Gastronomen sind nach Fall der Fünf-Quadratmeter-Regel etwas flexibler

Nach den Corona-Schließungen: In der Gastronomie geht es ganz zaghaft aufwärts

Mehr Platz für Gäste: Salvatore Strumbo vom Il Teatro darf jetzt viermal so viele Gäste auf seiner Terrasse an der Obersten Gasse bewirten. Für ihn war der Wegfall der Fünf-Quadratmeter-Regel eine Erleichterung. 
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Mehr Platz für Gäste: Salvatore Strumbo vom Il Teatro darf jetzt viermal so viele Gäste auf seiner Terrasse an der Obersten Gasse bewirten. Für ihn war der Wegfall der Fünf-Quadratmeter-Regel eine E rleichterung. 

Das Pfingstwochenende hat vielen Gastronomen in harten Zeiten Auftrieb gegeben. Nachdem der Neustart nach der Coronapause sehr verhalten verlief, waren nun in Cafés und Restaurants mehr Plätze belegt.

So habe es neben einigen Reservierungen erstmals auch wieder mehr spontane Besucher gegeben, berichten Gastwirte.

Die Platzregel

Ein Wendepunkt war für Salvatore Strumbo vom „Il Teatro“ der vergangene Donnerstag. Ab da war die Fünf-Quadrameter-Regel nicht mehr in Kraft. Für Strumbo hat das vor allem bei der Außenbewirtung einen Unterschied gemacht: Auf der langgezogenen, 16 Quadratmeter Terrasse entlang der Obersten Gasse durfte er bis dato nur drei Gäste platzieren. Jetzt, wo lediglich der Mindestabstand gewährleistet sein muss, darf er wieder vier Vierertische hinstellen.

Auch im Innenraum sei er durch den Wegfall der Berechnung nach Quadratmetern pro Gast flexibler. Wenn größere Familiengruppen kamen, war das Limit bislang schnell erreicht, obwohl noch viel Freiraum im Lokal blieb. Jetzt könne er immerhin wieder die Hälfte der üblichen Plätze vergeben, sagt Strumbo. Er hoffe, dass die Geschäfte nun langsam wieder in Gang kommen.

Sascha Lenz vom „Hot Legs“ an der Friedrich-Ebert-Straße kann nun statt 20 immerhin 50 Menschen in sein Lokal lassen. Die waren am Samstagabend immerhin alle besetzt, berichtet er. Das sei noch weit entfernt vom Normalbetrieb, aber „ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt der Wirt der beliebten Partybar. Wo sonst oft Gedränge herrscht und ausgelassen getanzt wird, muss er nun auf Zurückhaltung achten. Damit man beim Sprechen nicht so nahe kommen muss, ist auch die Musik leiser als sonst. Es sei eine Gratwanderung, sagt Lenz: „Man will, dass die Leute kommen und Spaß haben, aber man trägt eben auch eine hohe Verantwortung.“

Die Registrierung

Überzeugungsarbeit müssen viele Gastronomen nach wie vor bei der Registrierungspflicht leisten. Viele Kollegen berichteten, dass die Gäste sich weigerten, ihren Kontakt zu hinterlassen, sagt Anna Homm vom Gaststättenverband Dehoga in Nordhessen. „Die Gastronomen fangen mit den Daten nichts an“, betont sie. Man sei per Landesverordnung verpflichtet, sie zu erfassen, damit die Behörden im Ernstfall Infektionsketten nachverfolgen könnten. Dennoch wollten auf der Kasseler Kneipenmeile schon „Angela Merkel“, „Superman“ und „Tim und Struppi“ ausgehen, berichtet der „Hot-Legs“-Gastwirt Sascha Lenz, der seine Türsteher derzeit als Datenerfasser eingesetzt hat.

Einige Lokale gehen mit ihren Pflichten allerdings lax um, was den Datenschutz betrifft. So liegen mitunter Listen offen aus, auf denen die Gäste sich eintragen sollen – mit vollem Einblick, wer schon da war. „Wir empfehlen, an jedem Tisch ein einzelnes Blatt auszugeben“, sagt Dehoga-Chefin Homm. Entsprechende Vordrucke stelle man im Internet kostenlos zur Verfügung.

Gut gelöst hat das Daten-Dilemma das „Eberts“ im Vorderen Westen. Dort bekommt jeder Gast zum Datenblatt einen Umschlag dazu, der noch am Tisch verschlossen wird. „Wir wollen die Daten gar nicht haben“, will Betreiber Michael von Alm damit signalisieren. Die Umschläge würden nur geöffnet, wenn das Gesundheitsamt dies einfordern sollte. Ansonsten wandern sie nach der Vier-Wochen-Frist direkt in die Schreddermaschine.

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