3 Millionen Euro investiert

Effekte über Effekte: Im Filmpalast Kassel wird "Star Wars" gefühlsecht

Das Kasseler Multiplex-Kino hat umgebaut und zeigt das Weltraum-Epos in neuen Erlebnis-Technologien: 4DX und ScreenX gibt es kaum anderswo in deutschen Kinos.

Mit dem heutigen Filmstart des finalen Star-Wars-Abenteuers „Der Aufstieg Skywalkers“ beginnt in Kassel eine neue Kino-Ära: Der Filmpalast (bisher: Cinestar) am Karlsplatz hat pünktlich zu diesem Kinoereignis des Jahres den aufwändigen Umbau dreier Kinosäle mit neuartiger Erlebnis-Technik fertiggestellt.

Kassel ist nach Angaben der Betreiber jeweils die zweite Stadt bundesweit, in der Kinofilme in den Vorführstandards 4DX und ScreenX zu sehen sind. Nur in Berlin beziehungsweise in Bayreuth gibt es bereits solche Kinosäle.

Das Kürzel 4DX steht für ein gefühlsechtes Filmerlebnis. Dafür wurde einer der Säle im Filmpalast mit 84 Effekt-Sitzen ausgestattet, die pro Stück 100 Kilogramm wiegen und 5000 Euro kosten.

Sensorisches Highlight in Kassel

Vollgepackt mit Motoren und weiterer Technik, bewegen sie sich in alle Richtungen, erzeugen warme und kalte Luftströme, Wasserspritzer und Gekrabbel an den Beinen. Ergänzend dazu verströmen Geräte an den Saalwänden Nebel, Windeffekte, Blitze, Qualm, Schneeflocken und sogar Gerüche.

Auch der neue Star-Wars-Film wurde in dieser Weise synchronisiert. Vor allem durch die teils heftigen Stöße und Kippbewegungen ist das Kinoerlebnis mit 4DX so intensiv, dass die Kinobetreiber Schwangeren sowie alters- und krankheitsbedingt geschwächten Personen vom Besuch abraten. Auch für Alter und Größe von Kindern sowie für den Getränkeverzehr gibt es besondere Regelungen.

IMAX-Kino für höchste Schärfe und Brillanz

Der größte Saal im Filmpalast ist zum IMAX-Kino geworden – auch diese Technologie, die Bilder höchster Schärfe und Brillanz ermöglicht, gibt es bisher nur in einer Handvoll deutscher Kinos.

Der Projektor dafür wiegt laut Kinoleiterin Juliane de Boer 900 Kilogramm. Er sei per Kran durch eine Dach-Öffnung in das Kino eingebaut worden.

Neu ist schließlich außerdem ein ScreenX-Kinosaal, wo sich das Bild über die Seitenwände fortsetzt und einen 270-Grad-Rundblick ermöglicht.

In die Aufrüstung der drei Kinosäle hat die Filmpalast-Gruppe nach eigenen Angaben 3 Millionen Euro investiert. Für 2020 ist eine umfassende Modernisierung des gesamten Hauses mit insgesamt 13 Kinosälen geplant.

Kinosessel als Kreislauf-Treiber

„Star Wars“ darf auch im Kasseler Filmpalast erst ab heute gezeigt werden. Doch was die neue Kinotechnik möglich macht, konnte die HNA schon exklusiv vorab erleben: In den aufgerüsteten Sälen zeigte die Kinoleitung eine Auswahl kurzer Demo-Filme, die die Effekte und das neue Kinogefühl besonders gut in Szene setzen.

Bereit für eine Adrenalin-Achterbahnfahrt: Die Effektsitze im Kinosaal 6 mit 4DX-Technik sind für manche Überraschung gut. Im Bild von links HNA-Redakteur Axel Schwarz, Filmpalast-Chefin Juliane de Boer, Nicolas Frühling und Kinoleiter Oliver de Boer.

So wie bei der 4DX-Technologie: Mit einem Vibrieren in den Oberschenkeln fängt es recht harmlos an, als ein gehetzt wirkendes Paar auf der Leinwand ein Motorrad besteigt.

Die Beiden sind offenbar auf der Flucht – und das spürt der Kinozuschauer plötzlich unmittelbar im Sitz: Der kippt und rollt und wird von Stößen geschüttelt, während das rasende Zweirad-Duo über Großstadtstraßen brettert.

Im Filmpalast Kassel gibts gefühlsechtes Kino

Unwillkürlich krallen sich die Hände in die breite Sessellehne – ein offener Colabecher in der Hand wäre jetzt keine gute Idee. Während der Zuschauerpuls nach oben schnellt und sich der Blick aus der Cockpit-Perspektive zum Tunnel verengt, geht an den Rändern des Amok-Kurses ständig etwas zu Bruch oder explodiert.

Im Filmpalast Kassel spürt man alles hautnah: Wenn ein Brocken knapp am Kopf vorbeifliegt, kitzelt ein Luftzug den Nacken – und der Qualm eines explodierten Autos voraus ist kein 3D-Effekt. Der Schwaden steht buchstäblich im Kinosaal, erzeugt von einer Nebelmaschine.

Und während sich der Gleichgewichtssinn weiter müht, mit der rasenden Fahrt mitzuhalten, streift die Fuhre eine Wasserfläche – platsch, die Tropfen in Gesicht und Nacken waren echt.

Für alle Gemütsklassen etwas

Empfindliche können den Guss auch vorab per Knopfdruck blockieren, war zuvor erklärt worden. Doch das hat der adrenalingebeutelte Kinogast längst vergessen.

O nein, jetzt stürzt die Maschine, zerlegt sich in tausend Trümmer, die dem mitrutschenden Betrachter spürbar um die Hosenbeine fliegen – dafür sorgen kleine, peitschende Plastikstrippen an der Sitz-Unterseite. Und dieser Gestank nach verbranntem Gummi...

Ja, auch Geruchs-Effekte werden synchron zum Filmgeschehen im Saal versprüht. Kino-Chefin Juliane de Boer erklärt das, als der Kreislauf nach der Vorführung allmählich wieder runterkommt.

Effekte über Effekte, aber alles wohl dosiert

Bei „Star Wars“ sei die Abfolge der Effekte freilich nicht so dicht wie in diesem Demo-Trailer des südkoreanischen Filmtechnik-Entwicklers CJ: „Das würde ja niemand zwei Stunden lang aushalten.“

Und dabei war in diesem kurzen Adrenalin-Treiber gar nicht alles enthalten, was die neue 4DX-Technik kann. Über 20 Effekte sind es insgesamt. Kinoleiter Oliver de Boer setzt per Tablet-Befehl noch ein paar von ihnen drauf, die bei der Vorführung gefehlt haben: Er lässt etwa Seifenblasen von der Kinodecke regnen oder naturidentische Schneeflocken.

Seifenblasen gehören zu den Spezialeffekten Im Kinosaal 6 mit 4DX-Technik.

Die werden insbesondere die Fans von „Eiskönigin“ Elsa entzücken: Der 2. Teil des Disney-Welterfolgs wird im Filmpalast ebenfalls in 4DX gezeigt.

Aquarium-Feeling? ScreenX machts möglich

Im Nachbarsaal wartet eine weitere Technik-Neuerung namens ScreenX. Dabei fühlt sich der Betrachter wie ein Fisch im Aquarium, der nach allen Seiten aus seinem verglasten Behältnis herausschauen kann.

Man kann den Kopf hin- und herwenden wie bei einem Tennismatch – über alle drei Wände in Blickrichtung erstreckt sich das Kinobild. Das ist äußerst aufwändig zu produzieren und wird derzeit nur bei etwa zehn Filmen pro Jahr gemacht – so bei „Jumanji: The next Level“, der im Filmpalast in diesem Format zu sehen ist.

Hier macht sich nicht nur das Bild breit: Im ScreenX-Saal, wo sich das Leinwandbild über die Seitenwände fortsetzt, kann man die Sessel elektrisch in Liegeposition bringen.

Nicht minder beeindruckend sind im ScreenX-Saal die gewaltigen Sessel, die sich elektrisch in Liegeposition bringen lassen. Diesen Komfort sollen Kinogäste auch bei Vorstellungen in herkömmlichen Formaten genießen.

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