14 Kasseler als Spender registriert

"Körperwelten"-Ausstellung: Diese Kasselerin will ihren Körper spenden - "Ich bin eine Seltenheit"

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Den trägt sie immer bei sich: Sabine Kuhnt mit dem Körperspenderausweis des Heidelberger Institutes für Plastination von Gunther von Hagens.

Sabine Kuhnt und 13 weitere Kasseler haben sich entschieden, ihren Körper der „Körperwelten“-Ausstellung zu spenden.

  • Vielfach kritisierte und weltweit bekannte „Körperwelten“-Ausstellung kommt nach Kassel
  • 14 Kasseler haben sich als Körperspender registriert
  • Sabine Kuhnt aus Kassel berichtet über ihr Verhältnis zu Leben und Tod

Sabine Kuhnt ist dem Tod schon oft nahe gewesen: Bei der Contergan-Geschädigten wurde 2013 Brustkrebs diagnostiziert. Nach Auskunft ihres Arztes hatte sie eine 22-prozentige Überlebenschance.

Vermutlich auch deshalb pflegt die 58-jährige Kasselerin einen entspannten Umgang mit dem Sterben. Sie hat sich vor Jahren dazu entschieden, ihren Körper dem Institut für Plastination von Gunther von Hagens zur Verfügung zu stellen.

Körperspender sein: 14 Kasseler haben sich dazu entschieden

Vom 21. Februar bis 17. Mai ist die Ausstellung „Körperwelten“ von Guther von Hagens* in der Kasseler documenta-Halle zu sehen.

Die Buchhalterin aus Kassel, die bei der EAM arbeitet, war schon immer vom menschlichen Körper fasziniert. „Wir sind ein Kunstwerk.“ Mehrfach hat sie Körperwelten-Ausstellungen besucht und auch das Plastinarium an der polnischen Grenze, wo Gunther von Hagens Team die Körper für die Ausstellungen präpariert.

Bereits 2006 hat sich die 58-Jährige als Körperspenderin registrieren lassen – insgesamt haben dies aktuell 14 Kasseler getan.

Kasseler Spenderin: „Es wäre doch cool, wenn ich als Exponat für die Nachwelt erhalten bliebe.“

„Ich bin eine Seltenheit. Es gibt nicht mehr so viele Contergan-Geschädigte in Europa. Es wäre doch cool, wenn ich als Exponat für die Nachwelt erhalten bliebe“, sagt sie.

Kuhnt hat dem Institut für Plastination die maximal mögliche Befugnis erteilt: „Die dürfen mich am Stück präparieren oder auch zerschneiden und nur Teile ausstellen.“

Sie sei da pragmatisch. „Wenn ich tot bin, bin ich tot. Zudem sparen die Angehörigen die Kosten für die Beerdigung.“ Ihre Familie, die mit Ausnahme ihres Mannes bereits verstorben ist, habe ihre Entscheidung – manchmal auch augenrollend – akzeptiert. Auch ihre Freunde bestärkten sie.

Kritikreiche Ausstellung: Gunther von Hagens‘ „Körperwelten“ kommt nach Kassel

Sie selbst empfinde beim Anblick toter Körper keinen Ekel. Es sei doch schizophren, dass der Mensch seine Hülle nicht betrachten mag.

Die Kritiker der „Körperwelten“* kann Kuhnt nicht verstehen. „Die meisten, die das kritisieren, waren vermutlich noch nie in der Ausstellung.“

Dort werde wichtige Aufklärungsarbeit über den Aufbau des menschlichen Körpers, über Krankheiten und ihre Folgen geleistet. „Wer sieht, wie filigran das Herz aufgebaut ist, überlegt sich zweimal, ob er sich zu fett und cholesterinreich ernährt. Und wer es nicht mag, kann ja wegbleiben.“

Krankheit und Behinderung als Teil des Lebens

Ewige Nörgler findet sie ohnehin anstrengend. Es ergebe keinen Sinn, sich über Dinge Gedanken zu machen, die man nicht verändern kann.

Diese Lektion hätten sie die Behinderung und die Krankheit gelehrt. Sie habe sich mit beidem arrangiert. „Ich würde nichts ändern wollen. Nicht meinen Krebs und auch nicht meine Hände.“

Mit aller Kraft durch das Leben gehen: Dafür hat sich Sabine Kuhnt aus Kassel entschieden

Kuhnt stürzt sich nun mit der verbliebenen Kraft in das Leben. „Es ist unsinnig, Wünsche aufzuschieben. Gesunde Menschen tun dies ja gern.“ Trotz großer Schmerzen war sie dieses Jahr am Nordkap.

„Mit einer Packung Diclofenac habe ich es durchgestanden.“ Den Krebs hat Kuhnt für den Moment gebändigt. „Ich bin symptomfrei. Aber einen Krebs besiegst du nie komplett.“

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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