Mitten in Kassel

Mann mit Behinderung klagt an - ließ Polizei ihn im Regen stehen?

Alexander Bieseke ist lungenkrank. Er sagt, Rettungskräfte hätten ihn einfach im Regen stehen gelassen.
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Alexander Bieseke ist lungenkrank. Er sagt, Rettungskräfte hätten ihn einfach im Regen stehen gelassen.

Kassel: Die Anschuldigungen wiegen schwer. Ließen Rettungskräfte einen Mann mit Behinderung einfach im Regen stehen?

  • Ein Mann mit Behinderung besucht Kassel
  • Seinen Angaben zufolge ließ ihn die Polizei einfach im Regen stehen
  • Jetzt steht Aussage gegen Aussage

Kassel – Eigentlich wollte Alexander Bieseke am 8. Juni nur einen schönen Nachmittag in der Karlsaue verbringen. Doch dieser Ausflug war für den Rollstuhlfahrer alles andere als schön. Daran war der Starkregen Schuld, der ihn überraschte. Aber auch die Kasseler Einsatzkräfte hätten ihm das Leben nicht gerade erleichtert, erzählt Bieseke.

Der Bad Driburger (Nordrhein-Westfalen) war mit dem Zug auf der Heimreise aus Süddeutschland. In Kassel sollte er umsteigen, ein mehrstündiger Zwischenstopp war geplant. Bieseke entschied, in der Zeit die Aue zu erkunden. „Ich habe auch vorher extra die Wetter-App gecheckt, starker Regen war nicht vorhergesagt.“ Als es losprasselte, fand Bieseke den Ausgang nicht mehr. Andere Passanten oder Schilder habe er nicht gesehen.

Kassel: Ließ Polizei Mann mit Behinderung einfach stehen?

Kassels grüne Lunge: Hier sollen Rettungskräfte Alexander Bieseke im Regen stehen gelassen haben.

Bieseke, der chronisch krank ist und an einer Lungenkrankheit leidet, begann sich Sorgen zu machen. „Das Handy war nass geworden, sendete Fehlermeldungen und ging nicht richtig. Ich machte mir auch Gedanken um die Elektronik des Rollstuhls.“ Also rief er die 112 an. Nach einer Weile kam die Polizei Kassel und er konnte dem Streifenwagen zum Ausgang folgen. Dort wartete dann auch ein Rettungswagen. „Ich war pitschnass und hatte die Hoffnung, dass man mir Handtücher gibt oder eine Anlaufstelle nennt.“

Das sei aber nicht passiert. Die Kasseler Polizisten hätten nur per Lautsprecher mitgeteilt, dass er sein Visier auf dem Weg verloren hätte und seien dann gefahren. Ein Rettungsdienst-Mitarbeiter habe ihm eine Rettungsdecke angeboten. „Die hätte ich auch gerne genommen. Als ich aber ein Stück weiter fuhr, um nicht mehr auf der Straße zu stehen, sind sie abgezogen. Ich war ohne Ansprechpartner, ortsfremd und pitschnass.“

Kassel: Restaurant hilft Mann auf der Durchreise

Allerdings halfen ihm andere Kasseler. Etwa die Mitarbeiter des Schnitzelhauses Fulda-Terrassen, die ihm Decken und Handtücher brachten. „Es war klar, dass er Hilfe brauchte. Der nette Mann war total nass und konnte sich kaum bewegen“, sagt Sevda Gökay. Auch Mitarbeiter des Auebades hätten geholfen, erklärt Bieseke. „Ich konnte dort die Duschen benutzen.“ Schließlich habe er seinen üblichen Fahrdienst Taxi Gilbert aus dem fast 100 Kilometer entfernten Altenbeken verständigen können.

„Ich hätte mehr Unterstützung von den Rettungskräften erwartet. Sie waren offensichtlich überfordert und nicht für den Umgang mit Menschen mit Behinderung sensibilisiert“, sagt er. Er hätte erwartet, dass die Rettungskräfte aus Kassel ihn ins Trockene bringen oder ihm zumindest einen örtlichen Fahrdienst vermitteln. „Den sollte ich aber selber ergoogeln“, sagt Bieseke. Schon öfter sei ihm der unsensible Umgang von Behörden mit Menschen mit Behinderung aufgefallen. „Ich bin ein resoluter Mann, ich stecke das weg. Aber andere Menschen schreckt so etwas ab. Die bleiben dann einfach gleich zu Hause.“ So funktioniere Teilhabe nicht.

Einfach stehen gelassen? Das sagen die Kasseler Behörden

Laut Polizei und Stadt Kassel hat sich das Geschehene anders zugetragen. Polizeisprecher Frank Siebert erklärt, dass die Beamten Bieseke in der Aue angetroffen hätten, da dieser die Auffahrrampe zur Straße nicht gefunden habe. „Dabei waren die Beamten behilflich und begleiteten ihn auf die Straße Auedamm.“ Herr Bieseke habe angegeben, schon Kontakt mit seinem Fahrdienst gehabt zu haben, aber habe seinen Standort nicht nennen können. „Da das geklärt worden war, gingen die Beamten davon aus, dass er anschließend nochmals beim Fahrdienst anruft.“

Stadtsprecher Michael Schwab ergänzt: Herr Bieseke habe bei der RTW-Besatzung nach Handtüchern gefragt. „Die Besatzung hat darauf hingewiesen, keine zu haben, und eine Decke angeboten. Daraufhin hat Herr Bieseke sich verärgert abgewendet und ist über die Straße in Richtung Restaurant gefahren.“ Daher sei der Einsatz in Kassel beendet worden. (Michaela Pflug)

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