Etwa 16 Euro mehr pro Monat

GWG erhöht Miete für 2600 Wohnungen

Kassel. 2600 Mieter der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel sollen ab 1. Juni dieses Jahres mehr Miete zahlen. Der größte Vermieter der Stadt will die Miete in einem knappen Drittel des Bestandes um sechs Prozent erhöhen.

Das entspricht im Durchschnitt etwa 16 Euro mehr pro Monat und Wohnung. Betroffen davon sind insgesamt etwa 5200 Menschen, die in den Wohnungen leben. 

Die GWG ist mit insgesamt rund 8600 Wohnungen größter Anbieter in Kassel und hat in den vergangenen Jahren die Gewinne kräftig gesteigert. Unter dem Strich blieben 2012 rund 4,2 Millionen Euro übrig, 2009 waren es noch 1,8 Millionen Euro.

Die aktuelle Mieterhöhung wird zu einer Mehreinnahme von 500.000 Euro jährlich führen. Das Geld soll für die Instandhaltung und Modernisierung des Wohnungsbestandes genutzt werden, erklärt GWG-Geschäftsführer Peter Ley. In den kommenden fünf Jahren bis 2017 will das Unternehmen „richtig Gas geben“ und bis 2017 rund 100 Millionen Euro in den Bestand investieren – die Hälfte davon in bessere Heizungsanlagen und mehr Wärmedämmung. Ley spricht von einer „Mietanpassung mit Augenmaß“, die Situation einkommensschwächerer Haushalte werde besonders berücksichtigt.

Wer die Mieterhöhung nicht zahlen kann, weil er Hartz-IV-Leistungen oder Sozialhilfe bekommt, kann sich bei der GWG melden. Die Miete werde dann auf die Obergrenze des Unterkunftsbedarfs gekappt, den die Stadt übernimmt, verspricht Ley: „Wir sind an zufriedenen Kunden interessiert.“

Es könne aber nicht Aufgabe einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft sein, auf Dauer unter Marktpreis zu vermieten. Die Briefe mit der Mieterhöhung sind bereits verschickt. Wer als GWG-Mieter noch keinen Brief bekommen hat, bleibt von der aktuellen Erhöhung verschont.

Mieterbund: Erhöhung ist fair

-- Klausel für einkommensschwache Haushalte wird positiv bewertet --

„Eine Mieterhöhung ist nicht schön“, sagt Dr. Esther Tiedtke. Aber die aktuelle Mietanpassung der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt Kassel hält die Geschäftsführerin des Mieterbundes Nordhessen für angemessen.

Positiv bewertet der Mieterbund die Öffnungsklausel für Mieter, die Hartz IV-Leistungen oder Sozialhilfe bekommen und der GWG dies mitteilen können.

Mehr zur GWG lesen Sie im Regiowiki der HNA.

Dass die GWG mit den 2600 betroffenen Mietern eine Mietanpassung auf freiwilliger Basis vereinbaren will und kein formellesMieterhöhungsverlangen startet, findet die Geschäftsführerin fair.  Die angestrebte Mieterhöhung von sechs Prozent könne in Anbetracht der Entwicklung auf dem Mietmarkt nicht ausbleiben.

Seit 2009 sind die Mietpreise in Kassel deutlich gestiegen. Die nordhessische Sektion des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) hatte für eine 70 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung mit mittlerem Wohnwert 2009 noch eine durchschnittliche Kaltmiete von 4,40 Euro pro Quadratmeter genannt. Im aktuellen IVD-Immobilienpreisspiegel sind dafür jetzt 5,50 Euro verzeichnet – eine Steigerung um 25 Prozent. Die GWG ist davon noch weit entfernt.

Die aktuelle Bestandsmiete des kommunalen Unternehmens liegt bei durchschnittlich 4,28 Euro kalt pro Quadratmeter. Bei Neuvermietungen verlangt die GWG 4,82 Euro. Es gibt aber auch noch Wohnungen für drei Euro pro Quadratmeter, in der Spitze liegt die GWG bei sechs Euro.

Die günstigen Preise haben damit zu tun, dass 89 Prozent der insgesamt 8600 Wohnungen in rund 1400 Häusern in mittleren und schlechten Wohnlagen zu finden sind. In guten Lagen wie Harleshausen oder Bad Wilhelmhöhe hat das Unternehmen nur ganz wenige Wohnungen.

Bei den jetzt angestrebten Mieterhöhungen für 2600 Mieter gab es bei rund 1200 Wohnungen seit fünf Jahren oder länger keine Mietänderung mehr, sagt GWG-Geschäftsführer Peter Ley. Für 1000 Wohnungen ist die letzte Erhöhung drei bis fünf Jahre her, in 400 Fällen gab es seit ein bis drei Jahren keine Erhöhung mehr. Mit den Mehreinnahmen solle die Zukunftsfähigkeit des Wohnungsbestandes der GWG gesichert werden.

Von Jörg Steinbach

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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