Stadt fühlt sich nicht zuständig

Grabsteine müssen aus Landesmuseum verschwinden

Kassel. Wohin mit den stadtgeschichtlich wertvollen Grabsteinen? Sie sind zum Teil zwei Meter hoch, haben kunstvolle Verzierungen und erzählen ein spannendes Stück Stadtgeschichte.

Ihre Inschriften nennen die Namen von Menschen, die im 18. und 19. Jahrhundert in Kassel gelebt und gewirkt haben: Anton Boedicker (1776- 1832), Johann Heinrich Kessler (1757-1837) oder Daniel Collin und seine Frau Elisabeth, geborene Houillets, die ihre familiären Wurzeln in Frankreich hatten.

Bilder von den Grabsteinen

Grabsteine im Hessischen Landesmuseum

Gesehen hat die circa 50 Monumente in den vergangenen Jahrzehnten so gut wie niemand. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts lagern die Tonnen schweren Grabsteine und metallenen Platten für die Öffentlichkeit unzugänglich im Keller des Hessischen Landesmuseums. Jetzt müssen sie raus, denn das Gebäude wird saniert. Im Frühjahr rücken die Bauarbeiter an.

Doch das bereitet ungeahnte Probleme. Denn keiner will Eigentümer des Schatzes sein. Der Grund: Allein für den Transport und die Lagerung der Grabplatten muss ein fünf- bis sechsstelliger Betrag aufgebracht werden. Nicht eingerechnet sind die Kosten für eine Sanierung.

Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) sagt: Die Steine gehören der Stadt Kassel. Doch das Kulturamt sträubt sich dagegen.

Der Oberbürgermeister legt sogar noch ein Argument drauf: „Ungeachtet dessen dürfte das Land aufgrund des ununterbrochenen Besitzes durch Ersitzung Eigentum an den Steinen begründet haben“. Ersitzen ist ein juristische Begriff und bedeutet: Wer eine bewegliche Sache zehn Jahre lang redlich in Eigenbesitz hat, erwirbt nach deutschem Recht das Eigentum.

Inzwischen seien mit der Evangelischen Kirche, dem Museum für Sepulkralkultur und dem Stadtmuseum Gespräche geführt und verschiedene Lösungen besprochen worden.

Von Christina Hein

Rubriklistenbild: © Malmus

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