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Gastronomie bietet alternative Verpackungen an - doch viele nutzen sie nicht

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Von: Evelina Kern

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Mit Einführung der Mehrwegpflicht soll die Umwelt etwas entlastet werden. Leider nutzen noch nicht viele Kasseler diese klimafreundlicheren Optionen.

Kassel – Der 1. Januar startete nicht nur mit allerlei guten Neujahrsvorsätzen, sondern auch mit einer Reform zur Entlastung der Umwelt. Denn mit dem neuen Jahr sind alle Gastronomen, die Speisen zum Mitnehmen anbieten, dazu verpflichtet Mehrweg-Alternativen für die Verpackung bereitzustellen.

Bei einem Gang durch Kassels Innenstadt fällt allerdings auf, dass die Mehrweg-Reform vielerorts nur schleichend Einzug hält. Denn auf Nachfrage heißt es in zahlreichen Betrieben, dass die Neuregelung gänzlich unbekannt sei oder erst allmählich eingeführt werden solle.

Mehrweg-Behältnisse für Speisen zum Mitnehmen schon in einigen Restaurants in Kassel verfügbar

Dennoch gibt es einige Ausnahmen, die die klimafreundlichere Variante auch nicht erst mit dem Jahreswechsel eingeführt haben. Bei Denn’s Biomarkt am Königsplatz gehören die Mehrweg-Behältnisse der deutschlandweiten Marke Recup schon seit über einem Jahr zum Inventar, erzählt Susanne Harm, Mitarbeiterin des dortigen Cafés.

Wiederverwenden statt wegwerfen: Maximilian Gehrmann mit den Pfand-Dosen der Fit Food Box.
Wiederverwenden statt wegwerfen: Maximilian Gehrmann mit den Pfand-Dosen der Fit Food Box. © Kern, Evelina

Für eine Mietgebühr von einem Euro für die Becher und fünf Euro für die Schalen können Kunden ihr Essen umweltfreundlich verpackt mitnehmen und die Behälter anschließend wieder abgeben. Nur die Deckel müsse man „aus Hygiene-Gründen“ für 1,50 Euro kaufen. Recup ist auch in vielen anderen Gastronomiebetrieben die nachhaltige Verpackungsalternative.

Mehrweg-System für Speisen zum Mitnehmen in Kassel nicht einheitlich

Die Bäckerei Thiele setzt seit November auf die Pfandbecher des Unternehmens. Für eine Gebühr von jeweils einem Euro für Becher und Deckel können Kunden zwischen verschiedenen Bechergrößen wählen. Auch in der Bäckerei Kamps in der Südstadt können Kunden auf Wunsch zum Recup greifen. Doch auch dort gab es bereits vor der Reform eine nachhaltige Alternative. So konnten sich die Kunden Thermobecher kaufen, die in den Bäckereifilialen immer wieder befüllt wurden, erklärt Mitarbeiter Luke Lesniok.

Im Stadtcafé in der Treppenstraße sei der 1. Januar der Start von Recup gewesen. Mitinhaber Alexander Palupski begrüßt die Reform. „Doof ist nur, dass viele Gastronomien ihr eigenes System haben.“ Die Kunden sollten nach Palupskis Ansicht die Möglichkeit haben, ihre To-go-Behälter überall abgeben zu können. Möglicherweise wäre das der Weg, die Attraktivität der Becher für die Kunden zu erhöhen.

Nur vier oder fünf Getränke: Mehrweg-System für Gastronomie in Kassel startet schleppend

Schließlich scheint sich die Nachfrage noch in Grenzen zu halten. „Bis jetzt haben wir höchstens vier oder fünf Getränke in den Mehrwegbechern verkauft“, erzählt Katharina Bublitz, Mitarbeiterin der Bäckerei Thiele in Niederzwehren. Die Beliebtheit der Einwegvariante für den Kaffee zum Mitnehmen überwiegt also immer noch.

Essen aus Metall-Behältern: Lê Anh zeigt die warme und klimafreundliche Verpackung, in der das Essen den Asia Loop in Kassel verlässt.
Essen aus Metall-Behältern: Lê Anh zeigt die warme und klimafreundliche Verpackung, in der das Essen den Asia Loop in Kassel verlässt. © Evelina kern

Anders sieht es aber bei Asia Loop am Königstor aus. Hier passiert es nur ab und zu, dass das Essen den Laden in Papierbehältern verlässt. „Nur wenn Kunden nicht aus Kassel kommen, nehmen sie ihre Gerichte so mit“, sagt Lê Anh aus dem Asia Loop. Gewöhnlich erhält man sein Essen zum Mitnehmen in einer Metallbox. „Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern das Essen bleibt auch zwei bis drei Stunden warm“, so die Gastronomin. Die kostenlose Box können die Abnehmer anschließend wieder im Laden abgeben oder in eine Kiste vor dem Eingang legen.

Warten auf die neue Mentalität: Mehrweg-System für Gastronomie in Kassel läuft langsam an

Nur wenige Meter weiter befindet sich eine weitere Gastronomie, die sich von Beginn an zur Aufgabe machte, den Verpackungsmüll ihrer Gerichte so gering wie möglich zu halten. Denn auch die Fit Food Box in Kassel setzt auf umweltfreundliche Optionen mit einem Pfandsystem für das Essen zum Mitnehmen. „Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig“, betont Maximilian Gehrmann von der Fit Food Box.

Gestartet sind die Gastronomen ebenfalls mit Dosen von Recup. Mittlerweile stellen sie nach und nach auf ihr eigenes Verpackungssystem um. „Unsere Kunden sind meist auch sonst vegan und grün unterwegs und nutzen deshalb oft die Möglichkeit, auf die Wegwerfboxen zu verzichten“, erklärt Gehrmann. Es bleibt also abzuwarten, ob sich diese Mentalität auch stadtweit ausbreitet. (Evelina Kern)

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