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„Uns laufen die Mieter weg“: Hausbesitzer klagen über Partyszene auf der Friedrich-Ebert-Straße Kassel

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Von: Christina Hein

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Die Friedrich-Ebert-Straße in Kassel nahe der Haltestelle Annastraße.
Wohnumfeld: An der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel wohnen viele Menschen, die unter den Partyaktivitäten an den Wochenenden leiden. © Christina Hein

Die Party-Szene rund um die Feiermeile Friedrich-Ebert-Straße hat erhebliche Auswirkungen auf die Wohnqualität der umliegenden Häuser.

Vorderer Westen – Jetzt äußern sich auch Hausbesitzer zum Partylärm auf der Friedrich-Ebert-Straße Kassel dazu. „Unsere Mieter ziehen aus und verweisen auf den nächtlichen Lärm und das Gefühl der Unsicherheit und Angst“, sagt die Eigentümerin eines Hauses in der Nähe des Platzes der elf Frauen, der ein Hotspot der Szene ist. Neue Mieter zu bekommen, sei schwierig geworden. Sie wohnt selber an der Friedrich-Ebert-Straße und sagt: „Was dort nachts an Randale und Kriminalität abgeht, kann sich keiner vorstellen, der es nicht erlebt hat.“ Seit Corona sei es „gefühlt noch schlimmer geworden“.

Auch der Vermieter eines Wohn- und Geschäftshauses wenige Hundert Meter vom Haus der Frau entfernt, der wie sie ebenfalls namentlich nicht genannt werden möchte, sagt: „Die neue Szene, die auf der Ebert-Straße lärmt und Drogen konsumiert, ist ein Riesenproblem. Die kommen von außerhalb, um sich auszutoben und ihre Autos aufjaulen zu lassen.“ Weder Ordnungsamt noch Polizei könnten sie in ihre Schranken weisen.

Partylärm auf Kassels Feiermeile wird zum Problem für Vermieter

Das Ergebnis: „Uns laufen reihenweise die Mieter weg.“ Er habe extra einen Hausmeister engagiert, der täglich den Müll der Szene wegräume. „Wir wollen eine Lösung noch vor dem Sommer, wenn alles wieder schlimmer zu werden droht“, sagt die Hausbesitzerin.

Vermieter der meisten Wohnungen im Bereich Platz der elf Frauen ist die Wohnungsbaugesellschaft GWH. „Wir können hier keine signifikant höhere Fluktuation feststellen als anderswo in Kassel“, sagt Christian Wedler von der GWH. Auch neue Mieter gebe es ausreichend. „Die wissen in der Regel, wo sie hinziehen und schätzen die Fußläufigkeit.“

Gleichwohl sehe er das Problem für andere. „Wir haben Bestandsmieter, die sich zu Recht über Lärm und Unrat beschweren. Das nehmen wir sehr ernst.“ Es handele sich um ein gesellschaftliches Problem, das es zu lösen gelte. „Da ist die gesamte Stadtgesellschaft gefordert.“

Vermüllter Platz der elf Frauen nach einer Partynacht: Unser
Vermüllter Platz der elf Frauen nach einer Partynacht: Unser © wurde am Tag nach Fronleichnam 2021 aufgenommen. archivFoto: Matthias Lohr

Partylärm auf Feiermeile in Kassel: Ortsbeirat fordert einen „Nachtbürgermeister“

An konkreten Lösungsvorschlägen zum Problem Belästigungen durch die Partyszene auf der Friedrich-Ebert-Straße arbeitet seit Monaten der Ortsbeirat Vorderer Westen. Dazu hat er eine eigene parteiübergreifende Arbeitsgruppe „Öffentlicher Raum“ gebildet. Derzeitiges Schwerpunktthema: Ebert-Straße.

Diese dauerhaft und auf Nachhaltigkeit angelegte „Task Force“, wie sie AG-Mitglied Matthias Schäpers scherzhaft bezeichnet, hat während der zurückliegenden Ortsbeiratssitzung von ersten Schritten berichtet: Die AG hatten Ende vergangenes Jahr zu einer Online-Konferenz eingeladen, um sich ein umfassendes Bild machen zu können. An die 100 Anwohner, Anlieger und Betroffene haben daran teilgenommen. Alle seien sich einig gewesen, dass die Belastung durch Lärm und anderes kontinuierlich zugenommen habe.

Partylärm nervt Anwohner an Friedrich-Ebert-Straße - Stadtpolizei hat um 2 Uhr Dienstschluss

Danach haben die AG-Mitglieder eine Tabelle mit den genannten Problemen aufgestellt, um zu untersuchen, wer für welches Problem zuständig sein könnte. Denn die Ebert-Straße hat es in sich. Schäpers: „Die Stadtpolizei hat um 2 Uhr morgens Dienstschluss. Aber dann geht an den Wochenenden die Party erst richtig los. Wir bräuchten deshalb so etwas wie einen Nachtbürgermeister.“ Andere Städte hätten damit gute Erfahrung gemacht. Allerdings, gibt er zu bedenken, könne das ein Ehrenamt alleine nicht leisten, sondern das „Amt“ müsste bei der Stadtverwaltung angedockt sein.

„Wir sollten möglichst viele Menschen an vielen Aktionen beteiligen, um ein Bewusstsein zu schaffen“, sagte AG-Mitglied Axel Garbelmann in der Ortsbeiratssitzung. Eine fantasievolle Aktion könnte zum Beispiel sein, den Müll einer einzigen Partynacht zusammenzutragen und öffentlich aufzutürmen.“

Man habe die Probleme sondiert, so Schäpers. Der nächste Schritt wird jetzt eine außerordentliche Ortsbeiratssitzung zum Thema Friedrich-Ebert-Straße sein. Dazu eingeladen werden alle aktuellen und auch möglichen Beteiligten von den Anwohnern über Stadtteilakteure, Stadt-Vertreter, Streetworker bis hin zur Polizei. (Christina Hein)

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