400 Teilnehmer bei Demo

Internationaler Frauentag in Kassel mit zwei Seiten: Wütende Reden und ernsthafter Dialog

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Protestzug startete am Kulturbahnhof: 400 Menschen beteiligten sich an einer Anti-Diskriminierungs-Demonstration, zu der das Komitee „Frauen- und Queers-Streik“ aufgerufen hatte.

Wütende Reden im Weltverweigerer-Stil bei einer Demo und interreligiöser Dialog - das war der Internationale Frauentag in Kassel.

Kassel – Zum Internationalen Frauentag gab es am Sonntag auch in Kassel öffentliche Aktionen. Die größte von ihnen war ein Demonstrationszug des Komitees „Frauen- und Queers-Streik“, an dem sich nach Angaben der Polizei 400 Menschen beteiligten. Sie zogen vom Kulturbahnhof durch die Innenstadt zum Holländischen Platz.

Dem Aufruf zufolge traten die Demonstranten für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft ein. Bei der Startkundgebung mit kämpferisch-wütenden Tönen wurden allerdings von mehreren Rednerinnen keine konkreten und damit diskutierbaren Anliegen benannt, wie man Frauenrechte befördern oder mehr Gleichstellung erreichen könnte.

Internationaler Frauentag in Kassel: Wütende Reden zu verschiedenen Themen

Die Aktion war eher ein offenes Wut-Artikulationsangebot aus allen erdenklichen Befindlichkeiten gefühlter Benachteiligung. Es ging in den Redebeiträgen darum, dass „die EU ihre Scheiß-Grenzen aufzumachen“ habe, um das „Aufstehen gegen Faschismus“, um das Recht, über „unsere Körper und Identitäten frei zu bestimmen“, um „Scheiß-Dax-Unternehmen“ und vieles mehr in wilder, wütender Folge. Etwas indifferent stand ein Trüppchen SPD-Mitglieder und Jusos am Rande des Geschehens.

Irgend jemand hielt ein Pappschild mit den Namen der Opfer von Hanau hoch. Auf einen treffenden Nenner brachte eine Rednerin die verbindende Stimmung der Demo: „Die Welt hat es mehr denn je verdient, dass wir uns gegen sie zusammenschließen“, rief sie.

Auch zahlreiche andere Veranstaltungen gab es zum Internationalen Frauentag in der Stadt Kassel: So trafen sich Frauen am Stand des Kasseler Frauenbündnisses am 9. März vor dem Rathaus.

Internationaler Frauentag in Kassel: Interreligiöser Dialog zur Bildung und Teilhabe von Frauen

Genau um das Gegenteil von Weltverweigerung ging es währenddessen bei den Frauen der Kasseler Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde: Aus Anlass des Weltfrauentages hatten sie Gäste aus anderen Konfessionen eingeladen, über die gesellschaftliche Bedeutung und Stärkung von Frauen unter muslimischen Vorzeichen zu diskutieren.

„Wir wollen zeigen, dass unter dem Kopftuch gebildete Frauen stecken“, sagte Zubaria Ahmad. Die Kasselerin ist Beauftragte für interreligiösen Dialog bei der bundesweit größten muslimischen Frauenorganisation, die 18.000 Mädchen und Frauen vertritt.

Diskutierten bei der Ahmadiyya-Gemeinde: Von links Neriman Ün-Fahsi, Zeenat Muzaffar, Zara Ahmad, Maryam M. Malik und Barea Bhatti.

Bildung und Teilhabe von Frauen sowie der Ansporn zu deren persönlicher Entfaltung seien als Werte im islamischen Glauben verankert, sagt Zubaria Ahmad. Das sei aber Nicht-Muslimen schwer zu vermitteln; die gingen in der Regel von einem Unterdrückungsszenario aus. Damit würden aber allenfalls bestimmte „Kulturen und Traditionen“ beschrieben: „Das Problem ist, dass das mit den Werten der islamischen Religion vermengt wird.“

Zubaria Ahmad wibt für eine differenziertere Sichtweise – und weiß: „Muslimische Frauen müssen doppelt und dreifach so gut sein, wenn sie etwas erreichen wollen.“ Bildung sei dafür an erster Stelle wichtig. Das gelte aber ebenso für Männer, wie sie betont.

Der 8. März ist Internationaler Frauentag: Ein alphabetischer Rückblick zum langen Kampf um Gleichberechtigung.

Video: 6 spannende Fakten zum Weltfrauentag

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