Gesetzesänderung mit Konsequenzen

Protest an Kasseler Kliniken: „Wir schicken niemanden nach Hause, wenn er noch Schmerzen hat“

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Krankenhaus

Drei Kasseler Kliniken haben sich dem bundesweiten Protest angeschlossen. Der richtet sich gegen mögliche Strafzahlungen, wenn Patienten vermeintlich zu lange stationär behandelt werden. 

  • Drei Kliniken in Kassel schließen sich bundesweiten Protest an
  • Strafzahlungen bei längeren stationären Behandlungen 
  • Regelung schlecht für Patienten und Kliniken

Kassel - Werden Krankenhäuser demnächst dafür bestraft, wenn sie sich länger um Patienten kümmern, als es die Mindeststandards vorsehen? Genau das befürchten die Leiter von drei großen Kasseler Kliniken. Sie appellieren gemeinsam an die Politik, einen entsprechenden Gesetzentwurf zu verändern. Das Gesetz soll dann am kommenden Donnerstag, 5. März, endgültig in Berlin verabschiedet werden. Bundesweit wird darüber debattiert.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz schilderten gestern die Geschäftsführer Alfred Karl Walter (Agapelesion Diakonie Kliniken), Michael Schmidt (Marienkrankenhaus) und Claudia Nehrig (DRK-Kliniken Nordhessen) die Situation aus ihrer Sicht. 

Kassel: Kliniken protestieren - Anschlussversorgung nicht immer geregelt

Es komme zum Beispiel immer wieder vor, dass ältere Patienten eigentlich entlassen werden könnten. Wenn die Anschlussversorgung allerdings nicht kurzfristig geregelt werden könne, behalte man solche Patienten auch noch mal eine Nacht länger im Krankenhaus. Weil es vor Ort keine Angehörigen gibt, die sich kümmern können und weil möglicherweise kein Platz für eine Kurzzeitpflege zu bekommen sei.

Michael SchmidtMarienkrankenhaus

Doch nicht nur bei älteren und pflegebedürftigen Patienten hakt nach Einschätzung der Praktiker das System. Nach einer Leistenoperation sei zum Beispiel eine Übernachtung im Krankenhaus vom Kostenträger vorgesehen. „Wir schicken aber doch niemanden nach Hause, wenn er vielleicht doch noch Schmerzen hat oder es andere Komplikationen gibt“, sagt Michael Schmidt (Marienkrankenhaus). 

Kassel: Kliniken protestieren - Vorwurf des Abrechnungsbetrugs

Wenn es schlecht laufe, bleibe das Krankenhaus auf den Kosten für die zweite Nacht sitzen und müsse auch noch eine Strafe zahlen. „In den geschilderten Fällen wird uns Abrechnungsbetrug vorgeworfen, das ist ein Unding“, sagt Alfred Karl Walter (Diakonie Kliniken).

Alfred Karl WalterDiakonie Kliniken

Ebenso wie ihre Kollegen der anderen Krankenhäuser setzt sich Claudia Nehrig (DRK-Kliniken-Nordessen) dafür ein, dass diese Regelung nicht zum Tragen kommt. Eine Strafe für soziale Verantwortung dürfe es nicht geben. Stattdessen sei der Bund gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Krankenhausmitarbeiter sollten sich in erster Linie um die medizinische Versorgung kümmern. 

Kassel: Kliniken protestieren - Regelung schlecht für Patienten und Kliniken

In der Praxis verbringe man aber viel Zeit damit, einen Reha-Platz oder eine Kurzzeitpflege zu organisieren. Solche Fälle überprüft dann der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK). Jetzt sei eine weitere Verschärfung kurzfristig in den Entwurf aufgenommen worden. 

Claudia NehrigDRK-Kliniken

„Krankenhäuser müssten dann für jede Rechnung, die aufgrund eines MDK-Gutachtens gekürzt wird, zehn Prozent des Differenzbetrages, aber mindestens 300 Euro zusätzlich als Strafe an die Krankenkasse zurückzahlen“, sagt Claudia Nehrig (DRK-Kliniken). 

Die Regelung sei schlecht für die Patienten und für die Wirtschaftlichkeit der Kliniken. Durch das Krankenhaussterben sei die wohnortnahe Versorgung ohnehin gefährdet. 

Kliniken in Kassel - Pflegeuntergrenze eingeführt

Im Jahr 2019 wurde das Gesetz der Pflegeuntergrenze eingesetzt. Auch die Kliniken in Kassel sind von der neuen Regelung betroffen. In pflegeintensive Krankenhaus-Berichten muss nun gewährleistet sein, dass Patienten ausreichend versorgt werden. Die Kliniken in Kassel halten die Vorgaben ein. Auch die Kliniken im Werra-Meißner-Kreis halten die Regelung ein. Dort gab es im Gegensatz zu Kassel eine Sanktion

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