Stockshop in der Innenstadt

Kassel geht an ihren Stöcken - auch prominente Kunden

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Haben ihre Nische gefunden: Hannes Heckmann (links) und sein Vater Christian verkaufen über das Internet und in ihrem Laden an der Großen Rosenstraße Gehstöcke. Foto: Zgoll

Kassel. So mancher Einzelhändler schimpft auf das Internet, wenn ein Kunde mal wieder ein Gerät begutachtet hat und es dann doch online bestellt. Für Christian Heckmann, Inhaber des Stockshops an der Großen Rosenstraße, bedeutet es hingegen die Wiederbelebung des Geschäfts mit den Gehstöcken.

„Nur durch den Onlinehandel kann ich es mir erlauben, einen Laden zu betreiben“, sagt der 51-Jährige.

Hinweis:

Das Geschäft ist donnerstags geöffnet, ansonsten ist Voranmeldung erbeten.

Das Geschäft, in dem die Spazierstöcke verkauft werden, sei quasi ein Zusatzgeschäft. Die überwiegenden Einnahmen kämen aus dem Onlinehandel. Fünf bis zehn Bestellungen gehen bei ihnen pro Tag ein. Die Preise bewegen sich zwischen 39 und 2000 Euro. „Meines Wissens nach sind wir das einzige reine Stockgeschäft bundesweit“, sagt der 51-jährige Heckmann, der mit seinem 23-jährigen Sohn Hannes das Geschäft betreibt – laut Gewerberegister ist der Laden zumindest der einzige in Kassel mit diesem Angebot.

Zwischenzeitlich war der Spazierstock eigentlich zu einer Seltenheit auf der Straße geworden. Denn der medizinische Aspekt als Gehhilfe rückte in den Vordergrund, der Stock kam aus der Mode. Dabei gehörte er bis in die 60er-Jahre noch häufig zum Outfit des gut gekleideten Herrn, erklärt Heckmann, dessen Urgroßvater in Eschwege einst mit bis zu 400 Mitarbeitern Gehstöcke produzierte. Sein Großvater und Vater führten das Geschäft fort – bis die Produktion abgegeben wurde und schließlich die Stöcke seit dem Jahr 2000 über Onlinehandel vertrieben werden.

Modell „Trinkstock“: Ein ähnlicher Stock sollte eine Rolle in einer Serie mit Schauspieler Dieter Pfaff spielen. Besonderheit: Reagenzglas für Schnaps. Preis: ab 100 Euro.

Zu seinen Kunden gehörte auch manch Prominenter, wie der im vergangenen Jahr verstorbene Schauspieler Dieter Pfaff. „Für eine neue Serie hatte seine Produktionsfirma nach einem speziellen Stock bei mir angefragt, einem Trinkstock“, sagt Heckmann. Die Serie ging nie auf Sendung, weil der Schauspieler schwer erkrankte. Den Stock habe er ihm aber persönlich überreicht, sagt Heckmann.

Der Clou: Der Griff des Trinkstocks ist abschraubbar. Im Innern befinden sich ein Reagenzglas und zwei kleine Zinnbecher. Ohnehin sei der Gehstock wieder im Kommen: Sänger wie Peter Fox oder auch Rihanna seien da Vorreiter. Auffällig sei, dass jüngere Menschen, die an der Nervenerkrankung multiple Sklerose erkrankt seien, häufig Stöcke bestellten, die auch modisch seien. Die Menschen wollten lieber auf einen besonderen Stock als auf ihre Erkrankung angesprochen werden, sagt Heckmann.

Bei den älteren Kunden ist der Gehstock beliebter als der Rollator – auch mal als Waffe, sagt Heckmann. „Ich werde des Öfteren gefragt, ob der Stock etwas aushält, falls man angegriffen wird.“ Ein Gehstock habe aber noch weitere Vorteile: „Mit einem Stock in der Hand geht man direkt aufrechter und selbstbewusster durch die Welt.“ Seine Kunden stockten zudem immer mehr auf: „Der Trend geht zum Zweitstock: einen für den Alltag und einen für besondere Anlässe.“

Von Max Holscher

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