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Machen viele Geschäfte in Kassel bald früher zu? Öffnungszeiten in der Debatte

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Von: Kathrin Meyer, Axel Schwarz, Ulrike Pflüger-Scherb

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Ladenöffnungszeiten Symbolbild Königsplatz Kassel
Die Öffnungszeiten in der Innenstadt von Kassel variieren: Das Sportgeschäft Sport Scheck am Königsplatz hat zum Beispiel von 10 bis 19 Uhr geöffnet. © Andreas Fischer

Einige Geschäfte in Kassels Innenstadt haben bereits ihrer Öffnungszeiten verkürzt - weitere Einzelhandelsbetriebe denken über einen früheren Ladenschluss nach.

Kassel – Hohe Energiekosten, Personalmangel und ein hoher Krankenstand machen nach wie vor vielen Betrieben zu schaffen. Besonders bemerkbar macht sich das in Kassel im Einzelhandel, wo etliche Geschäfte die Öffnungszeiten verkürzen müssen.

Das betrifft auch Lebensmittelmärkte. So hat der Aldi-Markt an der Kasseler Wittrockstraße vorerst nur von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Normalerweise kann man in der Filiale von 7 bis 20 Uhr einkaufen. Man habe die Öffnungszeiten dort vorerst anpassen müssen, bestätigt ein Sprecher von Aldi. „Hintergrund ist ein kurzzeitig und unvorhergesehener begrenzter Personalstand – auch aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle.“

Händler in Kassel diskutieren über Änderung der Öffnungszeiten - keine Einheitlichkeit mehr?

Auch in Kassels Innenstadt stellen Kunden immer wieder fest, dass manche Geschäfte nicht so früh oder so lange wie erwartet geöffnet sind. Personalmangel und krisenbedingte Einspar-Erfordernisse sind dafür die meistgenannten Gründe. Inzwischen wird unter Händlern auch offen diskutiert, ob Geschäfte in Kassels Zentrum generell bis 20 Uhr oder länger geöffnet sein müssen. Beim Thema Öffnungszeiten ist aktuell einiges in Bewegung geraten, bestätigt Alexander Wild, Vorsitzender der City-Kaufleute.

Während früher immer nur diskutiert worden sei, Öffnungszeiten auszuweiten, habe jetzt ein Paradigmenwechsel stattgefunden, sagt Wild. Amerikanische Verhältnisse seien längst nicht mehr vorbildhaft. Energiekrise, Personalmangel und Frequenzrückgang würden jetzt eher nahelegen, die Öffnungszeiten einzuschränken. Allerdings gebe es unter den City-Kaufleuten ein eher „uneinheitliches Bild“, wie dies künftig aussehen könnte. Wild geht nicht davon aus, dass sich noch mal einheitliche Zeiten in Kassels Zentrum erreichen lassen. Er selbst würde es am besten finden, wenn alle Läden montags bis samstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet hätten. Wild betont aber, dass dies seine ganz persönliche Meinung sei.

Kern-Öffnungszeit in der Königs-Galerie eine Stunde reduziert

In der Königs-Galerie hat die Mietergemeinschaft laut Manager Heinz Schäffer bereits Mitte 2022 beschlossen, die dort geltende Kernöffnungszeit von bisher 20 auf 19 Uhr zu senken. So lange müssten mit dem Jahresbeginn nun aber auch alle Geschäfte im Haus ohne Kulanz-Ausnahme mindestens geöffnet bleiben, betonte Schäffer.

Auch im City-Point am Königsplatz sind manche Geschäfte derzeit nicht bis 20 Uhr offen, sondern schließen schon eine oder gar zwei Stunden früher.

City-Point Kassel will bis zum Frühjahr wieder einheitliche Öffnungszeiten

Galeriemanager Sven Martens sagt, das liege im Einzelfall meist an Personalproblemen: „Wir haben ein Stück weit Verständnis dafür, dass wir bei dem einen oder anderen Geschäft noch Abstriche machen müssen.“ Aktuell lasse der Galeriebetreiber ECE Kulanz mit Blick auf die mietvertraglichen Vereinbarungen walten. Angestrebt werde aber, „dass wir bis zum Frühjahr wieder einheitliche Öffnungszeiten haben“.

Was Einheitlichkeit konkret bedeutet, da sei in Kassels Innenstadt „eine gewisse Dynamik“ in die Debatte gekommen, sagt Martens: „Wir beobachten die Lage genau und orientieren uns daran, was andere große Häuser machen.“ Auch in dieser Liga gebe es Akteure, die ihre Öffnungszeit „auf 19 Uhr verknappen“ – oder die das für die Zukunft erwägen.

Das sei im Modehaus Sinn zuletzt ein Thema gewesen, bestätigte Geschäftsleiterin Sabine-Amelie Gertner gegenüber der HNA. Mit Blick darauf, dass sich im Budget der Verbraucher in nächster Zeit die stark verteuerten Energie-Abrechnungen bemerkbar machen werden, habe sie erwogen, bei Sinn „von Januar bis März“ temporär eine Stunde früher zu schließen; nämlich um 19 Uhr.

Händler machen sich viele Gedanken über die Öffnungszeiten

Von der Idee habe sie aber aus zwei Gründen Abstand genommen, sagte Gertner: Das Geschäft sei zuletzt unverhofft gut gelaufen – dank Anschub vom Weihnachtsmarkt „gerade auch in der letzten Stunde“. Zudem sei sie von Kollegen bei den City-Kaufleuten überzeugt worden, dass wohl kein Zurück mehr möglich sei, wenn sich die Kundschaft einmal auf neue, kürzere Öffnungszeiten eingerichtet habe.

„Wir bei Sinn werden keinen Alleingang machen“, betonte Gertner. Fest stehe aber, dass das Öffnungszeiten-Thema bei den Innenstadtkaufleuten aktuell und intensiv in die Debatte geraten ist. Es gebe durchaus die Möglichkeit, dass sich da mittelfristig geschäftsübergreifend etwas ändert. „Das müsste sich dann aber für jeden rechnen und vor allem auch für unsere Kundschaft verlässlich sein“, sagte die Modehaus-Chefin. Das Modehaus Sinn zieht in diesem Jahr zudem nach und nach in die Königs-Galerie um.

Verkürzte Öffnungszeiten sind arbeitnehmerfreundlicher

Im Modegeschäft „Stella“ an der Wilhelmsstraße sind die Öffnungszeiten während der Pandemie auf den Zeitraum zwischen 11 und 18 Uhr verkürzt worden. Diese Zeiten seien sehr arbeitnehmerfreundlich, sagen die beiden Mitarbeiterinnen Simone Werner und Julia Mierzwa. Aber wenn eine Kundin den Wunsch habe, nach 18 Uhr einzukaufen, werde das auch ermöglicht. „Dann lassen wir einfach länger geöffnet“, sagt Werner. Das komme immer wieder vor.

Insgesamt sind die Öffnungszeiten in den Geschäften an der Wilhelmsstraße und der Neuen Fahrt sehr unterschiedlich. Das Modegeschäft Trischl öffnet von 10 bis 18 Uhr, das Bettenfachgeschäft Ochmann und das Schuhgeschäft Ecco haben montags bis freitags bis 19 Uhr geöffnet.

Im Winter würde es reichen, wenn man bis 18 Uhr geöffnet habe, sagt Vera Neumeyer, Mitarbeiterin bei Ecco. Auch für die Kunden wäre es besser, wenn es einheitliche Öffnungszeiten geben würde. Besonders an den Samstagen wäre das hilfreich. Aber sie denkt, dass es solch eine Einheit nicht mehr geben wird.

Uneinheitliche Öffnungszeiten gibt es aber nicht nur in der Innenstadt, sondern auch im Einkaufszentrum Dez in Niederzwehren. Das Modegeschäft Adler und das Porzellanhaus Hornschu haben zum Beispiel von 9.30 bis 19 Uhr geöffnet, die Drogerie Rossmann von 9 bis 20 Uhr, der Media Markt von 10 bis 19 Uhr (samstags 9.30 bis 20 Uhr) und Rewe von 8 bis 21 Uhr.

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