Lederwarenhaus ist wieder geöffnet

Kasseler Traditionsgeschäft Etuis-Mertl ist nach Umbau doppelt so groß

Der viermonatige Umbau ist geschafft: Die Etuis-Mertl-Inhaber Martina Pape und Matthias Pape-Herwig vor den Geschäftsräumen an der Friedrich-Ebert-Straße, die nun von 97 auf 245 Quadratmeter Verkaufsfläche angewachsen sind und von Grund auf erneuert wurden.
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Der viermonatige Umbau ist geschafft: Die Etuis-Mertl-Inhaber Martina Pape und Matthias Pape-Herwig vor den Geschäftsräumen an der Friedrich-Ebert-Straße, die nun von 97 auf 245 Quadratmeter Verkaufsfläche angewachsen sind und von Grund auf erneuert wurden.

Immer mehr Kasseler Traditionsgeschäfte machen zu oder verkleinern sich, bei Etuis-Mertl geht man den umgekehrten Weg.  Die Verkaufsfläche an der Friedrich-Ebert-Straße wurde verdoppelt.

Nach vier Monaten Umbauzeit mit kompletter Schließung seit Oktober ist das völlig neu gestaltete Lederwarenhaus wieder geöffnet. Für die Inhaber Martina Pape und Matthias Pape-Herwig war das nicht nur ein finanzieller, sondern auch ein persönlicher Kraftakt. Sie sind seit Kurzem junge Eltern und haben zugleich monatelang über einer komplexen Baustelle gelebt. Warum halst man sich das auf? Martina Pape sagt: „Wer im Einzelhandel heute noch bestehen will, muss den Kunden Auswahl und Erlebnisse bieten, damit nicht jeder nur noch im Internet kauft.“

Etui Mertl mit 400 Schulranzenmodellen

Bei manchen Artikeln gehe das auch gar nicht – so wie bei den 400 Schulranzenmodellen, die jetzt in einem vergrößerten, separaten Bereich direkt an der Friedrich-Ebert-Straße präsentiert werden. So ein Ranzen müsse vor dem Kauf für jeden Kinderrücken anprobiert werden, damit haltungstechnisch alles passt, sagt Martina Pape. Aber cool aussehen soll der Tornister ja auch. Wenn Abc-Schützen im neuen Ranzenladen vor dem Spiegel stehen, können sie dank Kameratechnik zugleich auf einem Bildschirm beobachten, wie sich ihr Ranzen-Favorit aus der Rückenperspektive macht.

Schönes Detail: Senior Walter Pape in der Kofferabteilung an einer Gepäckband-Attrappe, die vom Flughafen Kassel inspiriert ist. Die gelisteten Ziele verströmen Optimismus.

Schöne Details sind auch im Hauptverkaufsraum zu entdecken: In der Kofferabteilung zieht eine Gepäckband-Attrappe samt Flug-Anzeigetafel im Stil des Airports Kassel die Blicke auf sich. Mögen einmal von Calden aus so viele interessante Städte angeflogen werden, wie dort angeschlagen sind.

Für die Vergrößerung der Ladenfläche wurden rückwärtig gelegene Garagen beseitigt und auf Höhe des Straßenniveaus angeglichen. Weiterhin wurden die früheren Fabrikationsräume für handgefertigte Muster- und Kollektionskoffer hinzugebaut, mit denen die Firma Etuis-Mertl ihre 108-jährige Tradition begründet hatte.

Hier befindet sich Etui Mertl in Kassel

Im Jahr 1910 sei nicht nur das Kasseler Unternehmen entstanden, sondern auch der weltbekannte Kofferproduzent Samsonite, erzählt Firmensenior Walter Pape. Mit seiner Frau Christa unterstützt er nach Kräften Tochter und Schwiegersohn, die die Geschäftsführung des Einzelhandelsbetriebs mit 20 Mitarbeitern und weiterem Standort an der Wilhelmsstraße vor drei Jahren übernommen haben.

An der Friedrich-Ebert-Straße ist die Eck-Schaufensterfront neben dem kleinen Quartiersplatz ein Stück größer geworden. Statt bisher drei separaten Eingängen gibt es nun einen zentralen Zugang ins Geschäft – dort, wo sich auch der Hauseingang befindet. Damit dieser auch nach Geschäftsschluss zugänglich bleibt, werden der Ranzenbereich links und der Hauptgeschäftsraum rechts davon mit bodentiefen Glasscheiben verschlossen – so wie man es vom Automatenbereich mancher Geldinstitute kennt.

Während es bei Etui Mertl größer weitergeht, schließen zwei bekannte Läden in Kassel. Brillen Vesper am Friedrichsplatz nach 54 Jahren und "Marys Bilderladen" in der Innenstadt nach 35 Jahren.

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