Heuernte vor Kunstkulisse: Karlsaue wird landwirtschaftlich genutzt

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Tobt beim Kunstbesuch im Heu: der sechsjährige Karl Rocco Schmitt aus Stuttgart.

Kassel. Normalerweise ist Markus Krimmel als Gärtner in der Karlsaue unterwegs. In diesen Tagen aber wird der 45-Jährige zum Landwirt: Die Heuernte steht an.

Auf etwa einem knappen Drittel der insgesamt 150 Hektar großen historischen Parkanlage wird das Gras nicht etwa kurzgehalten, sondern darf wild wachsen. „Das vermittelt dem Besucher, in freier Natur zu sein“, sagt Karl-Heinz Freudenstein, Gärtnermeister der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Wo früher Bauern aus Niederzwehren die Wiesen mit Pferden mähten, sind heute die MHK-Mitarbeiter mit technischem Gerät unterwegs. Dass die Heumahd in der Aue erst so spät im Jahr erfolgt – Landwirte in der Region haben das bereits im Frühsommer erledigt und inzwischen die zweite Ernte, das so genannte Grummet eingefahren – hat nicht nur optische Gründe. Da die Flächen zuvor nicht kurzgehalten werden müssen, spare man Betriebskosten, erläutert Krimmel. Drei Tage lang waren er und zwei weitere Kollegen mit dem Mähen beschäftig, jetzt wird der Heuwender an den Trecker gespannt, um die das Abtrocknen der Mahd zu beschleunigen.

Schäfer presst Heuballen

Krimmel hofft, dass es in den nächsten Tagen trocken bleibt. Dann hole Schäfer Hubertus Dissen aus Wofsanger die Schwaden mit der Rundballenpresse ab. Dissen kennt die Flächen gut: Im Frühjahr und Herbst zieht er mit seiner Schafherde durch die Aue.

Die tierischen Mäher hätten der Leiterin der documenta 13, die Natur und Tier in der aktuellen Ausstellung in den Fokus rückt, sicher gut gefallen.

Gärtner Krimmel hat hingegen in diesen Tagen seine liebe Mühe mit den Besuchern der documenta. Sie würden häufig die Geschwindigkeit seines Traktors und den hohen Auswurf des Mähers, in den sich schon mal Äste mischen könnten, unterschätzen. Ansonsten greife die Weltkunstschau nur wenig in die Abläufe der etwa 30 Mitabeiter zählenden Gärtnerei ein, sagt Gärtnermeister Freudenstein. Was an zusätzlichen, durch die Kunstpavillons verursachten Arbeiten anfalle, erledige die documenta.

Für die Gärtner der MHK ist die bäuerliche Arbeit nach der der Heuernte für dieses Jahr erledigt. Dann steht wieder Gärtnern auf dem Plan: Unkraut und herabgefallene Äste müsse entfernt und Löcher in den Wegen gestopft werden. Statt der großen rollen dann vornehmlich wieder die kleinen Trecker durch den Park.

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