HNA-Initiative gegen den Herztod

Zu wenig rettende Defibrillatoren in Kassel - HNA-Initiative

Kassel. Täglich sterben in Deutschland über 350 Menschen am plötzlichen Herztod. Viele könnten gerettet werden, wenn sie schnell wiederbelebt würden. Dazu braucht es beherzte Helfer und viel mehr schnell erreichbare Laien-Defibrillatoren, die rettende Elektroschocks abgeben.

In Kassel zum Beispiel sind bislang nur 30 Defi-Standorte bekannt. Weder am Bahnhof Wilhelmshöhe noch in der Stadthalle, am Auestadion oder in den meisten Sporthallen gibt es Laien-Defis.

So funktioniert ein Laien-Defi

Mit einem automatischen externen Defibrillator (AED, oder auch Laien-Defibrillator) können bei einem Kreislaufstillstand durch Kammerflimmern gezielt Stromstöße abgegeben werden, um das Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Dazu werden Elektroden auf den Brustkorb geklebt. Der AED analysiert den Herzrhythmus des Patienten und gibt nur dann, wenn es medizinisch nötig ist, die Defibrillation frei.

Das Gerät führt den Laienhelfer per Sprachanleitung und unterstützt ihn bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Erfahrungen mit der Frühdefibrillation haben gezeigt, dass die Überlebensrate von 15 auf 60 Prozent gesteigert werden konnte. Etwa 800 bis 1700 Euro kostet ein lebensrettender Laien-Defibrillator. Für die HNA-Initiative „Defis für die Region Kassel“ gibt es aber auch günstige Leasing-Angebote. Lebensrettende Geräte gibt es dabei bereits ab 90 Cent am Tag. (hei)

Vellmar geht indes mit gutem Beispiel voran. Vor ein paar Jahren entstand in Kassels Nachbarstadt die Initiative „Herzsicheres Vellmar“. 14 Defis wurden an allen Sportstädten, im Rathaus und in Bürgerhäusern installiert.

Nach dem Tod eines jugendlichen Handballspielers bei einem Trainingsspiel in Wanfried hat auch der Werra-Meißner-Kreis massiv mit Defibrillatoren aufgerüstet. Alle 30 Turn- und Sporthallen wurden mit Defis ausgestattet, über 70 gibt es insgesamt.

Um den Mangel an Defis in Kassel entgegenzuwirken, haben die HNA und Kasseler Kardiologen die Initiative ergriffen, um unter anderem Fitnessstudios und Sportvereine aufzurütteln. Einen Anfang macht ein Fitness-Club in Ahnatal. Weitere Vorbilder werden gesucht.

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Für die Stadt Kassel wäre die flächendeckende Anschaffung mit erheblichen Kosten verbunden, sagt Sprecher Ingo Happel-Emrich. Das Gesundheitsamt prüfe aber, ob bei Sportveranstaltungen ein erhöhtes Risiko von akuten Herzerkrankungen besteht.

Es sei jedoch nicht damit getan, die Geräte aufzuhängen, sie müssten auch vor Diebstahl und Vandalismus geschützt und bedient werden können. Der Kreis Kassel beschäftige sich gerade intensiv mit diesem Thema, sagt Sprecher Harald Kühlborn.

Von den 53 Sporthallen seien weniger als zehn Prozent mit einem Defi ausgestattet. „Wir suchen nach Wegen, diese Zahl zu erhöhen.“

Von Martina Heise-Thonicke

Startschuss fällt in Ahnatal

Die HNA-Initiative beginnt in einem Fitness- und Sport-Zentrum - Nachahmer gesucht

Kassel / Ahnatal. Immer mehr Erwachsene machen gute Vorsätze wahr und treiben Sport. „Zu uns kommen zunehmend auch ältere Menschen“, sagt Holger Weber, Inhaber von Deltha Fitness Ahnatal. Allein in seinem Studio sei es in den vergangenen Jahren zweimal vorgekommen, dass Besucher einen Herzstillstand erlitten.

Der jüngste war 44 Jahre alt. Weil sich Deltha Fitness direkt neben einem großen Sportzentrum befindet und täglich lange geöffnet hat, eignet sich das Zentrum besonders, die HNA-Defi-Initiative für mehr Sicherheit auch im Sport zu starten.

Der Unterstützung des Kardiologie-Netzes Kassel, dem unter anderem Dr. Frank Jäger und Dr. Karl-Friedrich Appel angehören, ist es zu verdanken, dass hier künftig ein Defibrillator für den Notfall (Herzstillstand und Kammerflimmern) zur Verfügung steht. Denn die engagierten Herzspezialisten wissen: Bei körperlichen Belastungen können lebensgefährliche Herzprobleme eher auftreten. Mitunter gebe es erbliche Risikofaktoren oder bislang unerkannte Vorerkrankungen.

Manchmal ist auch ein Infekt die Ursache. Doch in Fitness-Studios sind Defis so gut wie nie zu finden. Die Anwendung ist ganz einfach: „Aufmachen, einschalten und alles wird erklärt“, machen Appel und Jäger potenziellen Lebensrettern Mut - und ermuntern Fitness-Studios, Sportstätten-Betreiber und Sportvereine, Defibrillatoren für den Notfall anzuschaffen. (hei)

So helfen Sie Leben retten

Die Erfolgsrate bei der Wiederbelebung bei einem plötzlichen Herztod ließe sich deutlich verbessern. Helfen Sie mit, Leben zu retten. Aufgerufen sind vor allem Sportvereine und Fitness-Studios sowie öffentliche Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr, Laien-Defibrillatoren anzuschaffen.

Oder Sie unterstützen diese Initiative und werden Defi-Sponsor. Die Idee: Jeder für einen Sportverein angeschaffte Defi sollte zur Hälfte mit Sponsorengeld finanziert werden. Mitstreiter sind Kasseler Kardiologen, das Gesundheitsamt Region Kassel, die Deutsche Herzstiftung und hoffentlich bald viele weitere Unterstützer und Sponsoren.

Sie erreichen die HNA-Redaktion unter Tel. 0561/203 14 14 oder per E-Mail an kassel@hna.de Noch eine Bitte: Melden Sie bereits vorhandene Defi-Standorte an gesundheitsamt@kassel.de

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