Kassel: 98 Geschädigte im öffentlichen Nahverkehr seit Januar

Geschädigt: Karla H. Foto: Ludwig

Kassel. In diesem Jahr hat die KVG im öffentlichen Nahverkehr in Kassel und dem näheren Umland bislang 98 Personenschäden registriert. Wir schildern an einem realen Fall, wie sich betroffene Fahrgäste verhalten sollten.

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Eine der Geschädigten ist Karla H. Die 73-jährige Kasselerin, die ihren vollen Namen nicht nennen möchte, stürzte bei der Gefahrenbremsung eines Busfahrers. Ein Fußgänger war unvermittelt über die Straße gelaufen. Nach dem Vorfall hat sie gemerkt, wie langwierig und kompliziert es werden kann, als Fahrgast Schmerzensgeld oder Schadensersatz zu beantragen. Seit fast drei Monaten ist sie nun schon darum bemüht.

Wer in einen Unfall mit Bus und Bahn verwickelt ist, sollte mehrere versicherungsrechtliche Dinge beachten, sagt Verkehrsrechtler Christian Höhmann von der Kasseler Anwaltskanzlei Dr. Arnulf Vogel. Zunächst versuche die Krankenversicherung, sich die Kosten für die Heilbehandlung vom Verursacher des Unfalls wiederzuholen. Dazu sei es notwendig, dass Verletzte sofort zum Arzt gehen, um ein ärztliches Attest zu bekommen.

Vorerst übernehme aber die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung. Erster Ansprechpartner für die Krankenkasse sei die Haftpflichtversicherung des Verkehrsunternehmens. Diese Haftpflichtversicherung sei auch zuständig für mögliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen der Betroffenen.

Wenn das Verkehrsunternehmen nicht der eigentliche Unfallverursacher ist, sondern etwa ein Fußgänger, der bei Rot die Ampel kreuzt, werde die Lage kompliziert. Ist die Person identifizierbar, könne sie für den Schaden verantwortlich gemacht werden. Ist die Person unbekannt, so ergebe sich aus dem Beförderungsvertrag dennoch eine Fürsorgepflicht gegenüber den Fahrgästen. Unter Umständen müssten Verkehrsunternehmen auf dieser Basis für den Schaden aufkommen. In solchen Fällen komme es häufig zu Gerichtsverfahren.

Für Zweifelsfälle gebe es eine Verkehrsopferhilfe, die von Haftpflichtversicherern getragen sei. Diese zahle dann.

Im Verhältnis zu 42 Millionen Fahrgästen, die jährlich das ÖPNV-Angebot in und um Kassel nutzen, sind 98 Unfälle vergleichsweise wenig. (bal)

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