Viele Militärstandorte

Kassel der Kasernen: Auf Spurensuche mit einem Experten

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Die Frankfurter Straße vor 100 Jahren: Hier war der Standort der Husarenkaserne. Nur das Gebäude rechts hat die Bomben des Zweiten Weltkriegs überstanden.

Kassel. Zu Beginn des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren war Kassel von Militärstandorten übersät. Besonders hoch war die Konzentration in der Südstadt. Bis heute kann man das erkennen. Zusammen mit dem Hobbyhistoriker und Stadtteilexperten Heinz Körner (69) haben wir uns auf Spurensuche begeben.

Husarenkaserne 

Historisches Foto der Heckerstraße (damals Albrechtstraße) mit dem Lazarettgebäude: Die Aufnahme entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer die beiden Damen auf dem Foto sind, ist nicht bekannt. Foto:  Archiv Körner / nh

An der Frankfurter Straße konnte man in den Nachkriegsjahren noch die Ruinen des großen Gebäudekomplexes sehen. Die Husarenkaserne wurde 1889 für die berittenen Soldaten gebaut und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. In den Ruinen gab es bis in die 1960er-Jahre unter anderem Schreinereien, Seifenhändler, Schlossereien, eine Spedition und eine Autowerkstatt. Die alten Ställe wurden von einer Reitschule genutzt und für die Versorgung kranker Pferde genutzt.

Seit einem halben Jahrhundert befindet sich auf dem Gelände das als Neubau errichtete Versorgungsamt. Durch die Soldaten im Quartier haben sich auch Gaststätten wie das frühere Südend angesiedelt. „In dem Haus befindet sich heute die Pizzeria San Marino“, sagt Heinz Körner.

Neue Husarenkaserne

Die Neue Husarenkaserne befand sich streng genommen schon auf Wehlheider Gebiet an der Bosestraße und ist etwa 20 Jahre nach dem Kasernenbau an der Frankfurter Straße fertig geworden. Einen Steinwurf vom Schlösschen Schönfeld stehen die alten Gebäude zum Teil noch. Sie wurden von Grund auf saniert. Hier hat sich der Werkhof mit Angeboten für Behinderte angesiedelt, außerdem wurden mehrere Stadtvillen auf dem Grundstück gebaut.

An der Kreuzung Frankfurter Straße / Ludwig-Mond-Straße gab es bereits ab 1907 eine Kaserne für das Infanterie-Regiment 167. 1910 wurde mit dem Bau der Jägerkaserne begonnen. Auf dem Gelände steht eine Gedenksäule für die zahlreichen gefallenen Soldaten des 167er im 1. Weltkrieg. Nahezu das gesamte Regiment (bis zu 3000 Mann) sei bei den Kämpfen ausgelöscht worden, sagt Körner. Das Gebäude wird heute zum Teil als Asylbewerberheim genutzt. Auf dem Gelände befand sich das Kreiswehrersatzamt, das heutige Karrierecenter der Bundeswehr.

Das Lazarett 

Historisches Foto der Heckerstraße (damals Albrechtstraße) mit dem Lazarettgebäude: Die Aufnahme entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer die beiden Damen auf dem Foto sind, ist nicht bekannt. Foto:  Archiv Körner / nh

Mitten im heutigen Wohngebiet an der Heckerstraße befand sich das 1888 gebaute Lazarettgebäude. Dazu gehörten neben einem Park das Magazingebäude und die Kantine. Im ehemaligen Torhaus war nach dem Krieg viele Jahre eine Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes untergebracht.

Ein Teil des ehemaligen Lazarettgebäudes hat den Zweiten Weltkrieg überstanden und wird heute als Wohnhaus genutzt.

Ausstellung im Rathaus

Im Bürgersaal des Kasseler Rathauses ist noch bis zum Sonntag, 17. August, eine Ausstellung über Kassel in der Zeit des 1. Weltkriegs zu sehen. Dabei geht es auch um die zahlreichen Kasernenstandorte, die damals über das gesamte Stadtgebiet verteilt waren.

Am Samstag, 9. August, ab 15 Uhr, findet eine Lesung aus Kriegstagebüchern und Feldpostbriefen statt. Hier wird der Sohn und Enkel der beiden Weltkriegssoldaten Carl und Herrmann Vietor berichten, wie sein Vater die gemeinsame Reise zu den Kriegsschauplätzen erlebt hat und wie stark die Erinnerungen wieder lebendig wurden.

Auch am Sonntag, 10. August, gibt es ab 15 Uhr Lesungen aus Feldpostbriefen. Um 16 Uhr geht es in einem Vortrag um Polen im 1. Weltkrieg (Christian Klobuczynski). Um 17 Uhr wird eine Führung zum Ehrenmal in der Aue angeboten. (tos)

Von Thomas Siemon

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