Handwerker fordern einfache Parkplatz-Regelung für Anfahrt zum Kunden

Handwerker in Parknot: Wasserrohrbruch muss warten

Sie kämpfen für die Handwerker: Kreishandwerksmeisterin Alexandra Kaske-Diekmann und Bernd-Peter Doose, ehemaliger Kreishandwerksmeister und Beisitzer im Vorstand der Kreishandwerkerschaft. Foto: Ludwig

Kassel. In einem Geschäft an der Königsstraße bricht ein Wasserrohr, doch der Klempner muss erst lange nach einem Parkplatz suchen. Dieses Szenario ist denkbar – denn Kassels Handwerker dürfen seit einiger Zeit nicht mehr in die Einkaufsmeile fahren.

Gegen dieses Verbot und die aus ihrer Sicht zu komplizierte Regelung beim Handwerkerparken regt sich Protest vonseiten der Kreishandwerkerschaft.

Hat ein Handwerker einen Auftrag in einer gebührenpflichtigen Parkzone oder will er zur Anfahrt beim Kunden einen Anwohnerparkplatz nutzen, muss er bisher einen sogenannten Handwerkerblock kaufen. Für diesen verlangt die Stadt 110 Euro. Darin enthalten sind zehn Ausnahmegenehmigungen. Sie gelten jeweils für einen Tag, in der Parkgebührenzone Zentrum aber nur für fünf Stunden. Hat er länger zu tun, muss der Handwerker zwei Ausnahmegenehmigungen ausfüllen.

Aus Sicht der Kreishandwerksmeisterin Alexandra Kaske-Diekmann ist das System zu umständlich: Andere Städte würden den Handwerkern eine Art Jahresvignette anbieten. Damit können diese auf gebührenpflichtigen Parkplätzen stehen, ohne sich vorher einen Parkschein zu ziehen. Auch können sie Anwohnerparkplätze nutzen und – falls es keine Alternativen gibt – in Fußgängerzonen parken.

Ein solches System lehnt die Stadt aber ab. Dies wurde auch in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung deutlich, als die CDU-Fraktion einen Vorstoß in diese Richtung machte. Rot-Grün und die Linken verweigerten sich dem Modell. Begründung: Handwerker könnten eine solche Jahresparkerlaubnis für private Zwecke missbrauchen.

Sorge vor Missbrauch

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) will auch nicht an dem seit Ende 2014 geltenden Parkverbot für Handwerker in der Königsstraße rütteln. Wegen des Straßenbahnverkehrs und der Enge der Straße sei dies nicht möglich. Wer für Bauarbeiten in die Königsstraße fahren wolle, müsse dies gesondert beantragen. Bernd-Peter Doose, Mitglied der CDU-Fraktion und selbst langjähriger Kreishandwerksmeister, hält dies für wirklichkeitsfremd. „Wenn dort ein Wasserrohr bricht, können Sie nicht vorher eine gesonderte Genehmigung beantragen“, so Doose. Zudem sei es Handwerkern nicht zumutbar, ihr zum Teil schweres Werkzeug über weite Strecken zu tragen.

Eine längere Anfahrt und höhere Parkkosten träfen letztlich den Kunden. Der Handwerker müsse seine Kosten umlegen.

Kaske-Diekmann wünscht sich, dass sich die Stadt in der Frage bewegt. Die Gefahr eines Missbrauchs sieht sie nicht. Dies könne ja auch kontrolliert werden. Die von der Stadt geäußerte Befürchtung, dass dann auch alle Pflegedienste eine solche Jahresvignette forderten, weil auch sie Parkprobleme hätten, will sie auch nicht gelten lassen. Ein Pflegedienst komme täglich zu seinen Kunden, ein Handwerker nur sporadisch.

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