Es geht um Kommunikation 

Kreative Kasseler lassen leere Läden aufleben: Geschäftsräume werden zur Kontaktstätte

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Gemeinsam am Tisch sitzen: Sarah (Vierte von links) hat gekocht, Paul, Marvin, Janosch und Daniel kommen beim Mahl im Kontaktlabor Süd ins Gespräch. 

Leben statt Leerstand – so könnte das Motto einer Gruppe von Kreativen lauten, die leer stehende Ladengeschäfte im Stadtgebiet nachhaltig zwischennutzen und in „temporäre Gesprächsräume“ verwandeln. 

Die Projektteilnehmer wollen dem Problem nachgehen, dass es immer weniger „Begegnung im Alltag“ gibt.

In verschiedenen Stadtteilen nimmt sich die Gruppe leer stehende Geschäftsräume vor, organisiert eine Zwischennutzung und füllt für die Zeit von jeweils zwei Wochen den zuvor toten Raum mit Nachbarschaftsaktivitäten und Leben.

Den Auftakt macht der ehemalige Kirchen- und Kontaktladen der Südstadt „Bei Kirchens”, Frankfurter Straße 78 B. Seit ein paar Tagen findet sich jeden Abend ab 19 Uhr eine bunt gemischte Gruppe ein, um an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam zu essen. „Abendessen umsonst für alle“ heißt es auf dem Flyer und: „Bitte bring dir Besteck und Teller mit“. Sarah Metz, die Initiatorin, kocht und nennt das ganze „Kontaktlabor Süd“. „Du bist herzlich willkommen – you are most welcome“, lädt sie auch auf Englisch ein. Morgens gibt im Projektzeitraum bis 26. Mai von 6.30 Uhr bis 10 Uhr außerdem Kaffee, Cappuccino und Tee umsonst.

"Nachbarn werden eingeladen und zusammengebracht"

Die Aktionen, die vom Asta der Uni Kassel unterstützt werden, richten sich an Nachbarn in der Südstadt „und alle, die Lust haben vorbeizukommen“, so Sarah Metz. Das Projekt sieht vor, dass nacheinander bis zu drei Mal Leerstand in verschiedenen Stadtteilen zwischengenutzt wird.

„Ein Ladengeschäft mit Schaufenster ist ein analoger Raum mit zu erforschender Geschichte, mit dem direkt durch das Schaufenster nach außen zur Straße kommuniziert werden kann“, so Sarah Metz, die in Kassel Produktdesign studiert. Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle. „In der temporären Besetzung wird Raumforschung betrieben, Auseinandersetzung gefördert, Nachbarn werden eingeladen und zusammengebracht.“ Mit ihnen sollen „soziale Utopien untersucht“ werden. Die Künstler, Gestalter, Pädagogen, Architekten und anderen Gruppenmitglieder widmen sich der Frage: Wie kommen Menschen zusammen und wie können sie besser miteinander sprechen?

Interaktion steht im Mittelpunkt 

Auch im Stadtbild bemerke man die Veränderungen der Gesellschaft durch die Digitalisierung. „Wir können alles im Internet bestellen und dadurch müssen kleine, inhabergeführte Geschäfte zumachen“, heißt es in einem Postulat der Gruppe. Sie will in den temporären Residenzen mit Methoden, die den Raum beleben, arbeiten. Dabei soll Interaktion im Mittelpunkt stehen. Nachbarschaftstreffs, Ortsvereine und lokale Arbeitskreise wollen die Kreativen einbeziehen.

„Aus diesen Begegnungen wird ein Konzept für Veranstaltungen entwickelt, die der Nachbarschaft etwas zurückgeben.“ Mit einem „performativen Dinner“, zu dem jeder kommen kann, wird nach zwei Wochen die „Residenz“ wieder verlassen.

Termin:Das Abschlussdinner für das Kontaktlabor Süd am Sonntag, 26. Mai, 19 Uhr, hat Daniel Cromm konzipiert.

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