Montag entscheidet sich, ob ihr Wunsch erfüllt wird

Leukämiekranke Lina (12) hat nur einen Wunsch zu Weihnachten: Zuhause feiern

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Adventszeit im Krankenhaus: Noch ist nicht klar, ob die zwölfjährige Lina Weihnachten im Klinikum oder aber doch zu Hause verbringen wird. Die letzte Chemotherapie hat dem Mädchen aus Schauenburg-Breitenbach ziemlich zu schaffen gemacht. Ihre Mitschüler haben ihr einen Adventskalender geschenkt; das Päckchen für heute hält sie in der Hand. 

Seit einem halben Jahr hat Lina das Klinikum Kassel nicht verlassen: Die Zwölfjährige leidet an Leukämie. Ihr größter Wunsch: Weihnachten zu Hause feiern.

Fasanenhof – Glänzende Sterne, niedliche Engel und gleich mehrere Adventskalender: Linas Zimmer ist weihnachtlich dekoriert – so, wie es zwölfjährige Mädchen schön finden. Doch dieses Zimmer ist nicht etwa ihr eigenes im Elternhaus in Schauenburg-Breitenbach, sondern eines auf der Kinderonkologie im Klinikum Kassel. 

Seit vier Monaten hat die Sechstklässlerin das Gebäude auf dem Möncheberg nicht mehr verlassen. Ihr sehnlichster Wunsch? „Dass ein Weihnachtswunder geschieht. Dass ich keine Schmerzen mehr habe und zu Hause sein kann“, sagt das zwölfjährige Mädchen mit den großen blauen Augen leise.

Lina leidet an Leukämie, erhält Chemotherapie

Lina hat Leukämie. Seit Mitte August dieses Jahres erhält sie immer wieder Chemotherapie. Ihre Krankheitsgeschichte hat jedoch schon vor einem Jahr begonnen. Die sonst so fröhliche und agile Geräteturnerin war öfter krank, blass, hatte Fieber, erinnert sich ihre Mutter Theresa Kraft.

Beim Weihnachtsfest im vergangene Jahr quälten Schmerzen das junge Mädchen

Beim letzten Weihnachtsfest quälten das Mädchen ein Abszess am Bein und zunehmend Bauchschmerzen. Die wurden am Neujahrstag so stark, dass ihre Mutter sie ins Krankenhaus ins westfälische Witten fuhr, wo die Familie bei den Großeltern zu Besuch war. Linas Zustand verschlechterte sich dramatisch, die Organe versagten. 

Tags darauf wurde sie notoperiert und lag drei Wochen im künstlichen Koma. Mehrere Bauchoperationen und eine Kortisontherapie folgten, um die starke Darmentzündung zu behandeln, schildert ihre Mutter. „Danach ging’s bergauf.“

Im Sommer dann die Diagnose: Leukämie

Im Mai kehrte Lina zurück in ihre Klasse am Goethegymnasium. Doch am Ende der Sommerferien, die die Schülerin in Österreich und Holland verbrachte, meldete sich die Krankheit zurück. Erneut war Lina blass und schlapp. Erneut war ihr Hämoglobinwert auffällig. Im Klinikum Kassel schließlich fiel die Diagnose Leukämie.

Es folgten Wochen auf der Intensivstation und auf der Station für Kinderonkologie. Die Tage sind lang. Lina erhält Unterricht am Bett, löst liebend gern Sudokus, sie freut sich über Besuche von ihrer kleinen Schwester und ihren Freunden. Auch ihre Klassenlehrerin kommt regelmäßig zu Besuch. Sie hat Lina einen Adventskalender mitgebracht, den ihre Mitschüler mit kleinen Geschenken und guten Wünschen füllten. 

Einige junge Patienten müssen über die Feiertage im Klinikum bleiben

Liebevoll kümmert sich auch das Personal um Lina sowie um alle rund 20 jungen Patienten auf der Kinderkrebsstation, von denen etwa die Hälfte die Feiertage im Klinikum verbringen wird.

Noch ist unklar, ob Lina dazugehört oder ob sie nach Hause kann. Denn noch erhält sie ein Opiat, das nur Fachpersonal verabreichen kann. „Du darfst bei uns bleiben, Du musst aber nicht bei uns bleiben“, sagt Prof. Dr. Michaela Nathrath bei einem kleinen Besuch am Krankenbett der jungen Patientin. Dazu gibt es noch einen kurzen Plausch mit Linas Mutter über das Weihnachtsmenü. Die Zwölfjährige wünscht sich Opas Ente mit Rotkohl. Alltagsgespräche in einem Alltag, der für die Familie so anders ist.

Linas Mutter: Wir nehmen jeden Tag so wie er kommt

Nicht alle Tage sind gleich; besonders die nach der Gabe einer Chemotherapie kosten Lina viel Kraft. Ihre Mutter ist tagtäglich bei ihr. Sie pendelt zwischen ihrem Wohnort Breitenbach, wo sie mit ihrem Mann zum Jahreswechsel das Gasthaus der Schwiegereltern übernommen hatte, und dem Klinikum hin und her. Jeden Tag nimmt sie so an, wie er kommt. „Wir haben für Weihnachten nichts geplant“, sagt Theresa Kraft.

Auch sie wünscht sich, Lina zum Fest mit nach Hause nehmen zu können. Um kein Infektionsrisiko einzugehen, wird der Weihnachtsbaum auf der Terrasse stehen und nur durchs Fenster zu bewundern sein.

Aber ob die Geschenke nun unter dem Baum liegen oder nicht, das spielt für Lina ohnehin keine Rolle. Ihr größter Wunsch lässt sich nicht verpacken.

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