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Risiko bei Starkregen: Welche Orte in Kassel besonders von Hochwasser gefährdet sind

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Von: Bastian Ludwig

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Vor drei Jahren: Im Mai 2019 wurde auch der Kasseler Osten (hier der Stadtteil Forstfeld unweit des Wahlebachs) nach einem Unwetter überflutet. Es wurde als 100-jähriges Starkregenereignis eingestuft.
Vor drei Jahren: Im Mai 2019 wurde auch der Kasseler Osten (hier der Stadtteil Forstfeld unweit des Wahlebachs) nach einem Unwetter überflutet. Es wurde als 100-jähriges Starkregenereignis eingestuft. © Andreas Fischer

In Kassel kommt es immer öfter zu Überschwemmungen. Im Auftrag der Stadt erscheint eine Karte, die besonders gefährdete Bereiche zeigt.

Kassel - Die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal hat das Bewusstsein für die zerstörerische Kraft von Wasser geschärft. Derzeit lässt die Stadt Kassel eine Karte erstellen, auf der für jedes Grundstück im Stadtgebiet das individuelle Risiko für die Folgen eines Starkregens erkennbar ist.

Denn diese Ereignisse haben messbar zugenommen, so Stadtbaurat Christof Nolda. Sobald die Karte Ende 2022 fertiggestellt ist, soll den besonders gefährdeten Anliegern ein Beratungsangebot von Kasselwasser gemacht werden, wie sie sich vor der Gefahr schützen können.

Starkregenkarte soll von Hochwasser gefährdete Bereiche in Kassel zeigen

Noch ist die Karte nicht öffentlich, aber in einer Vorabpräsentation im Umweltausschuss war bereits erkennbar, dass längst nicht nur Kasseler ein Risiko haben, die in der Nähe der Fulda oder ihrer Zuflüsse wohnen. Auch Bereiche abseits von Flüssen und Bächen sind betroffen, die durch ihre topografische Lage nach starkem Regen ein gewisses Risiko für eine Überschwemmung haben.

Die Kasseler Kanalisation sei so ausgelegt, dass sie den rechtlichen Vorgaben entspreche, so Uwe Neuschäfer, Betriebsleiter von Kasselwasser. Konkret bedeute das, dass das Abwassernetz seltene Starkregenereignisse mit bis zu etwa 30 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und Stunde bewältigen kann. Statistisch gesehen sei eine Region von solch einem Regen nur alle 30 Jahre betroffen.

Mehr Wetterereignisse in Kassel: Folge des Klimawandels

Bei Mengen oberhalb des Grenzwertes, so Neuschäfer, sei die Kanalisation überlastet und das Wasser fließe über die Bordsteinkante auf die Grundstücke. Die jüngste Vergangenheit hat sich aber nicht an die langjährige Statistik gehalten. „In den vergangenen 10 Jahren hatten wir punktuell mindestens vier solcher Ereignisse“, so Nolda. Dies sei Folge des Klimawandels. Viele Eigentümer würden davon ausgehen, dass Kasselwasser dann dafür die Verantwortung trage. Dies sei aber nicht so.

Bei außergewöhnlichen Regenfällen habe zwar die Kommune die Verantwortung für die Vorwarnung der Bevölkerung, nicht aber bei der Sicherung der Grundstücke, so Nolda. Hier müssten Eigentümer tätig werden. Sobald die Karte vorliegt, sollen diese dabei beraten werden.

Trotz des auch in Kassel steigenden Hochwasserrisikos sei Panik nicht angebracht. „Die Kasseler Kessellage ist nicht vergleichbar mit dem engen Ahrtal. Das hier Menschen bei einem Hochwasser umkommen, ist eher unwahrscheinlich“, sagt Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Viele könnten aber sehr wohl nasse Füße und einen überschwemmten Keller bekommen. Deshalb sei es wichtig, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren.

Kassel: Starkregenkarte soll bei Vorbereitung gegen Hochwasser helfen

Mit der Starkregengefahrenkarte, die Ende 2022 vorgelegt wird, soll dafür eine Datenbasis geschaffen werden. Auf der Karte wird erkennbar sein, welche Wohngebiete bei einem Starkregenereignis regelrecht absaufen könnten. Klar sei aber auch, dass die dort getroffene Risikobewertung für einzelne Grundstücke nur ein Anhaltspunkt sei, so Nolda. Niemand könne sagen, über welchem Teil der Stadt sich eine Gewitterzelle wie stark entlade. Auf Basis der topografischen Gegebenheiten und der eventuellen Nähe zur Fulda oder ihrer Zuflüsse lasse sich aber abschätzen, wie wichtig Vorsorge der Kommune und der Grundstückseigentümer ist.

Wobei Nolda und der Kasselwasser-Betriebsleiter Uwe Neuschäfer die Fulda nicht als großes Problem sehen. Dort gebe es bereits ausgewiesene Überschwemmungsbereiche. „Die Lage haben wir gut im Griff“, so Nolda.

Deutlich mehr Probleme bereiteten die Zuflüsse, wie auch Hochwasserereignisse in den vergangenen Jahren zeigten. Insgesamt geht es um 127 Kilometer Gewässer zweiter Ordnung (Losse und Ahna) und dritter Ordnung (alle weiteren Bäche) im Stadtgebiet. Wobei einige besonders häufig über die Ufer treten. Dazu zählen beispielsweise Losse, Wahlebach und Drusel. Für alle drei gebe es entsprechende Hochwasserschutzmaßnahmen.

Überflutungen drohen in Kassel – trotz Millioneninvestitionen in Hochwasserschutz

Ein Baustein ist die Renaturierung der Gewässerläufe. Wobei die Drusel eine besondere Herausforderung darstellt, weil sie über weite Strecken mitten unter die Stadt in einem Rohr verläuft, dessen Kapazität begrenzt ist. Im Umweltausschuss wurde beispielhaft skizziert, dass es etwa in der Senke des Philosophenweges deshalb zu Problemen kommen könnte.

Trotz der laufenden Millioneninvestitionen in Hochwasserschutz seien Überflutung nicht auszuschließen. Deshalb seien auch Grundstückseigentümer aufgefordert, sich mit dem individuellen Risiko auseinanderzusetzen. Es gebe eine ganze Reihe von Möglichkeiten für den privaten Gebäudeschutz, so Neuschäfer. Das Angebot reiche von mobilen Sperren über druckdichte Fenster bis hin zum Bau einer Bodenwelle vor Einfahrten in Tiefgaragen. Die erste Stufe einer Außentreppe in den Keller sollte über dem Gartenniveau liegen. „Die Installation einer Rückstauklappe ist das Minimum“, so der Betriebsleiter von Kasselwasser.

Neuschäfer ärgert, dass nach Hochwasserereignissen die Vorsicht mancher Betroffener schnell wieder weiche, sobald die Versicherung den Schaden reguliert habe. Wichtige Hinweise von Kasselwasser an Eigentümer seien zuletzt oft schnell wieder vergessen worden. (Bastian Ludwig)

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