Es gab mehrere Testläufe 

KVG schafft zwölf Elektrobusse für den Linienverkehr an

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Rückblick: Dieser Elektrobus fuhr im Auftrag der KVG bei der der documenta 13 im Jahr 2012. Im Hintergrund ist das Fridericianum zu sehen.

Die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) stellt die Weichen für mehr Elektromobilität und deutlich weniger Schadstoffe. 

Nach mehreren Testläufen – unter anderem bei der documenta – sollen jetzt zwölf Elektrobusse für den Linienverkehr angeschafft werden. Zudem will das Unternehmen 31 Dieselbusse beschaffen, die nach der neuesten Euro-VI-Norm nur noch ein Bruchteil der Schadstoffe ausstoßen wie frühere Modelle.

Die neuen Dieselbusse sollen Anfang 2021 ihren Betrieb aufnehmen, die Elektrobusse ein Jahr später. Über die Höhe der notwendigen Investitionen macht die KVG keine genauen Angaben. 

Es gebe sehr attraktive Förderprogramme von Bund und Land, für die man sich mit guten Erfolgsaussichten bewerben werde, sagt der KVG-Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Maxelon.

Seit 2015 wird Busflotte Schritt für Schritt erneuert 

Die KVG erfülle wesentliche Voraussetzungen für die Förderung, bis zum Jahresende wisse man, ob es eine Zusage gebe. Grünes Licht für die Erneuerung der Busflotte hat der Aufsichtsrat der KVG mit Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) an der Spitze gegeben. „Wenn wir die klimapolitischen Ziele erreichen wollen, geht kein Weg an der E-Mobilität vorbei“, sagt er. Ziel sei ein langfristiger Systemwechsel mit Augenmaß. 

Seit 2015 erneuert die KVG ihre Busflotte Schritt für Schritt. Aktuell fahren im Netz des Verkehrsunternehmens 80 Busse, 78 Straßenbahnen und acht Beiwagen.

Ladeinfrastruktur muss aufgebaut werden 

Für den Betrieb der Trams nutzt die KVG den Naturstrom des Schwesterunternehmens Städtische Werke. Der ist als umweltfreundlicher Ökostrom zertifiziert. 

Mit dem geplanten Kauf von Elektrobussen ist es nicht getan. Für den Einsatz braucht die KVG einen Vorlauf. Unter anderem müsse eine Ladeinfrastruktur aufgebaut, die Werkstattausstattung angepasst, die Lagerhaltung erweitert und die Mitarbeiter geschult werden. Dafür sind jetzt noch knapp zwei Jahre Zeit.

Elektrobusse sind teurer als herkömmliche Fahrzeuge  

Elektrobusse sind nach Angaben von Fachleuten immer noch viel teurer als herkömmliche Fahrzeuge. Während ein moderner Dieselbus ab etwa 250.000 Euro zu haben ist, kostet das gleiche Fahrzeug mit Elektroantrieb mindestens 600.000 Euro. Durch die Fördermittel von Bund und Land können bis zu 80 Prozent dieser Mehrkosten aufgefangen werden. Deshalb wird es für Verkehrsunternehmen leichter, auf E-Mobilität zu setzen.

Testlauf während der documenta 13 

Es gab jede Menge Lob für den Elektrobus, der zur documenta 13 auf der sogenannten Bäderlinie zwischen Auedamm und Steinweg eingesetzt wurde. Durch den stufenlosen Antrieb sei die Fahrt ausgesprochen ruhig und angenehm gewesen, lobten die Passagiere. Sieben Jahre ist das jetzt her, den Durchbruch haben elektrisch betriebene Busse in Kassel bislang immer noch nicht geschafft.

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Zu teuer, zu kurze Reichweite und für das bergige Kassel ohnehin nur mäßig geeignet, lauteten bislang die Gründe dafür, noch zu warten. Das soll sich jetzt ändern. „Wir haben für die nächsten Schritte die Rückendeckung des Aufsichtsrats“, sagt Dr. Thorsten Ebert, Vorstand der Kasseler Verkehrsgesellschaft KVG. Das ist auch deshalb wichtig, weil man sich jetzt verbindlich entscheiden muss. Wer sich für Fördermittel bewirbt, muss dann auch wirklich Elektrobusse anschaffen. Bei den geplanten zwölf neuen Fahrzeugen geht es trotz der Förderung noch um einen Eigenanteil im siebenstelligen Bereich.

Sah toll aus, konnte sich aber nicht durchsetzen: Der Elektrobus der Kasseler Firma Wegmann aus den 1950er-Jahren. 

Einen Test mit einem Elektrobus im Linienbetrieb hat zuletzt auch der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) gemacht. Das Ergebnis: Mittlerweile sind die Busse alltagstauglich. Für die Ausschreibungen der Linien für die Jahre 2020 bis 2030 sollen trotz der höheren Kosten erstmals auch Elektrobusse eine Chance bekommen.

Die Technik dafür ist schon seit Jahrzehnten vorhanden. Bereits in der 1950-er Jahren hat die Kasseler Firma Wegmann einen ebenso schicken wie linienverkehrstauglichen Bus auf den Markt gebracht. Gegen die billigere Konkurrenz der Dieselbusse konnte der sich allerdings nicht behaupten.

Gehört der Elektromobilität die Zukunft? 

Mittlerweile haben sich die Vorzeichen grundlegend verändert. Strengere Schadstoffwerte und drohende Fahrverbote haben Bewegung in die Diskussion gebracht. Die Entwicklung der Elektromobilität sei derzeit vor allem in der Autoindustrie zu beobachten, sagt Kassels Verkehrsdezernent Dirk Stochla (SPD). Auch andere Antriebstechnologien wie Brennstoffzellen würden weiterentwickelt. Viele Zeichen deuteten allerdings darauf hin, dass der Elektromobilität die Zukunft gehöre. Deshalb freue er sich, dass die KVG künftig auf Elektrobusse setzen wolle. Man werde aber auch die Entwicklung anderer Techniken sowie neuer Mobilitätsangebote verfolgen.

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