Angebot ohne Resonanz

Arbeitslose durften für drei Euro ins Theater: Keiner wollte Sozial-Tickets

Kassel. Für nur drei Euro eine Aufführung des Staatstheaters erleben – dieses neue Angebot der Theater-Fördergesellschaft für Arbeitssuchende und Hartz IV-Empfänger fand bei der ersten so geförderten Vorstellung am Samstagabend keine Interessenten.

Am Stand der Fördergesellschaft im Foyer des Schauspielhauses holten sich etwa 18 Schüler und Studierende ein Drei-Euro-Ticket für Schillers „Jungfrau von Orléans“. Bei solchen jüngeren Theaterinteressierten ist das Angebot der Theaterförderer bereits seit 2007 bekannt und wird durch Mundpropaganda verbreitet.

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Niemand allerdings zeigte eine Berechtigung als Arbeitslosengeld- oder Hartz IV-Empfänger vor, um an die besonders billigen Karten zu kommen. Der Großteil dieser Berechtigten „weiß wahrscheinlich noch gar nichts von dieser Möglichkeit“, sagte Oliver Morgenthal, der am Samstag mit seiner Frau Iris Dienst am Infotisch der Theaterförderer tat.

Die haben für bestimmte Vorstellungen je 40 Karten zur Verfügung, die sie an junge und neuerdings auch an einkommensschwache Theatergänger für drei Euro abgeben. Die Differenz zum regulären Kartenpreis legen sie aus eigenen Spendenmitteln drauf, so dass das Theater durch die Aktion keine Einbußen hat.

Hans-Dieter Müller, Vorsitzender der Fördergesellschaft des Staatstheaters, hat nach eigenen Angaben keine rege Nachfrage zum Start des neuen Angebots erwartet. „So etwas muss sich erst einmal einlaufen“, habe die Erfahrung gezeigt. Als der Verein damals mit der Kartensubventionierung für Kinder und Jugendliche begonnen habe, sei anfangs so gut wie niemand gekommen: „Das erste halbe Jahr war ausgesprochen schwierig.“ Inzwischen aber gebe es einen treuen Kreis junger Stammbesucher, die die günstige Kartenbezugsmöglichkeit regelmäßig nutzten und auch weitere Altersgenossen darauf aufmerksam machten.

Um das Angebot unter einkommensschwachen Kasselern mehr publik zu machen, plane der Förderverein eine Werbeaktion in den Straßenbahnen der KVG. Voraussichtlich ab 1. Juni sollen in den Trams Werbeplakate hängen. Für die Verbreitung der Idee sei das „wohl eher wirksam als das, was wir bisher gemacht haben“, sagte Müller.

Für zunächst zwei Monate seien die Werbeflächen gebucht, bezahlt werde dies aus dem Etat der Fördergesellschaft. Wegen des guten Zweckes sei die zuständige Städtereklamefirma Ströer den Theaterförderern aber preislich sehr entgegengekommen.

Der Verein wolle, dass möglichst niemand aus Budgetgründen auf einen Theaterbesuch verzichten muss. Klar sei aber auch, so Müller: „Die Leute müssen schon eine Hemmschwelle überwinden“, wenn sie sich vor Ort als finanziell bedürftig ausweisen.

Von Axel Schwarz

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