Das soll sich aber ändern

Friedrich-Ebert-Straße ist keine offizielle Fanmeile

Fester Treffpunkt für Fußballfans: Seitdem Deutschland im Jahr 1990 Weltmeister in Italien wurde, treffen sich Kasseler Fans bei großen Turnieren auf der Friedrich-Ebert-Straße. Bis heute gibt es keine klaren Regeln und Verantwortlichen für diese Veranstaltung. Foto: Fischer

Kassel. Dass sich Fußballfans auf der Friedrich-Ebert-Straße treffen, um einen Sieg der deutschen Nationalmannschaft zu feiern, gab es erstmals bei der Weltmeisterschaft 1990.

Damals holte das Team von Franz Beckenbauer den Titel, entsprechend knallten auch in Kassel die Korken. Nachdem Deutschland 1996 Europameister geworden war, war die Entwicklung der Kneipen- zu einer Fanmeile bei Turnieren nicht mehr zu stoppen.

„Seither gibt es das Phänomen, dass man sich nach einem Spiel dort triff“, sagt Bernd Kessler, beim Ordnungsamt zuständig für Veranstaltungen und die Gastronomie. Nach und nach stellten die Wirte Stände auf, die Veranstaltung wuchs von Turnier zu Turnier. Allerdings ist die Friedrich-Ebert-Straße nie zu einer offiziellen Fanmeile erklärt worden. Sie ist zum Beispiel nicht mit der Fanmeile in Berlin zu vergleichen, für die es klare Regeln gibt. Dort werden die Fans an den Eingängen kontrolliert, es gibt einen Sicherheitsdienst und es ist verboten, Alkohol und Glasflaschen mitzubringen.

Wodka aus dem Supermarkt

Anders in Kassel. Hier decken sich viele der Feiernden in den benachbarten Supermärkten mit Sixpacks oder Wodkaflaschen ein, die dann vor den Kneipen geleert und im schlimmsten Fall auf die Straße geworfen werden. Für die Reinigung sind allerdings wieder die Gastronomen zuständig. „Die Wirte sind keine Veranstalter, momentan eher die Leidtragenden“, sagt Kessler. Sie müssen sich derzeit mit dem Ärger der Anwohner über Lärm, Müll, Pinkler und Schläger auseinandersetzen.

Mit der derzeitigen Situation ist keiner der Beteiligten mehr zufrieden. Deshalb gebe es konkrete Pläne für die Zeit nach der Europameisterschaft, sagt Kessler. In Kassel soll es für die WM 2014 in Brasilien eine offizielle Fanmeile mit einem verantwortlichen Veranstalter geben. Natürlich werde sich nur ein Veranstalter finden, wenn es auch Aussicht auf einen finanziellen Erfolg gebe.

Für Wolfgang Rudolph, Ortsvorsteher des Vorderen Westens, ist eine Fanmeile mit „kontrollierten Zugängen, zu der man keinen Alkohol mitbringen darf, die einzige Möglichkeit, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Im Kasseler Magistrat sei bereits über das Thema gesprochen worden, sagt Rudolph.

Das wäre auch im Sinne der GWH-Wohnungsgesellschaft, die Häuser an der Friedrich-Ebert-Straße hat. Laut GWH-Sprecherin Sabine Mucksch turnten beim letzten Deutschlandspiel Fans auf dem Flachdach der ehemaligen Milchbar, das gerade erst neu gedämmt worden war. Vom Schaden abgesehen sei das auch sehr gefährlich, sagt Mucksch.

Das Ordnungsamt habe nichts dagegen unternommen, weil es sich um Privatbesitz handele. „Wir hoffen nun auf den Einsatz der Behörden beim Halbfinale.“ (use)

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