Betreiber von Bali und Gloria wurde 59 Jahre alt

Mit Leidenschaft und Liebe: Zum Tod des Kino-Betreibers und Kulturbahnhof-Pioniers Frank Thöner

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Seine Leidenschaft galt dem Kino: Frank Thöner bei der Umstellung auf digitale Technik im Kasseler Kino Bali im Jahr 2004.

Betreiber von Bali und Gloria: Kinomacher Frank Thöner ist im Alter von 59 Jahren gestorben. 40 Jahre hat er das kulturelle Leben in Kassel mitgeprägt - ein Nachruf.

Aufmerksam, zugewandt – und hartnäckig in der Sache: So war Frank Thöner. Eine prägende Gestalt der Kasseler Kulturszene seit 40 Jahren – und zugleich jemand, der nie viel Aufhebens um seine Person gemacht hat. 

Mit seiner ansteckenden Leidenschaft, Orte für Kultur und Kulturerlebnisse für alle zu schaffen, und mit seiner Fähigkeit, Menschen zu vernetzen und ins Gespräch zu bringen, hat er in Kassel viel bewirkt – Frank Thöner hat nachhaltig Spuren in der Stadt hinterlassen. In der Nacht zu Mittwoch ist er 59-jährig nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. 

Frank Thöner hinterlässt eine Lebensgefährtin und eine Tochter

Er hinterlässt seine Lebensgefährtin und seine 20-jährige Tochter. In weite Kreise hinein – auch jenseits der engeren Kulturszene – hatte er sich größten Respekt in der Stadt verschafft. Er war ein unaufdringlicher, zurückhaltender Mensch, und dennoch mit voller Kraft und Liebe im Einsatz für die Sache.

 Ohne Frank Thöners Engagement würde es weder den Filmladen, noch die Bali-Kinos oder den Kulturbahnhof so geben, wie sie heute von Tausenden genutzt und geschätzt werden, sagt Gerhard Wissner vom Filmladen stellvertretend für das ganze Team. 

Frank Thöner gehört zu den Mitbegründern des Dokumentarfilm- und Videofestes

Historisches Dokument: In diesem Ausriss aus der HNA vom 9.1.1984 ist Frank Thöner zu sehen. Der dazugehörige Artikel verwies auf das Dokumentarfilm-Festival.

Thöner gehörte unter anderem dort zu den Mitgründern, ebenso wie beim Dokumentarfilm- und Videofest, den Bali-Kinos und dem Open-Air-Kino. Bei der Umwandlung des Kasseler Hauptbahnhofs zu einem Ort der Kultur Mitte der 90er-Jahre hat Thöner mit einem engen Kreis an Mitstreitern und als Vorsitzender des Vereins Kulturbahnhof mitgewirkt. 

„Er war das Zentrum, der Ort, um den sich alle scharten“, sagt Kollege Martin Sonntag, Chef der Caricatura. Heute ist der Ort ein beliebter Anlaufpunkt in der Stadt – viele kreative Institutionen, Vereine und Firmen haben unter dem Dach des spätklassizistischen Bauwerks und seiner Randgebäude eine Heimat gefunden, exemplarisch seien neben der Caricatura Galerie und den Bali-Kinos die Werbeagentur Bahnhofsadel, das Tagungszentrum, das Medienzentrum Offener Kanal und das Spohr-Museum genannt. Mittlerweile siedelt sich bereits die nächste Generation junger Unternehmensgründer rund um den Kulturbahnhof an. 

Frank Thöner wurde 1960 in Kassel geboren

Mit freundlicher Ausstrahlung: So kannte man Frank Thöner.

Frank Thöner wurde in Kassel am 13. März 1960 geboren. Nach dem Fachoberschulabschluss im Bereich Elektrotechnik studierte er Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule mit Schwerpunkt Film und Fotografie. 1988 präsentierte er als Examensarbeit eine Ton-Dia-Dokumentation über die von der Belegschaft besetzte Antriebstechnik-Firma Präwerna in Eschwege. Note: sehr gut. 

Seinen Berufseinstieg hatte er mit medienpädagogischen Projekten in der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit sowie mit Veranstaltungsplanung. Um 1980 herum gründeten Filmenthusiasten aus der Kunsthochschulszene einen Verein, um ein Programmkino auf die Beine zu stellen. Man mietete eine Lagerhalle an der Goethestraße 31 und erwarb per Bankbürgschaft einen 16-Millimeter-Projektor. Gebrauchte Sessel fanden sich im Kunsthochschulumfeld.

Filmladen Kassel - Frank Thöner war dort ein Mann der ersten Stunde

Damit konnte es mit dem Filmladen losgehen – wöchentliche Plenumssitzungen und eine Soli-Party des Asta, damit Geld für eine Heizung angeworben werden konnte, gehörten zeittypischerweise dazu. Los ging es mit einer Punk-Dokumentation und Charlie Chaplins „Moderne Zeiten“. Frank Thöner war dort ein Mann der ersten Stunde. 1995 gründeten Teile der Filmladen-Truppe eine eigene Gesellschaft zum Betreiben der Bali-Kinos (Bahnhofs-Lichtspiele), 2001 kam das Gloria in der Friedrich-Ebert-Straße hinzu. 

Die Trägerschaft ist eigenständig, inhaltlich bildet man aber eine Abspielgemeinschaft mit dem Filmladen. Thöners Kollegen aus dem Filmladen betonen, sie seien derzeit noch „weit davon entfernt, zu realisieren, was passiert ist“. Caricatura-Chef Martin Sonntag sagt stellvertretend für die Kulturbahnhof-Familie: „Es ist ein unfassbar schwerer Verlust.“

Die Trauerfeier ist am Freitag, 13.12., 12.30 Uhr, auf dem Hauptfriedhof.

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