Aktivisten beendeten ihr Occupy-Lager auf dem Friedrichsplatz mit Kunstaktionen

Ende des Occupy-Lagers: Ein Stallhase als Protest

Kassel. Das Occupy-Lager auf dem Friedrichsplatz ist abgebaut. Die zum Schluss drei Dutzend Aktivisten, die hier seit Beginn der documenta 13 ihre Zelte aufgebaut hatten, haben ihre temporären Behausungen eine Woche vor Ende der Kunstausstellung lautstark aber friedlich abgebaut.

Das hatten sie mit der documenta-Leitung so vereinbart. Zuvor hatte die documenta ihnen als Hausherrin während der 100 Tage erlaubt, vor dem Fridericianum zu zelten, zu protestieren und Kunstaktionen zu gestalten. Deshalb haben die Camper das Lager doccupy-Camp genannt und als soziales Experiment bezeichnet.

Die Occupy-Aktivisten haben nicht nur Flecken auf dem Rasen hinterlassen, sondern bewusst auch Kunst und markante Zeichen ihres Protests: Statt der Zelte stehen jetzt eine rosa Panzer-Attrappe und weiße Kreuze auf dem Friedrichsplatz, beschriftet mit Schlagworten wie Respekt, Menschlichkeit, Vielfalt.

Außerdem gibt es ein vier mal vier Meter großes umzäuntes Gehege, darin ein Kaninchen, das im Schatten döst. „Der Hase lebt“, ist als Hommage an Joseph Beuys und seine Performance „Gespräche mit einem toten Hasen“ auf einem Schild zu lesen.

Fotostrecke: Auflösung des Occupy-Camps

Auflösung des Occupy-Camps auf dem Friedrichsplatz

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Am Sonntag gab es einen offiziellen Besuch zum Abschluss der Aktion. Mit den abziehenden Männern und Frauen des doccupy-Camps sprachen Oberbürgermeister Bertram Hilgen und die documenta-Spitze, allen voran Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev. Bei ihr bedankten sich die Camper für die Gastfreundschaft.

Eine Position der documenta werde sie nicht abgeben, sagte Christoph-Bakargiev, nachdem sie von den Aktivisten dazu aufgefordert worden. Die Aktion sei kein offizieller d 13-Beitrag gewesen. Sie persönlich teile die Visionen der Occupy-Bewegung im Kampf „gegen einen globalen Kapitalismus.“

Die rund 25 doccupy-Camper, von denen etwa dreiviertel Kasseler sind oder weiter in der Stadt bleiben, wünschen sich eine nachhaltige Wirkung ihres Protests. „Jeder Mensch kann für eine bessere Welt kämpfen“, sagte Alexander. Chris forderte die Kasseler auf, ihr Kaufverhalten zu ändern und „Realmärkte“ zu bedienen, indem sie regionale Produkte kaufen.

Konkret wünschen sich die doccupy-Camper einen öffentlichen Raum in Kassel, der „engagierten Kleingruppen Ressourcen für ihre politische Arbeit“ bietet. OB Hilgen bot ihnen an, in den nächsten Tagen in Ruhe darüber zu reden.

Von Christina Hein

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