Fünf Jahre Haft

Studentin aus Kassel von Klippe gestoßen: Täter zwar verurteilt – aber auf der Flucht

Hier ereignete sich am 31. Juli 2018 die Tragödie: Die damals 21-jährige Studentin Alena aus Kassel war die Klippen im italienischen San Remo hinuntergestürzt. Der Täter wurde nun zu fünf Jahren Haft verurteilt.
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Hier ereignete sich am 31. Juli 2018 die Tragödie: Die damals 21-jährige Studentin Alena aus Kassel war die Klippen im italienischen San Remo hinuntergestürzt. Der Täter wurde nun zu fünf Jahren Haft verurteilt.

In Italien wird eine Studentin aus Kassel von einer Klippe gestoßen und schwer verletzt. Nun wurde der Täter verurteilt – offenbar ist der Mann jedoch flüchtig.

Kassel/Imperia – In den frühen Morgenstunden des 31. Juli 2018 kommt es zu einer Tragödie im italienischen Sanremo: Alena S., eine 21-jährige Studentin aus Kassel, stürzte eine 70 Meter tiefe Klippe am Ligurischen Meer hinunter. Die junge Frau überlebte – wohl auch weil sie nicht ganz nach unten stürzte, lag anschließend allerdings für drei Wochen im künstlichen Koma.

Die Strandaufsicht, die die schwerst verletzte Frau entdeckte, alarmierte damals die Rettungskräfte und die Polizei. Die Beamten fanden jedoch nicht nur die junge deutsche Touristin, sondern in unmittelbarer Nähe auch einen 32-jährigen verletzten Mann. Jener Mann verbrachte daraufhin eine Zeit in Untersuchungshaft und musste sich im Januar 2020 in Italien vor Gericht verantworten – die Vorwürfe lauteten versuchter Mord* und sexuelle Gewalt.

Italien: Studentin aus Kassel soll vor Mann geflüchtet sein

Nun, beinahe drei Jahre nach dem Sturz von Alena S.*, die für ihr Studium von Kassel nach Marburg zog, wurde ihr vermeintlicher Begleiter zu fünf Jahren Haft verurteilt. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Ansa.

Der Mittdreißiger soll versucht haben, der Italien-Urlauberin Drogen zu verabreichen und sie sexuell zu missbrauchen. Seinem Anwalt zufolge soll der Angeklagte von einem „Unglück“ gesprochen haben. Im Ansa-Bericht heißt es, dass das Opfer geflohen sei, woraufhin es zu dem Sturz gekommen sein soll.

„Er sagt, sie haben den Abend zusammen verbracht. Und nachdem sie in einer Bar in Sanremo etwas trinken waren, sind sie mit dem Auto nach Capo Nero gefahren, aber er weist zurück, die Hand erhoben oder noch schlimmer, sie den Abhang heruntergestoßen zu haben. Er erinnert sich an fast nichts von diesem Abend“, sagte der Anwalt des Verdächtigen, Damiris Bellini.

Fünf Jahre Haft nach Klippensturz von Alena S. aus Kassel

Das Gericht blieb mit dem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Mitte April acht Jahre Haft für den Angeklagten gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch aus Mangel an Beweisen plädiert. Laut den Vorwürfen der Anklage soll der Mann die damals 21-Jährige aus Kassel im Juli 2018 einen Abhang zum Meer hinuntergestoßen haben. Dem Beschuldigten wurden schlussendlich ein versuchter sexueller Übergriff, fahrlässige Körperverletzung und Drogenvergehen vorgeworfen.

Der ursprüngliche Verdacht auf einen Mordversuch war im Laufe des Verfahrens fallengelassen worden. Der Mittdreißiger saß zeitweise in Italien im Gefängnis, war dann aber wieder freigekommen. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur ist der Mann derzeit offenbar flüchtig.

Studentin aus Kassel leidet noch immer – Familie nahm nicht an Prozess in Italien teil

Die junge Frau aus Kassel leidet bis heute unter den Folgen* des Klippensturzes. Die Verletzungen waren schwer: Halswirbel, Hüfte, Beine, Füße waren gebrochen, dazu viele kleine Brüche. Außerdem war die Lunge kollabiert, erzählte ihre Mutter im Gespräch mit der HNA. Erst später hätten die Ärzte auch Hirnverletzungen entdeckt. 

Gegenüber dem Hessischen Rundfunk erzählte die Mutter zum Prozessauftakt im vergangenen Jahr, dass die Studentin das Laufen immer noch schwerfalle. Darüber hinaus sei sie psychisch traumatisiert und könne nicht über jene Nacht sprechen. Alena S. wohne zwar in einer eigenen Wohnung, sei aber auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Im Jahr 2018 plante die Studentin noch, ihr Jura-Studium in Marburg* fortzusetzen.

Die Familie nahm nicht persönlich an dem Prozess in Italien teil, sie wurde von einem italienischen Anwalt vertreten. Nach Informationen der Ansa erwägt der Anwalt des Verurteilten den Urteilsspruch anzufechten. (Nail Akkoyun) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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