Prozess am Landgericht

Mann sticht 17-mal auf Saufkumpan ein - Staatsanwaltschaft fordert hohe Strafe

Vor Gericht in Kassel: Der Angeklagte will aus Notwehr 17-mal zugestochen haben.
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Vor Gericht in Kassel: Der Angeklagte will aus Notwehr 17-mal zugestochen haben.

Nach der Bluttat in einem Hochhaus in Kassel fordert die Staatsanwaltschaft eine lange Haftstrafe für den Angeklagten. Das Opfer hatte mehr als vier Promille Alkohol im Blut.

  • In Kassel steht ein 57 Jahre alter Deutschrusse vor Gericht
  • Er soll einen Landsmann mit 17 Stichen und Schnitten getötet haben 
  • Opfer und mutmaßlicher Täter hatten zusammen mehr als sechs Promille Alkohol im Blut

Kassel – Siebeneinhalb Jahre Haft wegen Totschlags in einem minder schweren Fall hat Staatsanwältin Ceh für einen 57-jährigen Mann gefordert, der Anfang August 2019 in einem Hochhaus an der Brückenhofstraße in Kassel einen 48-jährigen Nachbarn nach einem schweren Trinkgelage mit 17 Messerstichen getötet haben soll.

Auch Verteidiger Klaus Uwe Haake kam vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Kassel zu einer ähnlichen Einschätzung des Geschehens. Er sprach sich für eine Freiheitsstrafe für seinen nicht vorbestraften Mandanten aus, die sechs Jahre nicht überschreiten sollte.

Anklägerin und Verteidiger hatten dem Alkohol die entscheidende Rolle beim tragischen Geschehen im 12. Stock des Hochhauses in Kassel zugewiesen. Der Angeklagte Andrej G. hatte seinem Nachbarn Andreas L., den er bis dahin nur flüchtig kannte, schon vor dem Tattag am 2. August letzten Jahres mit Alkohol versorgt, als der vor Entzug zitternd vor seiner Tür stand.

Kassel: Der Angeklagte hatte über zwei Promille

An jenem Nachmittag hatte L. erneut um Alkohol gebeten, G. lud ihn in seine Wohnung in Kassel ein. Gemeinsam wurden Bier, Wodka und Wein getrunken, am Ende hatte L. 4,1 Promille, G. 2,21 Promille Alkohol intus. Als der Gast die Pfandflaschen des Angeklagten nahm, um mit dem Erlös weiteren Alkohol zu kaufen, kam es zum Streit zwischen den Männern, in dessen Verlauf Andrej G. dem anderen mit zwei Küchenmessern die tödlichen Verletzungen zufügte.

In einem früheren Gerichtstermin war ans Licht gekommen, wie sich die Bluttat abgespielt haben soll: Der Angeklagte soll zwei Küchenmesser mit jeweils 20 Zentimeter langen Klingen aus einem Messerblock gezogen und damit auf das Opfer eingestochen haben. Eine Obduktion ergab, dass der Getötete 17 Stiche und Schnitte in Gesicht und Brustkorb davongetragen hatte. Der Tod nach 17 Messerstichen*: Innerliches sowie äußerliches Verbluten.

Kassel: Staatsanwaltschaft glaubt nicht an Notwehr

Staatsanwältin Ceh schenkte den Aussagen des Angeklagten, er habe sich mit den Messern gegen den Angriff des stärkeren und jüngeren Mannes zur Wehr setzen müssen, keinen Glauben. G. habe beim Eintreffen der Polizei Kassel keine Verletzungen aufgewiesen, die durch Schläge des Gastes hervorgerufen worden seien.

Ebenso wie der Verteidiger sah Ceh keine Notwehr-Situation. Die zahlreichen Rippenbrüche, die später bei dem Toten festgestellt wurden, könnten auch nicht vom behaupteten Stolpern entstanden sein, sondern seien die Folge von Tritten und Stampfen auf dessen Oberkörper.

Kassel: Urteil am Dienstag erwartet

Gleichwohl waren sich beide Parteien in der Einschätzung einig, dass es sich um einen minder schweren Fall des Totschlags handelte, weil der Kasseler Angeklagte infolge des Alkoholgenusses in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen sei.

Zudem gehe von Andrej G., der zuvor nie gewalttätig geworden sei, künftig keine Gefahr für die Allgemeinheit aus. Die Einweisung in eine Entziehungsanstalt lehnten sowohl die Verteidigung als auch die Anklage wegen fehlender Erfolgsaussichten einer Therapie ab.

Das Urteil der 6. Strafkammer am Landgericht Kassel will Richter Volker Mütze am kommenden Dienstag ab 9.30 Uhr verkünden.

Von Thomas Stier

Ein Mann hat am Donnerstag in Kassel unvermittelt einen Passanten angegriffen. Dieser wird bei dem Angriff am Bein verletzt - der Angreifer flieht.

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