„Es geht immer um Deeskalation.“

Kampfsport für den Fall der Fälle - Krav Maga im CVJM-Haus in Kassel

Im CVJM-Haus in Kassel ist gerade Krav Maga hoch im Kurs: Als Kampfsport für den Fall der Fälle, denken sich viele. Doch der Fokus dieser Sportart liegt auf der Deeskalation.

  • Kampfsport-Kurse in Kassel mit Jürgen Wicke: Der ehemalige deutsche Meister und Europameister zeigt wie es geht.
  • Im CVJM-Haus in Kassel kann die hebräische Selbstverteidigungstechnik Kapap Martial Arts (Krav Maga) erlernt werden.
  • Krav Maga: Ein Kampfsport, in dessen Zentrum Deeskalation steht.

Falls Kunsträuber demnächst auf die Idee kommen sollten, bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) einen Schatz zu stehlen wie zuletzt im Grünen Gewölbe in Dresden, hätten sie schlechte Karten.

Dort würden sie auf Jürgen Wicke treffen, der nicht nur MHK-Depotverwalter ist, sondern in seiner Freizeit Selbstverteidigungsexperte und sogar Ex-Europameister.

Der 56-Jährige weiß, wie man seinem Gegner mit beiden Daumen in die Augenhöhlen sticht, um sich zu befreien. Selbst eine Baseball-Kappe wird bei ihm zu einer Waffe.

Kämpfen lernen aus Angst -  Der Profi empfiehlt „wegzulaufen“

Beides ist Teil des Krav Maga, einer israelischen Selbstverteidigungstechnik, die Soldaten und Polizisten im Nahkampf anwenden. Dienstags und donnerstags gibt Wicke Übungsstunden im CVJM-Haus in der Kasseler Innenstadt.

Die richtigen Griffe gegen Messer und Stöcke: Jürgen Wicke (mit Brille) zeigt mit seinem Schüler Oliver Grün, wie die hebräische Selbstverteidigungstechnik Krav Maga funktioniert.

Für seine Schüler fördern die Schlag- und Tritttechniken nicht nur die Fitness. Krav Maga, was im Hebräischen „Kontaktkampf“ bedeutet, kommt einem Bedürfnis von immer mehr Menschen entgegen, die sich fürchten, Opfer einer Gewalttat zu werden.

Ihnen gibt Wicke diesen Satz mit auf den Weg: „Weglaufen ist auf den ersten Blick vielleicht feige, aber besser, als sich auf einen Kampf einzulassen.“

Krav Maga in Kassel: Ziel ist der Ausweg aus der Konfliktsituation

Ziel von Krav Maga, das auch Kapap (Kampf von Angesicht zu Angesicht) genannt wird, ist es, möglichst unbeschadet aus einer Konfliktsituation herauszukommen.

Jürgen Wicke (rechts) und Oliver Grün trainieren beim CVJM in Kassel die hebräische Selbstverteidigungstechnik Kapap Martial Arts.

Selbst vor Rettungssanitätern hat Wicke schon Kurse gegeben. Sie hatten geklagt, dass sie im Alltag häufiger angegriffen werden als früher. Der Trainer, der mit seiner Lebensgefährtin in seiner Heimatstadt Hofgeismar wohnt, kennt dieses Gefühl des Ausgeliefertseins. Als Teenager war er ein „kleiner dünner Junge“.

Wicke war deutscher Meister und Europameister - heute trainiert er in Kassel andere

Er kaufte sich Bücher über Karate und fuhr bald jeden Tag mit dem Zug nach Kassel, um in einem Sport-Center Taekwondo zu trainieren. Wettkämpfe führten ihn rund um den Globus. Jürgen Wicke wardeutscher Meister und Europameister. Aber irgendwann waren seine Gelenke hinüber.

Er suchte eine schonendere Disziplin und fand Krav Maga. Sein langjähriger Schüler Anathan Pham reist nach einem Umzug selbst aus Bochum noch zu Übungsstunden nach Nordhessen, wenn er Zeit hat. Der Deutsch-Vietnamese sagt: „Beim Kampfsport habe ich mich weniger verletzt als beim Fußball.“

Krav Maga, Kapap Germany:

„Es geht immer um Deeskalation.“

Dafür gibt es laut Rechtsextremismusexperten ein anderes Problem. Angeblich wird Kampfsport bei Nazis immer beliebter. Sie wollen fit sein für den Straßenkampf.

Wie ausgeprägt diese Entwicklung in der boomenden Kasseler Kampfsport-Szene ist, weiß Wicke nicht. Er macht sein eigenes Ding und sagt: „Ich will keine Extremen bei mir haben. Bei mir sind nur vernünftige Menschen.“

Vernünftig klingt auch das, was ihm sehr wichtig ist bei Krav Maga: „Es geht immer um Deeskalation.“ Im Zweifel ist Abhauen wohl doch die bessere Alternative. Auch darin ist Wicke gut, weil schnell: Er fährt eine Harley.

Info: 0160/8288422, kapap-germany.jimdo.com

Kampfsportarten und Selbstverteidigung:

Selbstverteidigung: Wie kann ich mich bei körperlichen Angriffen wehren? - Kampfsportarten sind beliebt. HNA-Volontärin Kim Henneking hat den Selbstversuch bei einem Selbstverteidigungskurs in Vellmar gemacht. Immer Blickkontakt halten, hier es da. Bei ihrem Schnupper-Selbstverteidigungskurs lernte sie, ihrem Angreifer direkt in die Augen anstatt auf die Waffe zu sehen.

Eine etwas andere Sportart: Zu Gast beim Capoeira Angola - Instrumente, Gesang und akrobatische Bewegungen - und das soll ein Kampfsport sein? Beim Capoeira geht es akrobatisch und musikalisch zur Sache.

Rubriklistenbild: © Matthias Lohr

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