Neue Stadtführungen zum Thema Filmstadt Kassel

Hollywood-Göttin Marlene Dietrich hatte ihre erste Stummfilmrolle in Kassel

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In dem Ufa-Film "der blaue Engel" von 1929 betörte sie die Männerwelt mit ihrem Lied " Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt": Marlene Dietrich wirkte in über 70 Filmen mit. Ihre allererste Rolle hatte sie in einer Stummfilmproduktion, die 1922 im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel gedreht wurde. 

Kassel war schon vor fast 100 Jahren eine Filmstadt. Darum geht es während einer neuen Stadtführung. Wussten Sie zum Beispiel, dass Marlene Dietrich schon im Bergpark filmte?

Dass Kassel in den 1950er-Jahren ein Schauplatz für Filmdrehs und glanzvolle Kinopremieren war, ist weithin bekannt. Nicht jeder kann aber all die Stars aufzählen, die von hier aus ihre Filmkarriere gestartet haben oder die vielen Drehorte, die Kassel in neueren Filmproduktionen in den Blickpunkt rücken. Bei einem neuen Stadtführungs-Angebot kann man ins Staunen darüber kommen, wie vielfältig die Filmwelt ihre Spuren in Kassel eingeprägt hat.

Chaosfahrt auf Kassels Straßen: Trude Herr, Peter Frankenfeld und am Steuer Heinz Erhardt bei den Dreharbeiten zu „Natürlich die Autofahrer“ aus dem Jahr 1959. Foto: Privatarchiv Baus/nh

Das überspannt einen Bogen von bald 100 Jahren und beginnt 1922 im Bergpark mit der ersten Stummfilmrolle einer damals noch unbekannten Schauspielerin, die später unter dem Namen Marlene Dietrich Weltkarriere machte. Sie blieb nicht die einzige Hollywood-Göttin, die der Stadt ihre Aufwartung gemacht hat: „In die Raabestraße kommen wir mit dem Bus jetzt schwer rein“, erklärt Stadtführerin Claudia Panetta-Möller ihren Passagieren; „aber da hat mal Rita Hayworth für ein paar Tage gewohnt.“

Rita Hayworth in Kassel

Ja, 1947 war das, als die Filmdiva zwecks künstlerischer Truppenbetreuung für amerikanische GIs einen Abstecher nach Kassel machte. Sie sei „impressed by the lovely scenery“, sagte sie damals diplomatisch zu Zeitungsreportern im kriegszerstörten Kassel.

Panetta-Möller kann dies nur ganz kurz abhandeln, denn alle paar hundert Meter gibt es schon wieder Neues über Filmspuren in Kassel zu erzählen. Dabei steuert sie etliche selbst erlebte Anekdoten bei, denn als langjährige Stadtführerin hat sie diversen Filmteams geholfen, in Kassel einen Überblick zu erhalten und Drehorte zu finden.

Traumpaar der 50er: Auch Maria Schell und O. W. Fischer drehten in Kassel. Repro: Privat

So war es auch 2010 bei den Arbeiten an der TV-Krimi-Schmonzette „Grimms Mördchen“ aus der Pfarrer-Braun-Reihe mit Ottfried Fischer: Es galt, „einen Ort zu finden, der spektakulär genug war, um dort eine Leiche zu verstecken“. Sie habe etwa die Gruft der Löwenburg vorgeschlagen oder Gewölbe unter dem Weinberg, erzählt Claudia Panetta-Möller: „Das Team war jedes Mal ganz begeistert.“

Drogen-Drama mit Kasseler Drehorten: Bei diesem Film von 1956 führte Hauptdarsteller Curd Jürgens zugleich auch Regie. Repro: Archiv

Ottfried Fischer und zu enge Gassen

Doch jedes Mal sei ein Problem physischer Art aufgetaucht – „die Körpergröße und -fülle von Ottfried Fischer.“ Es hätte nicht ansprechend ausgesehen, wenn sich der massige Schauspieler durch zu enge Gänge quetschen muss. „Wir haben ihn einfach nirgendwo hineingekriegt“, sagt Claudia Panetta-Möller. Welche Lösung gefunden wurde, verrät sie ihren Gästen auf der zweistündigen Tour – und auch, warum mancher Film, der in Berlin spielt, Szenen enthält, die in Kassel gedreht worden sind.

Kinoschlager aus den 1950ern

Und dann gibt es natürlich an jeder Ecke Erinnerungen an die vielen 50er-Jahre-Kinoschlager unter anderem mit Gert Fröbe und Georg Thomalla, mit Curd Jürgens, Walter Giller und dem schelmischen Heinz Erhardt, der als tollpatschiger Verkehrsteilnehmer Kassels Straßen unsicher macht. Unvergessen ist seine Chaosfahrt als Fahrschüler über den Goethestern („Natürlich die Autofahrer“, 1959) – ebenso wie die spektakuläre Verfolgungsjagd von Karl Lieffen als Meisterdetektiv Nick Knatterton rund um den Ständeplatz.

Er holte die Stars in die Stadt: Kinomogul Gerhard Theurich (Mitte) mit Werner Finck (links) und Walter Giller im Hotel Reiss, wo viele Premieren stattfanden. Foto: Privat

Für solche Szenen war das autofreundlich wiederaufgebaute Kassel damals ein beliebter Drehort, sagt Claudia Panetta-Möller: „Auf den breiten Straßen hatten die Filmteams reichlich Platz.“

Das wäre bei späteren Filmprojekten sicher auch Ottfried Fischer entgegengekommen.

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