Verkehrsexperiment startet im September

Fußgängerzone vom Stern bis zur Uni auf Probe: Außengastronomie und Kultur statt Autoverkehr

Soll vier Wochen gesperrt und mit Kultur belebt werden: die Untere Königsstraße zwischen Stern und Uni.
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Soll vier Wochen gesperrt und mit Kultur belebt werden: die Untere Königsstraße zwischen Stern und Uni.

In Kassel steht ein spannendes Experiment an: Die Fußgängerzone soll vom Stern bis zur Uni verlängert werden - für Außengastronomie und kulturelle Veranstaltungen.

Kassel – Bei einem Freiluft-Experiment soll die Fußgängerzone in Kassel versuchsweise länger werden: Schon seit Längerem gibt es den Plan, die Untere Königsstraße zwischen dem Stern und dem Holländischem Platz an der Universität Kassel etwa vier Wochen lang für den Fahrzeugverkehr zu sperren und für Kultur sowie Straßengastronomie zu reservieren. Mit Verkehrserhebungen und wissenschaftlicher Begleitung soll dann geschaut werden, ob sich das bewährt.

Für das zunächst für April geplante Vorhaben zur Verlängerung der Fußgängerzone in Kassel gab es mehrere Anläufe und Verschiebungen, zuletzt wegen der Corona-Pandemie. Nun haben die Initiatoren einen neuen Termin ins Auge gefasst: Aktuell gehe die Planung vom Zeitraum 5. September bis 3. Oktober 2021 aus, teilte Rathaus-Pressesprecher Claas Michaelis auf HNA-Anfrage mit: „Natürlich steht alles unter dem Vorbehalt, dass im September Veranstaltungen dieser Art möglich und zulässig sind.“

Fußgängerzone in Kassel verlängern: Projekt mit Fördergeld ausgestattet

Ungeachtet dessen gab es jetzt schon mal Vorschusslorbeeren für das Kasseler Experiment: Beim Landeswettbewerb zur hessischen Innenstadt-Offensive „Ab in die Mitte“ wurde das Vorhaben mit 20.000 Euro Preisgeld gefördert. Empfängerin ist das Kultur- und Beteiligungskollektiv Raamwerk, das für die geplanten Belebungs-Aktivitäten ein kulturelles Rahmenprogramm konzipiert. Auch Studierende der Uni Kassel sind an den Planungen beteiligt. „Wir freuen uns sehr“, sagte Samson Kirschning von der Gruppe Raamwerk: „Das Geld verschafft uns den nötigen Spielraum, um ein tolles Programm auf die Beine zu stellen.“

Laut einem Exposé von Raamwerk sollen im temporär abgesperrten Straßenraum Aktionen von Kasseler Initiativen und Vereinen stattfinden. Dazu gehören Straßenkunst, Sportaktionen und Debatten; die am Stern ansässigen Gastronomen und Läden sollen Kulinarisches anbieten und Straßencafé-Atmosphäre schaffen.

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Fußgängerzone in Kassel bis zur Uni: „Potenziale des Straßenraums herausarbeiten“

„Es geht darum, die Potenziale dieses Straßenraums herauszuarbeiten, wenn man ihn vom Kfz-Durchgangsverkehr befreit“, sagte Rathaussprecher Michaelis. Straßenbahnen und Busse sollen während des Verkehrsversuchs weiter auf dem Streckenabschnitt fahren, begleitende Verkehrserhebungen Aufschluss über die Auswirkungen auf die Verkehrslage rund um den Stern bringen.

Solche Erkenntnisse seien nötig und hilfreich für eine fundierte Verkehrsplanung, sagte Kassels Verkehrsdezernent Dirk Stochla: „Ich bin froh, dass wir mit dieser schon länger diskutierten Veranstaltung nun einen Schritt weiterkommen.“ Der Wandel bei Mobilität und Verkehr erfordere Dialog und Beteiligung. „Gerade wenn es um die Umverteilung von Verkehrsflächen geht, muss transparent über die Chancen und Wirkungen gesprochen werden“, sagte Stochla.

Vom Stern bis zum Holländischen Platz an der Uni: Für das Fußgängerzonen-Projekt würde die Untere Königsstraße in Kassel für den verkehr komplett gesperrt.

Während der Aktion solle es ausreichend Hinweisschilder auf die Umleitung des Durchgangsverkehrs geben, teilte die Stadt mit. Und für die Geschäftsanlieger würden „lokale Lösungen mit Blick auf Anlieferung und Kundenverkehr gefunden“.

Betroffene Ladenbetreiber und Gastronomen stehen dem Vorhaben unterschiedlich gegenüber. Während sich manche eine Aufwertung des als Drogen- und Kriminalitätsbrennpunkt verrufenen Straßenzugs erhoffen, fürchten andere, dass ihnen ohne Zufahrts- und Parkmöglichkeit die Kundschaft wegbleibt und dass die Belieferung zum Problem werden wird. Laut den Initiatoren des Verkehrsexperiments gibt es aber eine deutliche Mehrheit derer, die der Sache positiv oder zumindest neutral gegenüberstehen. Dies habe eine Befragung der Anlieger ergeben. (Axel Schwarz)

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