Zweiter Linearbeschleuniger angeschafft

Krebs-Behandlung: Tumore werden am Klinikum Kassel präzise bestrahlt

Über den neuen Linearbeschleuniger in der Strahlentherapie des ZMV am Klinikum Kassel freuen sich die Mediziner (von links) Dr. Ralf Keymer, Dr. Barbara Jendretzky-Hübsch, Sanne Blinde und Petra Schneider.
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Über den neuen Linearbeschleuniger in der Strahlentherapie des ZMV am Klinikum Kassel freuen sich die Mediziner (von links) Dr. Ralf Keymer, Dr. Barbara Jendretzky-Hübsch, Sanne Blinde und Petra Schneider. Es fehlt Heidrun Meye.

Die Strahlentherapie ist eine der tragenden Säulen in der Behandlung von Krebs. Das Klinikum Kassel hat nun ein Gerät in Betrieb genommen, dass eine schnellere und präzisere Bestrahlung ermöglicht.

Kassel - Das Zentrum für Medizinische Versorgung (ZMV) am Klinikum Kassel hat einen zweiten Linearbeschleuniger in Betrieb genommen. Er ermöglicht eine schonendere, schnellere und präzisere Bestrahlung von Tumoren, sagt Facharzt Dr. Ralf Keymer.

Die Strahlentherapie gilt neben Chemotherapie und Operation als eine der tragenden Säulen in der Krebsbehandlung. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft kommt sie bei jedem zweiten Krebspatienten zum Einsatz. Im Fachbereich Strahlentherapie des ZMV werden täglich rund 100 Patienten behandelt. Zwischen vier und acht Wochen lang dauert die Therapie, für die die Patienten von Montag bis Freitag vor Ort sind. Dabei ist die eigentliche Bestrahlungszeit durchaus kurz: Sie liegt zwischen einer und vier Minuten, erläutert Medizinphysiker Florian Dörr. Auch das ist eine Besonderheit: In der Strahlentherapie arbeiten Fachärzte und Medizin-Physikexperten zusammen.

Krebs-Behandlung in Kassel: CT als Grundlage einer Bestrahlungsplanung

Grundlage einer jeden Bestrahlungsplanung ist eine Computertomografie (CT). Genau so wie in diesem ersten CT muss der Patient bei allen Bestrahlungen liegen, damit die Dosis so exakt wie möglich deponiert werden kann, sagt Dörr. Denn: „Der Körper vergisst sie nicht.“ Eben darin liegt der Vorteil des neuen Linearbeschleunigers: Aufgrund seiner hohen Präzision werden die umliegenden Organe geschont, sagt Petra Schneider, Fachärztin für Strahlentherapie. Möglich wird dies durch die Darstellung des Tumors direkt am Gerät unmittelbar vor der Behandlung. Geringste Abweichungen können über den ganzen Therapieverlauf korrigiert werden.

Wie aber funktioniert das komplexe Gerät? Zu Beginn erzeugt es Elektronen – jene winzigen Teilchen, die die Atomkerne umkreisen und eine negative Ladung besitzen. Sie werden durch ein Beschleunigerrohr geschickt, mittels Mikrowellen beschleunigt und am Ende auf ein Metall (Experten sprechen von Target) gelenkt. Dabei werden sie jäh abgebremst. „So entsteht ultraharte Röntgenstrahlung“, erklärt Dörr. Diese wird angepasst und auf den Tumor gelenkt. Die Tumorzellen werden geschädigt und können sich weder reparieren noch vermehren. Von der hohen Präzision der Methode profitieren besonders HNO- und Prostatakrebs-Patienten, sagt Schneider.

Neues Gerät für Krebs-Behandlung in Kassel

Der neue, fast drei Millionen Euro teure Linearbeschleuniger ermöglicht zudem zwei Verfahren, die, so das ZMV, ein Alleinstellungsmerkmal in Nordhessen sind: die stereotaktische und die atemgesteuerte Bestrahlung. Erstere kommt etwa bei Hirntumoren, aber auch bei Metastasen in Lunge oder Leber zum Einsatz, die so schonend und äußerst effektiv behandelt werden können.

Das sogenannte Atemgating hingegen erfolgt insbesondere bei Lungentumoren oder linksseitigem Brustkrebs: Bestrahlt wird nur während einer bestimmten Atemphase. Um Herz und andere Lungenteile zu schonen, hält der Patient quasi kurz die Luft an, erklärt Schneider. Sie und ihre Kollegen freuen sich besonders, dass sie mit der Neuanschaffung nun quasi einen baugleichen Zwilling haben und ihre Patienten an zwei Geräten bestrahlen können. (Anja Berens)

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