Museumsgelände in Kassel

Kein Respekt vor Ottoneum-Garten - Lehrer kämpft gegen Vermüllung an

Ein junger Mann nutzt den Brunnen hinter dem Ottoneum als Badewanne
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Ein junger Mann nutzt den Brunnen hinter dem Ottoneum als Badewanne: Diese Szene hat Peter-Joachim Focke am vergangenen Wochenende fotografiert.

Ein Lehrer aus Kassel kämpft gegen die Vermüllung des Museumsgeländes. Er ärgert sich über die Rücksichtslosigkeit der Menschen und darüber, dass sie (zu oft) keinen Respekt vor der Natur zeigen.

Kassel - „Jetzt reicht es“, sagt Peter-Joachim Focke über eine Beobachtung, die er am vergangenen Sonntag in dem kleinen Garten hinter dem Ottoneum (Naturkundemuseum) gemacht hat. Der Biologielehrer im Ruhestand beobachtete, wie ein junger Mann sich in der Brunnenanlage wusch. Nicht nur einfach die Hände.

Der Mann habe den Brunnen für eine ausgiebige „Körperpflege mit Seife, Zahnpasta und Shampoo missbraucht“. Das sei unhygienisch. Nicht nur für den Mann, sondern auch für andere Menschen, die die Oase gern nutzten, um der lautstarken Hektik der Innenstadt kurz zu entkommen.

Der 66-jährige Focke sucht das Gartenareal, das südwestlich direkt an das Ottoneum grenzt, seit Monaten regelmäßig auf. Grund: Er möchte eine Bestandsaufnahme von den Gehölzen, Sträuchern und Bäumen, die es in dem Garten gibt, machen und veröffentlichen. Hier würden sehr wertvolle Gehölze aus China wachsen, sagt Focke.

Mangelnde Wertschätzung: Peter-Joachim Focke ärgert sich über den Müll hinter dem Ottoneum.

Er berichtet, dass er wiederholt „ein erschreckendes Ausmaß an Verschmutzung durch Müll aller Art“ feststelle, darunter Glasflaschen, Scherben, Papier- und Plastiktüten, Kartonagen, Getränkebecher und -dosen. Die Möglichkeit, den Abfall in dem vorhandenen Mülleimer zu deponieren, werde weitgehend missachtet. „Nach den Spuren zu urteilen, scheinen sich bevorzugt Personen hier zu treffen, die Alkohol, Pizza und Chips konsumieren und nicht bereit sind, den Ort sauber zu verlassen“, sagt Focke. Zudem habe er erlebt, dass der Garten auch als Toilette missbraucht worden ist. Der menschliche Kot samt Papier habe im Hochbeet gelegen.

Focke ärgert sich über die Rücksichtslosigkeit mancher Menschen. Er kritisiert die mangelnde Wertschätzung für solche Orte. Deshalb hat er jetzt auch einen Brief an das Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel geschrieben, das für die Reinigung der Fläche zuständig ist.

Im Garten am Ottoneum ist ebenso wie etwa auf dem Friedrichsplatz, in der Goetheanlage oder auch im Nordstadtpark ein erhöhtes Müllaufkommen festzustellen, sagt Stadtsprecher Michael Schwab. Das Umwelt- und Gartenamt reinige den Garten in der Regel zweimal wöchentlich, bei erhöhtem Bedarf auch noch öfter.

Kassel: Auch im Ottoneum-Garten sollte es selbstverständlich sein, seinen Müll zu entsorgen

Die Mitarbeiter des Umwelt- und Gartenamts beobachteten, dass derzeit alle Frei- und Grünflächen im Stadtgebiet, auch aufgrund der sommerlichen Witterung, von den Bürgern intensiv genutzt werden. Dieses alljährlich auftretende Phänomen werde in diesem Jahr durch die coronabedingt eingeschränkte Außengastronomie noch verstärkt. Dadurch sei auch das Müllaufkommen in den Anlagen entsprechend höher und könne von den vorhandenen Behältern nicht immer gefasst werden. „Leider ist es kein Selbstverständnis, dass man seinen mitgebrachten Müll ordnungsgemäß entsorgt oder gar wieder mit nach Hause nimmt“, sagt Schwab.

Die Vermüllung der Grün- und Parkanlagen zu reduzieren, könne nur gelingen, wenn neben der „engagierten Aufgabenerfüllung der Stadt“ die Nutzer der Anlagen auch ihren Beitrag zur Müllvermeidung oder adäquaten Müllentsorgung leisten, so Schwab.

Peter-Joachim Focke vertritt die Ansicht, dass man die Problematik nur mit mehr Kontrollen von Polizei und Ordnungsamt in den Griff bekommt. Er sei auch dafür, eine Kamera zu installieren, um die Gartenanlage zu überwachen.

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