Kasseler Unternehmer trotzen Corona-Krise

Zwölf Millionen investiert und jetzt geschlossen: Filmpalast-Chefin - „bis Frühjahr halten wir durch“

Haben sich ihren Traum erfüllt: Juliane und Oliver de Boers mit Tochter Hilma in einem der 15 umgestalteten Säle des Filmpalastes Kassel.
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Haben sich ihren Traum erfüllt: Juliane und Oliver de Boer mit Tochter Hilma in einem der 15 umgestalteten Säle des Filmpalastes Kassel.

In der Coronakrise halten die Menschen ihr Geld zusammen – heißt es. Es gibt aber auch Kasseler Unternehmer, die mutig investieren - so wie das Ehepaar de Boer in das Kino Filmpalast.

Kassel – Langweilig wurde es Juliane und Oliver de Boer in diesem Jahr nicht. Das Paar hat nicht nur das ehemalige Cinestar-Kino für zwölf Millionen Euro zum Filmpalast Kassel umgebaut, sondern auch privat war es turbulent: Tochter Hilma kam zur Welt. Wegen Corona müssen sich die de Boers nun Gedanken machen, wie sie trotz weiterer Zwangsschließung nach vorne blicken können.

„Olli und ich nehmen es mit dem Ökonomen John Maynard Keynes: In schlechten Zeiten soll man investieren“, sagt Juliane de Boer. Die Kleinfamilie, die seit anderthalb Jahren hauptsächlich in Kassel lebt, hat dies mithilfe der Kino-Unternehmerfamilie Kieft getan. Juliane de Boer entstammt aus der Lübecker Kino-Dynastie, die deutschlandweit 80 Standorte betreibt.

Filmpalast in Kassel: Kino wurde luxuriös umgebaut

Kassel sollte das cineastische Schmuckstück des Unternehmens werden. Mit viel Aufwand und Liebe zum Detail wurden alle 15 Säle umgebaut: Statt insgesamt 3600 Plätze gibt es nun noch 1600 – dafür aber viel mehr Luxus und neueste Technik - so schön ist der umgebaute Filmpalast in Kassel geworden. Am Ende wurde es zwei Millionen Euro teurer als gedacht, sagt Juliane de Boer. Sorgen, dass sie das investierte Geld in absehbarer Zeit nicht wieder einspielen würden, hatte sie sich nicht gemacht. Doch dann kam der Shutdown.

Normalerweise sollte sich die Großinvestition nach spätestens acht Jahren – so lautet eine Faustformel in der Branche – rechnen. Dies ist nun ungewiss. „Zum Glück gehört uns die Immobilie, sonst hätten wir gar nicht so stark ins Risiko gehen können“, sagt Geschäftsführerin de Boer. Durch die Pandemie gehe es nun an die Substanz des Unternehmens. „Bis ins Frühjahr halten wir das durch, dann wird es ohne staatliche Hilfen eng“, so de Boer.

Kinos erhalten bislang keine staatliche Förderung

Anders als andere Branchen seien die Kinos in der Corona-Zwangspause bislang nicht vom Staat unterstützt worden. „Ein Bruchteil der Lufthansa-Förderung würde uns nach vorne bringen.“

Dabei hatte der Betrieb auch ohne Unterstützung gerade an Fahrt aufgenommen. Mitte Oktober wurde nach mehr als sechs Monaten Umbau wieder eröffnet. „Wir haben eine super Resonanz vom Publikum bekommen“, erzählt die junge Mutter. Vor allem die Kaskade Bar sei gut besucht gewesen. Umso härter sei es gewesen, die Türen Anfang November für mindestens vier Wochen wieder zu schließen.

Lockdown des Kinos - vor allem für die Mitarbeiter dramatisch

Für die 45 Mitarbeiter des Kasseler Filmpalastes sei die Entscheidung folgenschwer: Vor allem die vielen studentischen Aushilfen hätten keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld, so de Boer.

Den Kopf in den Sand stecken wollen die de Boers aber keinesfalls: „Meine Familie macht Kino in vierter Generation. Wir haben schon schlimmere Krisen weggesteckt.“ (Bastian Ludwig)

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