Nordstadt

Erste muslimische Kita in Kassel öffnet – Kritik von der CDU

Noch fehlen die Schilder: Die ehemalige Gewerbeimmobilie an der Hegelsbergstraße in der Nordstadt wurde in den vergangenen Monaten zu einer Kita umgebaut.
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Noch fehlen die Schilder: Die ehemalige Gewerbeimmobilie an der Hegelsbergstraße in der Nordstadt wurde in den vergangenen Monaten zu einer Kita umgebaut.

In Kassel öffnet jetzt die erste muslimische Kindertagesstätte. Es hagelte Kritik von der CDU.

Kassel – Die erste muslimische Kita in Kassel nimmt heute ihren Betrieb auf. Nachdem das Landesjugendamt der Betriebserlaubnis – trotz zwischenzeitlicher Bedenken – unter Auflagen zugestimmt hatte, wurde nun der Kita-Umbau an der Hegelsbergstraße fertig. Aus der CDU-Fraktion kommt indes weiter Kritik an dem Projekt.

Es ist ein langer Weg, den der Muslimische Förderverein für Erziehung, Bildung und Integration (Mebi) gegangen ist. Vor sechs Jahren war Mebi zum Zweck der Gründung einer muslimischen Kita gegründet worden. Zunächst wurde lange nach einer geeigneten Immobilie gesucht, dann sorgte ein Bericht des Hessischen Verfassungsschutzes für Stillstand.

In dem Bericht, der auch der HNA vorliegt, verweist der Verfassungsschutz auf eine „salafistische Beeinflussung“ durch einige Gründungsmitglieder des Vereins. Es gebe „Anhaltspunkte“ dafür. Konkrete Namen werden im Dokument nicht genannt, der Vorstand wird von den Vorwürfen ausdrücklich ausgenommen. Möglicherweise agierten die problematischen Personen aber aus dem Hintergrund, mutmaßen die Verfassungsschützer.

Der Mebi-Vereinsvorsitzende Fatih Erden hatte sich stets gegen die Vorwürfe gewehrt und gefordert, ihm die angeblich salafistisch beeinflussten Mitglieder zu nennen. Mithilfe einer Anwältin erreichte er, dass das Landesjugendamt sein angekündigtes Veto für die muslimische Kita in Kassel zurückzog. Die Auflagen sehen unter anderem vor, dass sich die Elterninitiative von einem Beirat fachlich begleiten lassen muss. Zudem weist Erden Kritik zurück, sein Projekt sei der Integration muslimischer Kinder abträglich – diese Sorge äußerte etwa die CDU.

CDU-Fraktionschef Michael von Rüden sieht ungeklärte Fragen. Der Abschlussbericht des vor einem Jahr einberufenen Akteneinsichtsausschusses liege noch nicht vor. „Ich frage mich weiterhin, ob Integration und Kindeswohl gewährleistet sind“, so von Rüden. Der Stadtverordnetenvorsteher Volker Zeidler (SPD) kontert: Der Ausschuss habe seine Arbeit noch nicht beenden können, weil unter anderem von der CDU berufene Mitglieder die Akten nicht gelesen hätten.

Die muslimische Kita „Sonnenschein“ an der Hegelsbergstraße startet ihren Betrieb mit einer Gruppe von 25 Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Alle Plätze sind bereits vergeben. Die Einrichtung ist grundsätzlich offen für Kinder aller Religionen – die Hälfte muss aber aus dem Umfeld der Kita kommen. Das Speisenangebot ist „halal“ – also nach islamischem Glauben erlaubt. Träger der Kita ist kein Moscheeverein, sondern eine Elterninitiative.  (Bastian Ludwig)

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