Vorlesepaten in Kassel gesucht

Experten bestätigen: Kinder sollen mehr lesen - Doch wer liest ihnen vor?

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Die Bücher sind schon da, es fehlen nur die Vorleser: In der Schule am Lindenberg im Kasseler Stadtteil Forstfeld wünschen sich die Kinder Vorlesepaten. Unser Foto zeigt Abdullah, Lana, Sahar, Joshua, Max, Shayma sowie Lehrerin Angelika Schmitt-Rösser.

In Kassel werden Vorlesepaten für Kitas und Grundschulen gesucht. Leseexperten stellen fest, dass Kitas und Grundschulen einen hohen Bedarf an Vorlesepaten haben.

  • Hoher Bedarf an Vorlesepaten an Kitas und Grundschulen
  • Aktion „Vorlesepaten gesucht!“ in Kassel konnte nicht alle Schulen abdecken
  • Suche nach Vorlesern, auch für multikulturelle Schülerschaft, geht weiter

Die Bücher sind da, und die Kinder, die gerne vorgelesen bekommen, sowieso. Nur die Vorleser fehlen. An der Grundschule am Lindenberg sind die Schüler bei der Initiative „Vorlesepaten gesucht!“ leer ausgegangen.

Von den vielen Ehrenamtlichen, die sich nach einem Aufruf gemeldet haben, hat sich niemand für die Schule am Togoplatz beworben.

Sie geben nicht auf und fragen: Wer kann uns vorlesen? Es geht um Spracherwerb und ums Buch an sich: Zweimal im Jahr laden die Buchhandlung am Bebelplatz und die Kinder- und Jugendbücherei Kitas und Schulen in Kassel und Umgebung zu einem Runden Tisch zum Austausch zum Thema Lesen und Leseförderung ein.

Kitas und Grundschulen haben einen hohen Bedarf an Vorlesepaten

Dabei haben die Leseexperten festgestellt: Kitas und Grundschulen haben einen hohen Bedarf an Vorlesepaten, die regelmäßig auf Deutsch und anderen Sprachen vorlesen.

Auch weil in den Familien immer weniger vorgelesen und gelesen werde, sagt Sophie Canonne von der Buchhandlung am Bebelplatz. Also startete die Initiative vor Monaten den Aufruf „Vorlesepaten gesucht!“

Insgesamt 28 über die ganze Stadt verteilte aber auch auswärtige Einrichtungen wie Kitas und Grundschulen aus dem Landkreis haben Bedarf angemeldet, sagt Sophie Canonne.

In Kassel meldeten sich zwar viele Ehrenamtliche, doch einige Schulen gingen trotzdem leer aus

Die Resonanz kann sich blicken lassen: 72 Menschen, vorwiegend Senioren – zu einem großen Teil aus Bad Wilhelmshöhe und anderen westlichen Stadtteilen – haben sich als willige Vorleser gemeldet. Sie gaben ihre Kontaktdaten an und legten auch das verlangte Führungszeugnis vor.

Wer nun aber glaubt, dass damit alle Kitas und Schulen versorgt werden können, täuscht sich. Diejenigen, die sich gemeldet hatten, hatten eine genaue Vorstellung davon, wie das Ehrenamt aussehen soll: In erster Linie wollten sie in ihrer räumlichen Nähe eingesetzt werden.

Wieso sind Vorlesepaten so wichtig?

Eine Vorlesepatin erklärt, warum ihre Aufgabe so wichtig ist: Am 15. November ist bundesweiter Vorlesetag. Er soll ein Zeichen setzen für die Bedeutung des Vorlesens und Kinder und Erwachsene für Geschichten begeistern.

Machen Lust auf Bücher: Mit Lese-Omas lernt es sich super. Etwa jeder achte Schüler in Niedersachsen hat noch Defizite beim Lesen, wenn er von der Grundschule in eine weiterführende Schule wechselt. Das geht aus dem IBQ-Bericht 2016 hervor. In Hann. Münden helfen Ehrenamtliche, dagegen anzuarbeiten. 

Die Suche nach Vorlesepaten geht weiter

„Insgesamt zehn Vorlesepaten konnten wir vermitteln“, sagt Mitinitiatorin Canonne. Sie erklärt, wie die Zusammenführung vonstattengeht: „Das muss für beide Seiten passen.“ Für viele sei es wichtig, keinen langen Anfahrtsweg zu haben.

Leider sind einige Kitas und Schulen leer ausgegangen, und zwar vor allem solche, die sich im Kasseler Osten befinden. Namentlich suchen noch die Grundschulen Lindenberg und Waldau Vorlesepaten, außerdem der Kindergarten Sternschnuppe in Kaufungen und die Grundschule Söhrewald.

„Es wäre wunderbar, wenn wir auch diesen Einrichtungen Vorlesepaten vermitteln könnten“, sagt Sophie Canonne. Die Suche geht also weiter.

Die Macht der Fantasie: Lesen bildet

Auch Vorleser für die multikulturelle Schülerschaft werden in Kassel noch gesucht

Die Kinder- und Jugendbücherei der Stadt unter der Leitung von Sonja Göpfert ist zur Zentralstelle für die Vermittlung der Vorleser geworden. Wer gerne ehrenamtlicher Vorlesepate werden möchte, kann sich dort melden.

Die Losse-Schule gehört zu den glücklichen Einrichtungen in Bettenhausen, für die ein Vorlesepate gefunden wurde. Schulleiterin Heike Ackerhans ist darüber sehr glücklich, formuliert aber ein weiteres Anliegen: „Wir suchen ebenso wie andere Schulen und Kitas auch noch Vorleser für die Herkunftssprachen unserer multikulturellen Schülerschaft wie Türkisch, Arabisch oder Farsi.“

Kontakt: Kinder- und Jugendbücherei Kassel, E-Mail vorlesepategesucht@bebelplatz.de, Tel. 05 61/9 20 17 17, Oberste Gasse 24, Öffnungszeiten: Mo. bis Do., 13 bis 18 Uhr, Fr. 9 bis 18 Uhr.

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