Wochenlange Trockenheit macht heimischen Pflanzen und Tieren zu schaffen

Der Klimawandel klopft an: Regen reicht nicht

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Verendet: Trockenheit und Wärme führen wie am Wochenende in einem Teich im Park Schönfeld, in dem zahlreiche Fische starben, zu einem Sauerstoffmangel im Wasser.

Kassel. Ernteausfälle, Forstschäden in Habichts- und Reinhardswald, abgesagte Osterfeuer und verendete Fische im Park Schönfeld. Die wochenlange Trockenheit hat Spuren hinterlassen.

Die negativen Folgen kann nach Einschätzung von Experten auch der Regen nicht wettmachen, der inzwischen gefallen ist. Ein Beweis für den Klimawandel ist der trockene Frühling aber nicht, sagt der Umweltsystemforscher Dr. Karl-Heinz Simon von der Uni Kassel.

„Diese Abweichung hat es schon immer gegeben“, sagt der Wissenschaftler, der am Modellprojekt Klimzug beteiligt ist. Die Auswirkungen des Klimawandels würden aber in zehn bis 20 Jahren bei uns sichtbar. „Nach allen Klimaberechnungen wird es auch in unserer Region wärmer werden“, sagt Simon.

Der Klimawandel werde sichtbare Folgen für Pflanzen und Tiere haben. Statt mit heimischen Buchen würden unsere Wälder bereits mit widerstandsfähigen Douglasien, einer nordamerikanischen Fichtenart, aufgeforstet, die nicht so viel Wasser brauchen. Ernteausfälle werden laut Simon zu steigenden Lebensmittelpreisen führen. Die Forschung befasse sich bereits mit solarbetriebenen Trocknungsanlagen für feuchtes Erntegut. Die Anpassung an den Klimawandel dürfe nämlich keinesfalls zu weiteren klimaschädlichen Emissionen führen.

Dass Fische wie vor wenigen Tagen in einem Teich im Park Schönfeld an Sauerstoffmangel verenden, „das wird uns immer häufiger passieren“, sagt Prof. Dr. Rüdiger Wagner, Gewässerkundler an der Uni Kassel. Grund seien Wassermangel und steigende Temperaturen - nicht nur in Tümpeln und Teichen, auch in Fließgewässern. „Wir haben viele Gewässer, in denen man trockenen Fußes vom einen zum anderen Ufer gehen kann.“ Früher habe die Fulda sieben bis acht Monate im Jahr so viel Wasser geführt, dass kein einziger Stein herausragte. Dies sei an manchen Stellen des Oberlaufs nun anders. „Wir haben kaum noch Hochwasser“, sagt Wagner. Zwar habe es im Winter viel Schnee gegeben, „aber die Böden waren besonders ausgelaugt“. Die Schneeschmelze sei von großer Bedeutung für die Anreicherung des Grundwassers. Der Sommerregen verdunste sofort.

Trockenheit und steigende Temperaturen werden sich nach Ansicht des Experten langfristig auf den Fischbestand in unseren Gewässern auswirken und auch auf die Qualität des Grundwassers. Auffällig sei, dass die Fische nun bereits im Frühling an Sauerstoffmangel verendet seien. Normalerweise komme dies erst im Spätsommer vor. „Wenn das jetzt passiert, ist das ein schlechtes Zeichen.“ Helfen würden 14 Tage leichter Landregen. „Was wir haben, ist eher ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Von Ellen Schwaab

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