Seine beiden Söhne kämpften

Stalking: So machte Joachim G. seiner Ex das Leben zur Hölle

Den Trauerkranz schickte Joachim G. seiner Ex-Freundin zum 49. Geburtstag.
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Der Vater von IS-Kämpfern schickte seiner Exfreundin einen Trauerkranz. Jetzt steht er in Kassel wegen Stalking vor Gericht.

Ein Vater, dessen Söhne für den Islamischen Staat (IS) in Syrien kämpften, muss sich in Kassel wegen Stalking und weiterer schwerer Vergehen vor Gericht verantworten.

  • Joachim G. suchte in Syrien erfolglos nach seinen beiden zum IS übergelaufenen Söhnen
  • Vater verklagte die Bundesregierung auf Rückholung
  • Wegen Stalking seiner Exfreundin steht Joachim G. vor Gericht in Kassel

Kassel - Zuletzt machte Joachim G. Schlagzeilen, weil er seine Söhne in Syrien suchte, die für den Islamischen Staat (IS) kämpften. Nun steht er in Kassel wegen Stalking vor Gericht. Seine Opfer sind traumatisiert.

Als Maria Meier 49 wurde, erhielt sie von ihrem ehemaligen Lebensgefährten einen Beerdigungskranz mit den perfiden Sätzen: „Dein Leben endete, noch bevor es begann. Dein stilles Einschlafen ist unser Trost.“ Es war nur eine von vielen Demütigungen, mit denen ihr Ex der Frau aus Kassel, deren Namen wir geändert haben, das Leben zur Hölle machte.

„Ich hatte kein Leben mehr“, sagte die 52-Jährige der HNA, bevor sie gestern vor dem Amtsgericht Kassel als Zeugin gegen den Mann aussagte, mit dem sie fast neun Jahre zusammen war und der zuletzt immer wieder wegen seiner IS-Söhne Schlagzeilen gemacht hat.

Söhne aus Kassel zum IS nach Syrien ausgewandert: Vater gibt Suche nicht auf

Seit 2014 sucht Joachim G. seine beiden Söhne, die heimlich nach Syrien ausgewandert waren, um für den IS zu kämpfen. Fast alle deutschen Medien berichteten ausführlich über das Schicksal des 56-Jährigen, der damals noch in Kassel lebte. Die Bundesregierung hat er auf Rückholung verklagt.

Nun wirft ihm die Staatsanwaltschaft 14 Stalking-Fälle vor, zudem Anstiftung zur Brandstiftung. Er soll einen 22- und einen 23-Jährigen dazu gebracht haben, im Mai und Juni 2018 die Autos seiner ehemaligen Freundin und eines ihrer Bekannten in Kassel und Spiekershausen abzufackeln. Weil einer der beiden jungen Männer damals im juristischen Sinn noch heranwachsend war, findet die Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht statt.

Kassel: Vater von IS-Anhängern stalkte nicht nur Exfreundin

Die aufgeführten Delikte sind wohl nur die Spitze des Eisbergs, wie Richter Tilman Fehlig vom Amtsgericht Kassel vermutet. Neben Meier wurden auch ihren mittlerweile erwachsenen Töchtern, ihrer Schwester und Freunden nachgestellt. Gemeinsam haben sie 218 Vorfälle gezählt – von aufgestochenen Autoreifen über Farbanschläge bis zu demütigenden Nachrichten.

Einmal hatte Meier einen Songtext der Band Rammstein im Briefkasten, in dem es heißt: „Stein um Stein mauer ich dich ein / Ich werde immer bei dir sein.“ Ihre jüngere Tochter wurde an der Schule mit Zetteln als Drogendealerin diffamiert.

Die Delikte, um die es nun vor Gericht geht, gab G. in einer von seinem Verteidiger Thomas Hammer vorgelesenen Einlassung zu. Angeblich sei er von Meier im Stich gelassen worden, als er seine zum IS übergelaufenen Söhne suchte. Sie wiederum sagt, dass er über Monate fremdgegangen sei.

Vater von IS-Kämpfern aus Kassel soll Stalking „bandenmäßig“ organisiert haben

Für das Stalking und seine weiteren seine Taten entschuldigt hat sich G. bislang nicht. Meiers ältere Tochter klagte vor Gericht in Kassel unter Tränen: „Es ist so unfair, dass jemand so viel Macht über ein anderes Leben hat.“ Auch andere Zeugen bekannten, wie eingeschüchtert sie waren und immer noch sind.

Meier, die auch als Nebenklägerin in Kassel auftritt, wirft G. vor, das Stalking „bandenmäßig“ zu organisieren: „Er hat leider die finanziellen Mittel, um andere vor den Karren zu spannen.“ Immer wieder wurden sie sowie ihre Familie und Freunde von Mitarbeitern seiner Immobilienfirma beobachtet.

Auch der 23-Jährige, der eines der brennenden Autos mit dem Mobiltelefon filmte, um einen Beweis für seinen Auftraggeber zu haben, könnte von G. unter Druck gesetzt worden sein. Der Kasseler soll ebenfalls in Syrien gewesen sein und vom Hauptangeklagten Geld erpresst haben. Um das wieder gut zu machen, habe er für die Aktionen mit den brennenden Autos Täter rekrutiert. Den Namen eines dritten Beteiligten wollte er gestern nicht nennen.

Vater von IS-Kämpfern will in Kassel Statement abgegeben

G. beteuert, mittlerweile gelernt zu haben. Mit seiner jetzigen Partnerin führt der gelernte Bauschlosser ein Lokal im Landkreis Kassel. Das Paar lebt mit zwei kleinen Kindern in Zierenberg. Im September will er wieder nach Syrien reisen, um seine Söhne vom IS heimzuholen, die mittlerweile mit Haftbefehl gesucht werden. Und nächsten Freitag, wenn der Prozess fortgesetzt wird, will er eine Stellungnahme abgeben.

Maria Meier glaubt ihm nicht. Sie sagt: „Solange er sich draußen frei bewegt, habe ich Angst.“ Als G. den Satz hört, lacht er.

Vater von IS-Kämpfern aus Kasssel

Joachim G. aus Kassel hat noch Hoffnung für seine zum IS übergelaufenen Söhne: Er ist sich sicher, dass seine Söhne leben und sich in einem Gefangenenlager der kurdischen Miliz YPG im Nordosten von Syrien befinden. 

Im Fall des mutmaßlichen IS-Anhängers Fabian G. aus Kassel hat sich dessen Vater Joachim G. an den US-Präsidenten Donald Trump gewandt.

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