind von Geburt an unzertrennlich: Die eineiigen Zwillinge Anneliese Dorschner aus Kassel und Irmgard Schalles aus Reichenbach feiern ihren 90. Geburtstag. 

„Also, ich bin zuerst geboren“, erklärt Anneliese Dorschner fröhlich. Ist sie deshalb vielleicht die Lebhaftere? Das spielt für sie und ihre eineiige Zwillingsschwester Irmgard Schalles keine Rolle. Für die beiden ist was anderes wichtig: „Wir sind unzertrennlich“. Und das seit 90 Jahren. Am 23. Juli 1929 wurden Anneliese und Irmgard in Walburg (Hessisch Lichtenau) geboren, heute feiern sie mit ihren Familien, zu denen auch sechs Enkel und acht Urenkel gehören, ihre 90. Geburtstage.

„Unsere Eltern waren sehr stolz darauf, dass sie Zwillinge hatten“, erzählt Anneliese. Sie und Irmgard wuchsen mit Schwester Hildegard und Bruder Dieter, die bereits verstorben sind, auf. „Wir besuchten die Volksschule, na, ja, das Zeugnis war mittelmäßig, wir machten dann unser Pflichtjahr, wie das damals hieß, Irmgard in Rommerode, ich in Walburg“, fährt sie fort. Da meldet sich Irmgard zu Wort: „Ja, und ich fuhr jeden Abend nach Hause, weil ich so Sehnsucht nach meiner Schwester hatte“, erzählt sie.

„Ich war nicht die Beste in der Schule, aber auch nicht die Schlechteste“, schiebt Anneliese mit ihrem trockenen Humor nach und fügt hinzu: „Anneliese und ich waren aber immer brave liebe Mädchen“. Als Kinder und Jugendliche sahen wir uns sehr ähnlich, aber das verlor sich dann, und Verwechslungen habe es nie gegeben, berichten die Schwestern. Später arbeitete Anneliese bei der Türenfirma Becher, Irmgard beim Zeltehersteller Fröhlich und Wolff. In ihrer Freizeit spielten die Mädchen leidenschaftlich gern Feldhandball.

Da die Zwillinge alles gemeinsam taten, lernten sie auch beide im Alter von 17 Jahren ihre späteren Ehemänner Wilhelm Dorschner und Gerhard Schalles kennen. Allerdings machte auch hier den Anfang die „ältere“ Anneliese mit Wilhelm. „Da sie einen hatte, wollte ich jetzt auch einen“, erklärt dazu Irmgard unumwunden und ernsthaft.

Gesagt, getan, bald lernte sie auf der Kirmes Gerhard kennen, den sie 1954 heiratete, mit ihm nach Reichenbach zog und drei Töchter bekam. Kürzlich feierte das Paar Eiserne Hochzeit. Zwei Jahre vor Irmgard hatten sich 1952 Anneliese und Wilhelm das Jawort in Hessisch Lichtenau gegeben. Deren lang ersehnte Tochter Gabriele kam 1963 zur Welt.

1968 gab es einschneidende Veränderung für die unzertrennlichen Frauen. Wilhelm arbeitete als Zugführer bei der Bahn und wurde versetzt, die Dorschners zogen um nach Kassel an den Blumenäckerweg. „Da waren wir auseinander“, sagt Irmgard leise und es klingt noch immer sehr traurig.

„Aber wir sind als Zwillinge so eng verbunden, wir brauchen einander, nichts und gar nichts kann uns trennen“, sagen sie. Die Schwestern besuchen sich, telefonieren täglich miteinander. „Wir erzählen uns alles aus dem Alltag, so wissen wir voneinander und sind zusammen“, sagen sie.

Wenn es der einen nicht gut geht, leidet die andere mit. Wie jetzt, da sich Irmgard zwei Wirbel gebrochen hat. „Ja, und wenn eine mal stirbt, geht die andere auch bald“, meint Anneliese. Aber daran brauchen die sympathischen, munteren und für ihre 90 Jahre rüstigen Zwillinge noch lange nicht zu denken.

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