Schlange stehen für den Schnitt

Kunden warten nach Wiedereröffnung der Friseursalons auf der Straße

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Hat alle Hände voll zu tun: Ouissam Herfane hat seit gestern seinen Star Salon in der Unteren Königsstraße wieder eröffnet.

Ob auf der linken oder rechten Straßenseite, am Montag sind die Schlangen auf den Bürgersteigen am Stern in der Kasseler Innenstadt lang. Vielerorts stehen Kunden vor Friseurgeschäften und warten auf den neuen Schnitt.

Nachdem gestern die Friseure wieder öffnen durften, haben viele Kunden ohne Termin ihr Glück versucht. Auch Leserin Angelika Großwiele aus Espenau hat auf die Friseure am Stern gesetzt, nachdem sie bei ihrem Stammfriseur ohne Termin kein Glück hatte. „Nichts wie hin, aber auch dort: alles voll, Warteschlangen auf den Bürgersteigen“, schreibt sie uns.

In diesen Warteschlangen steht Hartmut Hoffmann – er hat mehr Glück bei seinem Stammfriseur Star Salon in der Unteren Königsstraße. „Es ist überall voll“, sagt er, „aber das geht ja schnell.“ Acht Wochen war er nicht beim Friseur, normalerweise geht er alle vier Wochen. Zuhause habe seine Frau mit der Maschine die Haare etwas gestutzt, aber „jetzt muss wieder ein Schnitt rein“, sagt der Kasseler.

Über Zeigen, Nicken und Handzeichen signalisiert ihm Inhaber Ouissam Herfane durch das große Schaufenster, dass er jetzt in den Salon darf. Drinnen tragen alle Maske – Friseure wie Kunden, auch beim Waschen und Schneiden. Trockenschnitte sind tabu – ebenso wie Bartschneiden und selber Föhnen.

Für Kunden, die keine Maske dabei haben, hat Inhaber Herfane welche parat. Aber stört die Maske denn nicht? „Nein“, sagt Hoffmann, als er mit frischem Schnitt wieder aus dem Laden kommt. „Das sind die Vorschriften, also mache ich das.“

Mit Zeichensprache durchs Schaufenster wird auch ein paar Häuser weiter kommuniziert. „Sie müssen noch eine Weile warten“ oder „Sie sind dran“, lässt sich auch nonverbal signalisieren. Vor allem, wenn wie hier schon zehn Kunden draußen warten – nicht immer mit eineinhalb Metern Abstand. Auch Tom Stojanek hat in der friseurfreien Zeit zu Hause zur Haarschneidemaschine gegriffen. „Es sah schrecklich aus“, sagt der junge Mann aus Eschwege. Deshalb hat er beim Friseur Cut Line in der Kurt-Schumacher-Straße schon vor zwei Wochen einen Termin vereinbart.

Ohne den geht im Laden von Daniela Kröhler sowieso nichts. „Wir sind total ausgebucht, die Leute rennen uns den Laden ein“, sagt die Chefin. Die neuen Regeln akzeptieren die Kunden, es klappe gut. Um Infektionsketten im Falle einer Ansteckung nachvollziehen zu können, müssen Kunden hier ihre Kontaktdaten hinterlassen. Für die Warteschlange auf dem Bürgersteig gibt es Markierungen und zwischen den Stühlen im Salon stehen Trennwände aus Plexiglas, die die Mitarbeiter noch kurzfristig organisiert haben.

„Man kann sich hier nicht anstecken“, sagt Kunde Stojanek. Er findet den Friseurbesuch mit weniger Kunden sogar angenehmer als sonst, es sei nur schade für die Läden. Weil nur wenige Kunden gleichzeitig im Salon sein dürfen, haben manche Friseure die Preise leicht erhöht. Für viele Kunden ist das okay. „Die Läden müssen unterstützt werden“ findet Stojanek.

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