Hörning`s Hosen-Studio

Rente nach 240.000 Jeans und 40 Jahren

Freuen sich auf den Ruhestand: Brigitte und Wilfried Schake schließen ihr Geschäft am 9. November. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. „Die Röhre ist jetzt zum dritten Mal aktuell, die Schlaghose habe ich zwei Mal mitgemacht, jetzt warte ich darauf, dass die Karotte wiederkommt. Aber die verkaufe ich dann nicht mehr“, sagt Wilfried Schake. Das liegt nicht daran, dass er diese Hosenform weniger mag als andere.

Aber am 9. November ist Schluss mit dem Hosenhandel: Hörning’s Hosen-Studio am Königsplatz schließt nach fast 40 Jahren. Vier Jahrzehnte hat Schake in dem Laden gestanden und Jeans verkauft. „6000 waren es im Jahr“, sagt der Geschäftsmann, der am 11. November 65 Jahre alt wird. Er und seine Frau Brigitte (62) haben sich schon vor Jahren vorgenommen, in den Ruhestand zu gehen, wenn er 65 wird. Nach 240.000 verkauften Hosen hat man sich die Rente verdient.

Der erste Tag: Als Hosenspezialgeschäft wurde damals für den Laden geworben. Archivfoto:  HNA

Das Geschäft wurde am 1. März 1973 von Helmut Hörning eröffnet. Der hatte vorher einen Bekleidungsgroßhandel am Königsplatz. Einzelhandelskaufmann Wilfried Schake war zunächst bei Hörning angestellt. „Als wir damals angefangen haben, war das Hosengeschäft eine Sensation“, sagt Schake. Teppich und Wände waren schwarz, die Regale gelb. Es war eines der ersten Geschäfte in Kassel, wo es Jeans gab. Junge Leute gingen ein und aus.

Man hat das Gefühl, dass die Kunden der ersten Stunde dem Hosen-Studio treu geblieben sind. Anfang der 70er-Jahre wäre es undenkbar gewesen, dass sich eine 70-Jährige Jeans kauft. Heutzutage kaufen 80-jährige Damen bei den Schakesn.

Eröffnung am 1. März 1973: Schwarzer Teppich und schwarze Wände - vor knapp 40 Jahren war Hörning´s Hosen-Studio vor allem bei jungen Leuten angesagt. Archivfoto:  HNA

Aber auch jüngere Kunden kämen, die aufgrund ihrer Figur Probleme hätten, in für Jugendliche angesagten Geschäften die passende Größe zu finden. Die Schakes haben immer für jeden etwas auf Lager gehabt. „4000 Hosen in 100 Größen und zehn Längen“, sagt Brigitte Schake. Sie und ihr Mann brauchten die Kunden nicht nach den Größen fragen. Ein Blick auf die Figur reicht. „Spätestens die zweite Hose hat immer gepasst“, sagt Wilfried Schake.

1993 hat er das Geschäft vom damaligen Chef übernommen. Seitdem hätten er und seine Frau sechs Tage in der Woche im Geschäft gestanden. 20 Jahre lang habensie auf Urlaub verzichtet. Das soll sich nun ändern. Zudem wollen die Schakes, die eine erwachsene Tochter und drei Enkelkinder haben, mehr Zeit mit der Familie verbringen.

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Viele Kunden, die sich jetzt eine letzte Hose in dem Laden kaufen wollen, beklagen, wieder sei ein inhabergeführtes Geschäft am Königsplatz kaputt gemacht worden. Dem widerspricht Schake vehement. Er höre nicht auf, weil es dem Geschäft schlecht gehe, sondern weil nun Zeit für den Ruhestand sei. Er hätte sogar einen Nachfolger für das Hosen-Studio gehabt, aber sein Vermieter habe andere Pläne für die Räumlichkeiten. Hörning‘s Hosen-Studio, Königsplatz 36, öffnet am 9. November zum letzten Mal.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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