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Natur und Gemütlichkeit fürs Zuhause: Kasseler Holzhändler ist Chef von 1600 Mitarbeitern

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Von: Claudia Feser

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Jörg Ludwig Jordan ist der Chef eines Holzhandels in Kassel und IHK-Präsdent. Trotz des Fachkräftemangels sagt er: „Als Unternehmer gucke ich immer nach vorne“.

Kassel – Es gibt Weckewerk an diesem Freitagmittag in der Kantine des Kasseler Holzhändlers Jordan – das freut Jörg Ludwig Jordan, 62. Der Chef des Kasseler Holzhandels mit 1600 Mitarbeitern, davon 300 in Kassel, und Präsident der IHK Kassel-Marburg ist Kasseläner – diesen Titel trägt er mit Stolz („Schon mein Urgroßvater war Kasseläner“). Er sei traditionsbewusst: „Heimat ist Heimat und ist mir wichtig“, sagt Jordan während seiner Mittagspause.

Tischplatten und Landhausdielen aus Eiche, Stühle mit grauem Filzbezug, Bänke mit grünen Stoffen und viele Pflanzen – die Kantine des Holzhändlers Jordan lockt mit natürlich-gemütlichem Charme. Den will das 103 Jahre alte Unternehmen auch seinen Kunden nach ganz Europa liefern. 20 Lastwagen verlassen täglich das Lager im Gewerbegebiet, plus zwölf Lkw mit Türen, Holzplatten und Holzbedarf für Zimmereien vom Standort in Niederzwehren. Dass der geschäftsführende Gesellschafter Jörg Ludwig Jordan naturverbunden ist, zeigt sich auch außerhalb der Kantine: Im Firmensitz im Gewerbegebiet Langes Feld hängen Naturfotografien im Großformat, die Jordan fotografiert hat.

Ein Riesenpanorama im ersten Stock zeigt einen Wald mit dichtem Grün – der Chef hat das Bild in seinem Wald fotografiert: Bei Niedenstein (Schwalm-Eder-Kreis) ist Jörg Ludwig Jordan Eigentümer eines 500 Hektar großen Waldstücks. Dort geht er gerne zur Jagd – auch auf die Jagd nach interessanten Fotomotiven.

Mittagessen im Grünen: Jörg Ludwig Jordan, geschäftsführender Gesellschafter der Jordan GmbH aus Kassel und IHK-Präsident, isst auch mal in der Kantine.
Mittagessen im Grünen: Jörg Ludwig Jordan, geschäftsführender Gesellschafter der Jordan GmbH aus Kassel und IHK-Präsident, isst auch mal in der Kantine. © Privat

Holzhändler in Kassel: „Als Unternehmer gucke ich immer nach vorne“

Ja, er sei sehr fotobegeistert, schon seit Schülertagen: Am Wilhelmsgymnasium in Kassel war Jordan in der Foto-AG, und sein Vater schenkte ihm damals eine Spiegelreflexkamera. Er erinnert sich mit einem Lächeln an eine Reise vor vielen Jahren nach Skandinavien. Es war die erste Reise mit seiner Frau, „und sie wurde fast verrückt, weil ich jeden Wasserfall fotografiert habe.“ Mittlerweile fotografiert Jordan nur noch mit dem iPhone („Ich bin immer wieder erstaunt, was das Handy für tolle Bilder macht“), und das Paar hat drei erwachsene Kinder. Sohn Johann Ludwig und Tochter Felicitas sind in diesem Jahr ins Geschäft mit eingestiegen, die jüngste Tochter Charlotte studiert Medizin.

Die Nachfolgeregelung ist ein Sorgenthema für viele Unternehmen in der Region. Vor allem bürokratische Hürden mit vielen Verwaltungsvorschriften schrecken potenzielle Nachfolger ab, sagt Jordan, der seit sechs Jahren IHK-Präsident ist. „Die Politik muss verstehen, dass es so nicht weitergeht. Hinzu kommt der Fachkräftemangel an allen Ecken und Enden.“ Der macht auch vor seinem Unternehmen keinen Halt: „In diesem Jahr war es zum ersten Mal so, dass wir zum neuen Ausbildungsjahr ein Drittel unserer Stellen nicht besetzen konnten.“ Ganz dramatisch sei es im Handwerk. Gründe seien der demografische Wandel und zu viele junge Leute im Studium statt in Ausbildungsberufen. „Als Unternehmer gucke ich immer nach vorne“, sagt Jordan und berichtet von den Bemühungen Kanadas, die Geflüchteten an der polnischen Grenze zur Ukraine Arbeitsplatzgarantien und Begrüßungsgeld garantierten.

Kassel: Holzhändler Jordan will Mitarbeitern gutes Arbeitsumfeld bieten

In Deutschland sei Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiges Argument für die Arbeitsplatzwahl, inklusive gesicherter Kinderbetreuung. Warum gibt es im Gewerbegebiet Langes Feld in Kassel nicht eine gemeinsame Kita für die Mitarbeiter aller ansässigen Unternehmen, fragt sich der Unternehmer und sagt: „Das wäre ideal, aber ich bin leider zu spät auf diese Idee gekommen.“

Es sei wichtig, den Mitarbeitern ein gutes Arbeitsumfeld zu bieten, damit sie mit Spaß zur Arbeit gehen können: „Ich sage meinen Mitarbeitern immer, dass sie am Montag mit der gleichen Freude an den Start gehen sollen wie am Freitag ins Wochenende.“ Auch deshalb gibt es eine Kantine im Unternehmen. An diesem Freitag steht die nordhessische Spezialität Weckewerk mit Kartoffeln auf dem Speiseplan – das schmeckt auch dem Chef. (Claudia Feser)

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