Kriminalstatistik

Kriminalität in Nordhessen: Gewaltkriminalität in Kassel und im Landkreis nimmt zu

+
Razzia auf der Jägerstraße Kassel: Insbesondere durch Kontrollen der AG Stern sind in der Stadt Kassel die festgestellten Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz im vergangenen Jahr auf 1274 Fälle gestiegen.

„Nordhessen bleibt eine sichere Region.“ So lautet das Fazit von Polizeipräsident Konrad Stelzenbach anlässlich der Präsentation der Kriminalstatistik für das vergangene Jahr.

  • Polizeipräsidium Nordhessen hat die Kriminalstatistik für 2019 vorgestellt
  • In Stadt und Landkreis Kassel nimmt die Gewaltkriminalität zu
  • Aufklärungsrate der Polizei auf Rekordhoch

Zwar sei 2019 die Zahl der Straftaten im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen auf insgesamt 41.910 Fälle leicht angestiegen (2018: 41 .548), allerdings habe die Aufklärungsquote mit 63,7 Prozent (+2,4 Prozent) ein Rekordhoch seit Bestehen des Polizeipräsidiums Nordhessen im Jahr 2001 erreicht.

Dieser nordhessische Trend schlägt sich auch in den Zahlen für die Stadt und den Landkreis Kassel nieder. In der Stadt Kassel wurden im Vorjahr 18.358 Straftaten angezeigt (333 mehr als 2018). 63,1 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. Im Landkreis kamen 7280 Delikte zur Anzeige (367 mehr als 2018), die Aufklärungsquote lag hier bei 60,3 Prozent.

Kassel: Mord an Walter Lübcke hat 2019 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt

Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke ist wohl die Straftat in Nordhessen, die im vergangenen Jahr bundesweit für die meisten Schlagzeilen gesorgt hat. Lübcke war am 2. Juni 2019 auf seiner Terrasse in Wolfhagen-Istha erschossen worden. Es handelt sich um den einzigen Mord, der in der Statistik für den Landkreis Kassel für das vergangene Jahr auftaucht. Daneben gab es noch sechs Fälle von Totschlag, darunter vier Versuche.

Kassel: 2019 gab es einen Mord in der Stadt - zudem sechs Mordversuche

Mord in der Knorrstraße: In der Nacht zum 1. August wurde in Kassel ein 21-Jähriger erschossen.

In der Stadt Kassel gab es 2019 einen vollendeten Mord. Ein 21-jähriger Mann aus Kassel war in der Nacht zum 1. August auf der Knorrstraße in Niederzwehren erschossen worden. Der 27-jährige Tatverdächtige, gegen den Anklage wegen Mordes erhoben worden ist, soll mindestens siebenmal auf das Opfer geschossen haben. 

Zudem tauchen in der Statistik für die Stadt Kassel sechs versuchte Mordfälle auf. So soll zum Beispiel ein 52-jähriger Mann aus Kassel im Juni seine 50-jährige Lebensgefährtin mit einem Auto auf der Hoffmann-von-Fallersleben-Straße umgefahren haben. Zudem gab es 15 Fälle von versuchten Totschlags.

Kassel: Mehr Gewaltdelikte - vor allem mit Messern

Die Gewaltkriminalität sei in der Stadt Kassel im Vorjahr um rund 6,4 Prozent auf insgesamt 826 Fälle gestiegen, sagt Klaus Wittich, Leiter der Abteilung Einsatz. In diesem Bereich hätten die Angriffe mit Messern merklich zugenommen. In der Diskussion stand deshalb bereits die Einrichtung einer Waffenverbotszone in Kassel.

Die Straßenkriminalität, darunter fallen Handtaschenraube und Fahrraddiebstähle, sei hingegen rückläufig, so Stelzenbach. In der Stadt Kassel wurden im gesamten Jahr nur fünf Handtaschenraube angezeigt.

Kassel: Kriminalstatistik - Großteil der Straftaten in Nordhessen in Stadt und Landkreis Kassel

61 Prozent der Straftaten, die im vergangenen Jahr in Nordhessen angezeigt worden sind, wurden in der Stadt Kassel (43,8 Prozent) und im Landkreis Kassel (17,3 Prozent) begangen. Rund 39 Prozent der in Nordhessen registrierten Straftaten entfallen auf die Landkreise Schwalm-Eder, Werra-Meißner und Waldeck-Frankenberg, wie Polizeipräsident Konrad Stelzenbach am Freitag bei der Präsentation der Polizeistatistik im Polizeipräsidium Nordhessen ausführte.

Kassel: Straßenkriminalität ist rückläufig

Bei Straßenkriminalität handelt es sich um Delikte, die auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen begangen werden. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Raub- und Körperverletzungsdelikte, Diebstähle aus Fahrzeugen, den Diebstahl von Fahrrädern und Sachbeschädigungen an Autos. 

Polizeipräsident Konrad Stelzenbach.

Diese Straftaten, die das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen besonders beeinflussen, seien seit Jahren rückläufig, sagt Stelzenbach. Im Jahr 2015 gab es in der Stadt noch 3804 Fälle von Straßenkriminalität, im Vorjahr waren es 2733. Den Rückgang führt die Polizei auch auf eine starke Präsenz der Beamten und die Videoüberwachung im öffentlichen Raum zurück. 

Auffällig ist, dass in einer Großstadt wie Kassel im vergangenen Jahr nur fünf Handtaschenraube angezeigt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr ist auch der Diebstahl von Fahrrädern (inklusive E-Bikes) mit 670 Fällen (2018: 969) stark rückläufig. Zugenommen haben in der Stadt hingegen die Sachbeschädigungen an Autos. Hier wurden 677 Fälle angezeigt (2018: 638). Im Landkreis kamen zwei Handtaschenraube (2018: 1), 122 Fahrraddiebstähle (2018: 171) und 341 Sachbeschädigungen an Fahrzeugen (2018: 374) zur Anzeige.

Kassel: Einbrüche auf niedrigem Niveau

Neben der Straßenkriminalität werde das Sicherheitsempfinden der Bürger insbesondere durch Wohnungseinbrüche negativ geprägt, so der Polizeipräsident. In 2019 erreichten die Zahlen, wie in den beiden Vorjahren erneut ein vergleichsweise niedriges Niveau im Vergleich zu früheren Zeiten. 

In der Stadt Kassel gab es mit 373 Delikten zwar einen Anstieg zum Vorjahr um 29 Fälle. In 2015 (805 Einbrüche) und 2016 (732) lag die Zahl jedoch noch deutlich höher. Im Landkreis ging die Zahl der Wohnungseinbrüche erneut zurück. Mit 176 Fälle sei der niedrigste Wert seit Jahren erreicht worden. 2016 wurden im Kreis noch 400 Einbrüche registriert. 

Bei rund 50 Prozent der Einbrüche handele es sich um Versuchstaten, weil die Täter nicht in das Haus oder die Wohnung gelangt sind. „Hier kann man Prävention messen“, sagt Stelzenbach. Die Zahl der Einbrüche sei auch rückläufig, weil 2018 zwei Serieneinbrecher festgenommen worden seien, die für 71 Taten zwischen August 2018 und Mai 2019 verantwortlich sein sollen, so Frank Siebert, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. 

Durch Videoaufzeichnungen, Handyauswertungen und DNA-Spuren sei man den Männern auf die Spur gekommen. Bei den Ermittlungen sei auch ein Hehler überführt worden.

Kassel: Rauschgiftdelikte - kein Drogentoter im Jahr 2019

Drogendelikte sind Kontrolldelikte: Je mehr die Polizei kontrolliert, desto mehr Drogendelikte werden festgestellt. Insbesondere durch Kontrollen der AG Stern sind in der Stadt Kassel die Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz im vergangenen Jahr auf 1274 Fälle gestiegen, 2018 waren es 1150. Bei den meisten Delikten sei es um Cannabisbesitz gegangen, so der Polizeipräsident.

Auffällig sei der langfristige Rückgang der Verstöße in Verbindung mit Heroin (2019: 41, 2015: 94). Die Zahl der Drogentoten ist von zwölf auf sechs Menschen gesunken. Im Landkreis stiegen die Fallzahlen von 351 auf 479 Delikte. Cannabisbesitz stelle auch hier den Großteil der Betäubungsmittelverstöße dar. Erfreulicherweise habe es im vergangenen Jahr im Landkreis keinen Drogentoten gegeben, 2018 waren drei Menschen an den Folgen ihrer Sucht gestorben.

Kassel: Widerstand gegen Beamte - neues Gesetz lässt Fallzahlen steigen

Im Jahr 2018 war die Zahl der Widerstände gegen und Angriffe auf Vollstreckungsbeamte erheblich angestiegen. Grund für diesen Anstieg war eine Gesetzesänderung im Jahr 2017. Danach wurden erstmalig in der polizeilichen Kriminalstatistik 2018 die beiden Paragrafen 113 StGB „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ und § 114 StGB „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“ zusammen erfasst. 

2017 gab es in der Stadt Kassel 82 Fälle, 2018 stieg die Anzahl wegen der Gesetzesänderung auf 125 Fälle. Im Vorjahr stieg die Zahl um weitere elf Fälle auf 136 Delikte an. Im Landkreis ging die Zahl der Widerstände gegen Polizeibeamte auf 24 Fälle (2018: 34) zurück. Die meisten dieser Widerstände würden zwischen Samstagabend, 23 Uhr, und Sonntagmorgen, 1 Uhr, begangen, so der Polizeipräsident. Dieser Zeitraum lasse darauf schließen, dass die Täter in vielen Fällen alkoholisiert seien.

Kassel: 7759 Tatverdächtige wurde 2019 in Stadt und Landkreis erfasst

In der Stadt Kassel sind 2019 7759 Tatverdächtige im Zusammenhang mit Straftaten erfasst worden. Bei 38,5 Prozent (2990) der Tatverdächtigen handelt es sich um Nichtdeutsche. Hier ist ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren zu verzeichnen (2018: 39,3 Prozent/ 2017: 38,9 Prozent). Die Tatverdächtigen mit türkischer Staatsangehörigkeit sind an der Gesamtzahl der 2990 nichtdeutschen Tatverdächtigen mit 361 Personen am häufigsten aufgeführt. 

Es folgen die Tatverdächtigen aus Bulgarien (284), Syrien (261), Rumänien (239) und Afghanistan (197). Im Kreis Kassel beläuft sich die Gesamtzahl der Tatverdächtigen auf 3818 Personen. Darunter fallen 859 Nichtdeutsche. Das entspricht einem Anteil von 22,5 Prozent. Das ist ebenfalls ein Rückgang zu den Vorjahren (2018: 24,6 Prozent, 2017: 22,8 Prozent). 

Die Tatverdächtigen mit türkischer Staatsangehörigkeit sind an der Gesamtzahl der 859 nichtdeutschen Tatverdächtigen mit 94 Personen im Landkreis am häufigsten aufgeführt. Es folgen die Tatverdächtigen aus der Polen (86), Afghanistan (82), Rumänien (81), und Bulgarien (59). Der Polizeipräsident wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass nicht der Pass eines Menschen dafür verantwortlich ist, ob er straffällig werde oder nicht, sondern seine soziale Herkunft, sein soziales Umfeld sowie seine Bildung.

Kassel: Mord an Walter Lübcke sorgt 2019 bundesweit für Schlagzeilen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.