Jedes Stück ein Unikat

Für ihre Tassen stehen Käufer Schlange: Studentin aus Kassel stellt ungewöhnliches Geschirr her

Formt in ihrem Atelier Geschirr aus Ton: Theresa Schwietzer stammt aus Kassel und studiert an der Kunsthochschule Produktdesign.
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Formt in ihrem Atelier Geschirr aus Ton: Theresa Schwietzer stammt aus Kassel und studiert an der Kunsthochschule Produktdesign.

Eine Studentin aus Kassel fertigt ungewöhnliches Geschirr aus Keramik an – und die Leute stehen Schlange dafür.

Kassel – Dass ihr das Arbeiten mit Ton so viel Spaß machen würde, damit hatte Theresa Schwietzer nicht gerechnet, als sie vor zwei Jahren ihr erstes Praktikum bei einer Keramikerin gemacht hat. Dass sich irgendwann Schlangen vor Läden bilden, weil Menschen ihre Tassen kaufen wollen, damit noch weniger.

Die 24-Jährige studiert Produktdesign an der Kasseler Kunsthochschule. „Mir war es schon immer ein Anliegen, bei meinen Arbeiten Kunst und Handwerk zu verbinden“, sagt die gebürtige Kasselerin, die an der Jacob-Grimm-Schule Abitur gemacht hat. So produziert sie seit 2019 unter dem Namen Theo Keramik vorwiegend Geschirr. Auch in mehreren Restaurants in der Region wird mittlerweile von Schwietzers Tellern gegessen.

Tassen made in Kassel: Studentin fertigt Unikate an

Ob sie eine Idee hat, warum die Nachfrage nach ihren handgemachten Unikaten so groß ist? „Es hat zuletzt einen Bewusstseinswandel gegeben. Es wird darauf geachtet, was man kauft, wie man kauft und wo die Dinge herkommen, die man kauft“, sagt sie. „In der Lebensmittelindustrie gibt es das Umdenken zu regionalen Produkten und Biowaren schon länger, jetzt ist es auch in anderen Bereichen angekommen.“

Schwietzer wollte keine Waren mehr aus Massenproduktion im Schrank haben, so kam es dazu, dass sie damit begann, Produkte selbst zu fertigen: „Mir war es wichtig, dass ich etwas mache, das langlebig ist“, sagt sie. Nachdem sie bei ihrem Praktikum die Grundlagen erlernt hat, hat die Studentin sich im vergangenen Jahr vieles selbst beigebracht. Den Begriff „töpfern“ hört sie eher allerdings ungern. Aus ihrer Sicht klingt das altbacken.

Beliebt: Die „Boobie-Tassen“ haben Brüste und sollen zeigen, dass jeder Körper in seiner individuellen Form schön und besonders ist.

Geschirr aus Kassel beliebt: Studentin eröffnet eigene Werkstatt

Kürzlich hat Schwietzer ihre eigene Werkstatt in der Wilhelmshöher Allee gegründet. Sobald Corona es zulässt, will sie in der Werkstatt auch Drehkurse anbieten. „Wer sich an der Scheibe versucht, merkt schnell, dass es nicht so einfach ist, wie es aussieht“, sagt Schwietzer. Wer aber ein bisschen Geschick und Feingefühl in den Händen mitbringe, könne das Handwerk gut erlernen. Schwietzer sieht sich selbst nach zwei Jahren noch nicht als Profi, auch wenn die Nachfrage nach ihren Stücken das durchaus vermuten lässt.

Vor allem vom Ansturm auf ihre „Boobie-Tassen“ aber ist sie noch immer überrascht. Ihr „Boobies“ sind Tassen, die Brüste haben. „Die Idee dazu stammt nicht von mir“, betont Schwietzer. Inspiriert hat sie das soziale Netzwerk Instagram, wo viele Künstler aktiv sind, die sie fertigen. Sie wollen damit unterstreichen, dass jeder Körper schön ist – unabhängig von Hautfarbe oder Statur.

Studentin aus Kassel fertigt zu Beginn Tassen für Freunde – dann kommt der Erfolg

Anfangs hat Theresa Schwietzer wenige Tassen als Geschenke für Freunde hergestellt. „Schon da bin ich oft angesprochen worden, ob jemand auch eine bekommen kann“, erinnert sie sich. Zuletzt standen die Kunden dann sogar vor dem Soki-Laden in der Friedrich-Ebert-Straße Schlange, um eine Boobie-Tasse zu bekommen. Zwischen 200 und 300 Tassen hat Schwietzer vor Weihnachten verkauft – 25 Euro kostet eine.

Auf Instagram bekam sie Anfragen aus ganz Deutschland, die sie nicht alle beantworten konnte. Drei bis vier Wochen hat Schwietzer die Tassen in Arbeit. „Schon für einen Brand feuert der Ofen zwei Tage, um die entsprechende Temperatur zu erreichen“, erklärt sie. „Aber wenn man ihn dann öffnet und sieht, dass das gelungen ist, was man sich vorgestellt hat, ist das das schönste Gefühl.“ (Kathrin Meyer)

Was ist Keramik?

Keramik ist der Oberbegriff für geformte und dann gebrannte Produkte, die aus Ton oder Glas sein können. Im Bereich der Tonkeramik, wie sie auch Theresa Schwietzer herstellt, gibt es beispielsweise das eher gröbere Steingut oder das sehr feine Porzellan. In der industriellen Verarbeitung wird Ton meist in Formen gegossen. Das Verfahren an der Drehscheibe ist eher das traditionelle ursprüngliche Handwerk. Nach dem Drehen auf der Scheibe muss das Produkt trocknen, bevor es nochmals abgedreht wird. Nach einer erneuten Trocknungsphase erfolgt im Ofen der erste Brand bei einer Temperatur von 1000 Grad. Danach wird oftmals eine Glasur aufgetragen und das Gefäß wird erneut gebrannt. 

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