Schöne Aussicht in Kassel

Aufregung im Kleingärtnerverein: 78 von 80 Lauben brachial aufgebrochen - Diebe machten fette Beute

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Scheibe rausgedrückt: (von links) André Graß und Patrick Wedekind, Vorsitzender des Vereins, vor Wedekinds Gartenlaube.

Unbekannte haben in der Nacht zum Montag 78 Lauben auf dem Gelände des Kleingärtnervereins "Schöne Aussicht" in Kassel aufgebrochen. 

"Jetzt werden wir aufrüsten", sagt Patrick Wedekind, Vorsitzender des Kleingärtnervereins „Schöne Aussicht“. Damit meint er die Sicherheitsvorkehrungen. Die Aufregung war am Montagmorgen nämlich groß, als der Vorsitzende und andere Kleingärtner feststellten, dass in der Nacht zum Montag Unbekannte so gut wie alle Lauben auf dem Gelände aufgebrochen hatten.

Nach Angaben von Polizeisprecherin Ulrike Schaake richteten die Täter mit ihrem brachialen Vorgehen einen hohen Sachschaden an und erbeuteten aus den Hütten etliches an Diebesgut. Insgesamt seien 78 der 80 auf dem Gelände vorhandenen Gartenhütten sowie das Vereinsheim aufgebrochen worden, so die Polizeisprecherin.

Auch das Vereinsheim wurde von den Einbrechern durchwühlt

Weil er einen Termin mit einem Handwerker im Vereinsheim hatte, kam Patrick Wedekind am Montag um 7 Uhr auf das Gelände, das zwischen Linderweg und Grenzweg liegt. Dort stellte der Vorsitzende zunächst fest, dass die Eingangstür des Vereinsheims geknackt worden war. 

Obwohl es sich um eine Sicherheitstür gehandelt hat. Drinnen hätten die Täter alles durchwühlt, Kleingeld und einen Generalschlüssel erbeutet. Anschließend stellte Wedekind fest, dass viele andere Lauben aufgebrochen waren. An seiner Laube haben die Einbrecher das Fenster entfernt und sind eingestiegen. Neben dem Fernseher haben sie auch ein Stromaggregat mitgenommen.

Vor allem auf Stromaggregate hatten es die Diebe abgesehen

Auf die Aggregate hatten es die Täter besonders abgesehen. Laut Polizei wurden davon 20 Stück gestohlen. Zudem wurden ein Quad, ein E-Bike, Werkzeuge, Süßigkeiten und Schnaps mitgenommen. „Sonntagabend war hier noch alles in Ordnung“, sagt Wedekind. Der Tatzeitraum lässt sich demnach zwischen Sonntag, 18 Uhr, und Montag, 7 Uhr, eingrenzen.

Täter müssen zum Abtransport ein größeres Fahrzeug verwendet haben

Wurde hiermit das Diebesgut zu einem Fahrzeug transportiert? Mehrere Schubkarren stehen noch am Ausgang zum Grenzweg.

Die Polizisten gehen davon aus, dass die Täter zum Abtransport ihrer Beute ein größeres Fahrzeug genutzt haben. Wedekind vermutet, dass da eine Bande am Werk war, die es gezielt auf Aggregate abgesehen hat. Und diese seien mit Schubkarren über das Gelände gekarrt worden. Am Eingang des Kleingartenvereins, der Richtung Grenzweg liegt, hätten am Montag mehrere Schubkarren gestanden, die die Einbrecher vermutlich benutzt haben.

Einbrüche in so viele Lauben gleichzeitig, das gab es im Verein noch nie

Seit 65 Jahren hält sich Wolfgang Jordan regelmäßig im Kleingärtnerverein „Schöne Aussicht“ im Stadtteil Fasanenhof auf. „Hier bin ich groß geworden“, sagt der 71-jährige Mann aus Ihringshausen. Er hat die Gartenlaube von seinen Eltern übernommen.

Er benötigt eine neue Tür: 78 der 80 Lauben im Kleingärtnerverein „Schöne Aussicht“ wurden aufgebrochen. Auch Kleingärtner Wolfgang Jordan ist betroffen.

Dass in Lauben eingebrochen wird, sei im Laufe der Jahre immer wieder vorgekommen, sagt der Kleingärtner. Vor 15 Jahren habe es sogar 20 Einbrüche auf einmal gegeben, erinnert sich Jordan. Dass aber Einbrecher fast alle der 80 Gartenhütten, wie in der Nacht zum Montag geschehen, aufgebrochen haben, „das gab es noch nie“. Das müssen mindestens sechs bis acht Leute gewesen sein, sagt Jordan zu einem anderen Kleingärtner, als er am Dienstagvormittag am Gelände ankommt.

In seinem Kofferraum liegt eine neue Tür für die Laube. „Bei mir haben die alles zerdemmelt.“ Jordan berichtet, dass es die Einbrecher bei ihm auf Werkzeuge, kleinere Maschinen, wie zum Beispiel eine Stichsäge, und Verlängerungskabel abgesehen hätten. Werkzeuge, darunter Bohrhammer und Winkelschleifer, sind auch aus der Gartenhütte von Julian Pracht (22) gestohlen worden. 

Nicht alle Kleingärtner sind versichert und werden auf den Kosten sitzen bleiben

Alle Werkzeuge gestohlen: Die Tür zur Gartenlaube von Julian Pracht wurde aufgebrochen. Bei ihm wurde auch ein Stemmeisen mitgenommen.

Der junge Mann, der auch stellvertretender Kassierer in dem Kleingärtnerverein ist, muss fast ein wenig darüber schmunzeln, dass die Täter bei ihm auch noch eine Brechstange mitgenommen haben. Die vielen Werkzeuge lagerten in seiner Hütte, weil er diese gerade saniert. Zudem haben die Täter bei ihm einen Beamer und einen Generator gestohlen. 

Der junge Kleingärtner hofft, dass die Versicherung alle Schäden begleicht. „Einige Kleingärtner bleiben wohl auch auf Kosten sitzen, weil sie unterversichert sind“, sagt Patrick Wedekind, der Vorsitzende des Kleingartenvereins. 

Täter stärkten sich mit Schokobons

Da es kürzlich erst Einbruchsversuche auf dem Gelände gegeben habe, sei die Versicherung auch thematisiert worden. Der Vereinsvorsitzende muss sich auch mit seiner eigenen Versicherung in Verbindung setzen. Bei ihm wurden aus der Laube ein Aggregat, ein Fernseher und Süßigkeiten gestohlen. „Die Täter haben meine ganzen Schokobons aufgegessen. Die dachten wohl, dass sie sich bei so vielen Aggregaten, die sie weggeschleppt haben, stärken müssen.“ 

Polizei hat viele Spuren gesichert

Die Einbrecher haben in Wedekinds Laube aber nicht nur Chaos und Schokoverpackungen hinterlassen, sondern auf seiner Luftmatratze auch zwei Schuhabdrücke. Zudem soll es viele weitere Spuren auf dem Gelände gegeben haben, die am Montag von den Beamten gesichert worden sind. Wedekind, der mit 25 relativ jung für einen Vorsitzenden ist, ist froh darüber, dass es viele Handwerker in dem Verein gibt, die bei den Arbeiten mit anpacken. Zudem setze man auf eine gute Mischung. „Wir haben mittlerweile viele Familien mit Kindern.“ 

Schließlich brauche man junge Leute, die die alten Lauben wieder instand setzen können, sagt Wedekind. Und man brauche die älteren Kleingärtner, von denen man lernen könne. Und die Jüngeren, die den Älteren helfen. Es sei kein Problem, die neue Tür zur Laube zu bringen", sagt Wolfgang Jordan am Dienstag. Im Verein gebe es schließlich genug hilfsbereite junge Menschen, so der 71-Jährige.

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