Unterstützer gesucht

Gegen Verpackungsmüll: Kasselerinnen wollen Unverpackt-Laden eröffnen

Lebensmittel direkt ins Glas abfüllen: Franziska Werner (links) und Samira Waldeck sammeln weiter Geld für ihren Unverpackt-Laden im Vorderen Westen.
+
Lebensmittel direkt ins Glas abfüllen: Franziska Werner (links) und Samira Waldeck sammeln weiter Geld für ihren Unverpackt-Laden im Vorderen Westen.

Seit Jahren versuchen Samira Waldeck und Franziska Werner ihren Verpackungsmüll zu reduzieren. In Kassel wollen sie jetzt im Vorderen Westen einen Unverpackt-Laden öffnen.

Mit der Zahnbürste aus Bambus ging es los. Nach und nach stellten die beiden jungen Frauen aus Kassel – damals noch unabhängig voneinander – ihr Einkaufsverhalten um: Seife statt Duschgel, Obst und Gemüse direkt am Marktstand statt verpackt aus dem Supermarkt. Auch Fleisch und tierische Produkte kommen bei den Veganerinnen nicht in die Tüte.

Sie gehen das Projekt plastikfreies Leben mit Sportsgeist an: Jeden Monat ein Produkt weniger, das Müll verursacht, lautet die Herausforderung, sagt Franziska Werner und schickt ein entwaffnendes Lachen hinterher. Sie betont, dass es bei ihrem Lebensstil nicht darum gehe, sich etwas zu verbieten. „Wir wollen es einfach so.“

Im vergangenen Frühjahr, als die 29-Jährige aus Hamburg nach Kassel zog, lernte sie bei ihrer Arbeit im veganen Imbiss „Zum Glücklichen Bergschweinchen“ Samira Waldeck kennen, die dort als Köchin angestellt ist.

Mehr als 300 Menschen unterstützen die Idee bereits

Die Kasselerin war kurz zuvor von einer Reise nach Südostasien zurückgekehrt. „Dort habe ich an den Stränden das Plastik, das wir verwenden, wiedergesehen“, sagt die 30-Jährige. 

Das sei der letzte Anstoß gewesen, ihren seit Längerem gehegten Plan für einen Unverpackt-Laden in ihrer Heimatstadt in die Tat umzusetzen. Mit Franziska Werner, die in Hamburg plastikfreie Einkaufen schätzen gelernt hat, fand sie eine begeisterte Mitstreiterin.

Im kommenden März wollen sie ihre „Nachfüllbar“ im Vorderen Westen eröffnen – wo genau, ist noch offen. Derzeit läuft eine Crowdfunding-Aktion, bei der sie innerhalb von drei Wochen bereits 20 300 Euro Startkapital gesammelt haben. Mehr als 300 Menschen haben das Vorhaben schon mit einer Spende unterstützt.

Bewusstsein für ökologische Themen sei spürbar gestiegen

In dem Laden wollen die angehenden Unternehmerinnen vor allem Grundnahrungsmittel anbieten, die man in mitgebrachte Gefäße abfüllen kann: Nudeln, Reis, Gewürze, Nüsse, Getreide, Kaffee, Tee und Öle. Auch Haushalts- und Drogerieprodukte sollen zum Sortiment des Unverpackt-Ladens gehören – insgesamt knapp 200 Produkte.

Frische Lebensmittel werde man nicht anbieten, sagt Samira Waldeck: Im Umfeld gebe es ausreichend Bäcker, Metzger und den Wehlheider Wochenmarkt.

Dass vor eineinhalb Jahren der erste Kasseler Unverpackt-Laden in der Südstadt aufgeben musste, ist beiden Initiatorinnen bewusst. Sie glauben, dass ihr Projekt Erfolg haben wird. 

Zum einen, weil im Vorderen Westen die Hauptklientel für ein solches Geschäft lebe und das Viertel so attraktiv sei, dass Kundschaft auch aus anderen Stadtteilen gern herkomme, sagt Waldeck. Zum anderen, „weil die Zeit reifer ist“. Das Bewusstsein für ökologische Themen sei in letzter Zeit spürbar gestiegen.

Dabei seien es nicht nur junge Leute, die weg vom Plastik wollten. Auch viele ältere wünschten sich zurück, dass man wie früher die Menge abfüllen könne, die man brauche.

Unverpackt-Laden: Eine Idee, viele Unterstützer

Noch bis 22. Dezember läuft die Crowdfunding-Aktion für den Unverpackt-Laden „Nachfüllbar“ auf der Internet-Plattform Startnext. Beim Crowdfunding geht es darum, Geld für die Verwirklichung einer Idee oder eines Projekts zu sammeln, indem man viele Unterstützer gewinnt, die etwas spenden. 

Franziska Werner und Samira Waldeck hatten bereits nach einer Woche das nötige Startkapital von 10 000 Euro für den Laden zusammen. Jetzt sammeln sie weiter, unter anderem, für eine Nussmus-Maschine, sodass in Laden Aufstrich aus Nüssen selbst produziert werden kann. 

Sollten 30 000 Euro oder mehr zusammenkommen, können Glas- statt Plastikspender für die Lebensmittel angeschafft werden. Wie beim Crowdfunding üblich, bekommen alle Unterstützer je nach Höhe der Summe ein Dankeschön – vom Baumwollbeutel bis zum Einkaufsgutschein für die Nachfüllbar.

startnext.com/nachfuellbarkassel

Erster Unverpackt-Laden Nordhessens musste nach einem Jahr schließen

Im August 2017 eröffnete Nordhessens erster Unverpackt-Laden in Kassel. Doch nach nur einem Jahr war Schluss für die Butterblume - er Umsatz habe nicht zum Leben gereicht, sagte Inhaberin Helen Neuwirth.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.