Prozess am Landgericht

Tod nach Notarzt-Einsatz: Familie verklagt Stadt Kassel

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Symbolbild: Herztod nach Notarzt-Einsatz: Familie verklagt Stadt Kassel

Eine Familie verklagt die Stadt Kassel. Der Grund: Ein 48-Jähriger war an einem Herzinfarkt gestorben, nachdem der Notarzt ihn in seiner Wohnung untersucht hatte.

Am Abend des 21. Februar 2015 ist ein 48-jähriger Mann aus Kassel an einem Herzinfarkt gestorben, nachdem der Notarzt ihn in seiner Wohnung in Bettenhausen untersucht hatte.Die Hinterbliebenen – eine türkische Familie, die seit Jahrzehnten in Kassel lebt – haben jetzt die Stadt Kassel als Trägerin des Notarztdienste wegen ärztlichen Fehlverhaltens auf Zahlung eines Unterhalts in Höhe von monatlich 1060 Euro vor einer Zivilkammer

des Landgerichts verklagt. Den Todesfall auch strafrechtlich zu verfolgen, war bereits gescheitert. Die Staatsanwaltschaft hatte zwar Ermittlungen aufgenommen, das Verfahren aber eingestellt, bevor es zu einer Gerichtsverhandlung kam.

Herztod nach Notarzt-Einsatz: Aussagen von Zeugen und Notarzt unterscheiden sich 

Am Mittwoch wurde nun vor der Landgerichtskammer verhandelt. Die Aussagen der Zeugen aus der Familie und die des Notarztes unterschieden sich dabei fundamental. Die Witwe des Verstorbenen sagte aus, Notarzt und Rettungssanitäter seien an diesem Samstagabend enorm in Eile gewesen, hätten gern „Feierabend“ gemacht und ihren schweißüberströmt mit Brustschmerzen im Bett liegenden Mann nur flüchtig untersucht. 

Auf die Wünsche der Familie, den Familienvater ins Krankenhaus zu bringen, seien sie nicht eingegangen. Der Arzt hätte einen Muskelkater diagnostiziert und dem 48-Jährigen empfohlen, bei anhaltenden Beschwerden selbst das Krankenhaus aufzusuchen oder am Montag zum Hausarzt zu gehen. Kurze Zeit, nachdem das Rettungsteam abgezogen sei, habe sich der Zustand ihres Mannes derart verschlechtert, dass er starb. Das zum zweiten Mal zu Hilfe gerufene Rettungsteam habe alle Familienmitglieder der Wohnung verwiesen und Reanimierungsversuche unternommen. Vergeblich.

Patient habe abgelehnt, zu Untersuchung ins Klinikum zu gehen 

Der 41-jährige Notarzt schilderte das Geschehen komplett anders. Über den Notruf 112 seien er und die Sanitäter in die Wohnung der Familie gerufen worden, weil ein Mann über Brustschmerzen klagte. Bei der Ankunft habe der Patient einen stechenden Brustschmerz beschrieben. Er habe Puls und Blutdruck gemessen und ein EKG angefertigt, sagte der Arzt aus. Das EKG habe keine Infarkt-typischen Ausschläge gezeigt. Daraufhin habe er empfohlen, den Patienten zu eingehenderer Untersuchung ins Klinikum zu bringen.

Dies habe der Patient mit dem Hinweis abgelehnt, er fühle sich ja schon wieder besser und wolle am Montag den Hausarzt aufsuchen.

„Ich habe ihn auf die akute Lebensgefahr hingewiesen und darauf, dass ein Infarkt nur in der Klinik auszuschließen sei“, sagte der Mediziner aus. Der Patient sei aber bei seiner Weigerung geblieben.

Nach Auskunft von Anwalt Jorg Estorf, der die Stadt Kassel vertritt, soll nun ein medizinisches Gutachten klären, ob sich das Rettungsteam ordnungsgemäß verhalten hat.

Wie kann ich mich vor dem plötzlichen Herztod schützen? Diese und viele weitere Fragen beantwortete der zweite Göttinger Herztag. 

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