NDR-Doku zeigt seine Geschäfte in der Türkei

Haftbefehl gegen Mehmet Göker aufgehoben: Ex-MEG-Chef will zurück nach Kassel

Ist in der Türkei abgetaucht: Auf Instagram postete der ehemalige MEG-Gründer Mehmet Göker Bilder von sich im Pool. Sie sind nun auch in „Panorama – die Reporter. Die Rückkehr des Mehmet Göker“ zu sehen. ScreenshotS: ndr
+
Ist in der Türkei abgetaucht: Auf Instagram postete der ehemalige MEG-Gründer Mehmet Göker Bilder von sich im Pool. Sie sind nun auch in „Panorama – die Reporter. Die Rückkehr des Mehmet Göker“ zu sehen.

Seit Jahren soll Mehmet Göker der Prozess gemacht werden. Doch nun ist der Haftbefehl gegen den Ex-MEG-Chef aufgehoben. Er will zurück nach Kassel.

  • Mehmet Göker sorgte in Kassel in den Nullerjahren für Schlagzeilen.
  • Der umstrittene Unternehmer war der Chef der pleitegegangenen Versicherungsfirma MEG.
  • Nun kündigte der Deutschtürke an, nach Kassel zurückkommen zu wollen.

Kassel/Kusadasi – Elf Jahre nach seiner Flucht in die Türkei hat der umstrittene Unternehmer Mehmet Göker angekündigt, bald in seine Heimatstadt Kassel zurückzukehren. Dort hatte er in den Nullerjahren die Schlagzeilen mit seinem rasanten Aufstieg und einem exklusiven Lebensstil bestimmt. „Spätestens im Mai werde ich einreisen“, sagte der Ex-Chef der pleitegegangenen Versicherungsfirma MEG der HNA: „Die Hälfte der Leute in Kassel erwartet mich voller Vorfreude, die andere Hälfte kotzt, weil der Türke davongekommen ist.“

Tatsächlich hat das Kasseler Landgericht am 15. Februar 2021 den Haftbefehl gegen den 41-Jährigen aufgehoben, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mitteilt. Göker hätte wegen des gewerbsmäßigen Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen angeklagt werden sollen. Nun entschied die Wirtschaftsstrafkammer, der Haftbefehl sei nicht mehr verhältnismäßig. Die Staatsanwaltschaft hat dagegen Beschwerde eingelegt. Über sie muss noch entschieden werden.

Mehmet Göker: NDR-Reportage gibt Einblicke in seine „Verkaufsmasche“

Das letzte Mal war Göker laut eigenen Angaben Ende 2012 zu Besuch in Kassel. Bereits seit 2009 lebt der in Süsterfeld-Helleböhn aufgewachsene Deutschtürke im Heimatland seiner Eltern. Weil es kein Auslieferungsabkommen zwischen der Türkei und Deutschland gibt, war er dort vor der deutschen Justiz geschützt.

Welche Geschäfte Göker mittlerweile im Badeort Kus¸adası an der Ägäis macht, zeigt nun eine sehenswerte NDR-Reportage. „Panorama – die Reporter. Die Rückkehr des Mehmet Göker“ dokumentiert die nur „leicht abgewandelte Verkaufsmasche“, wie Reporterin Eva Schulze-Gabrechten das Konzept des Unternehmers nennt.

Das „Göker-Konzept“: Mehmet Göker setzt jetzt auch auf Instagram

Anders als früher verkauft Göker keine Versicherungen mehr, sondern optimiert private Krankenversicherungstarife. Vor allem auf Instagram bewirbt er das „Göker-Konzept“, eine 3500 Euro teure „Anleitung zum Reichsein“. Für diese Summe lassen sich vor allem junge Männer in einem Coaching in der Türkei vom selbst ernannten Verkaufsmeister zeigen, wie man Kunden am Telefon überzeugt, in einen für sie angeblich günstigeren Tarif zu wechseln. Göker verspricht ihnen bis zu 50 000 Euro die Woche und „nie wieder finanzielle Sorgen“.

Im Film berichten ehemalige Kursteilnehmer jedoch, dass sie „keinen Cent verdient“ haben. Und sie geben zu, dass man „Omas und Opas über den Tisch ziehen muss“, wie es einer formuliert. So habe Göker seine Verkaufsschüler aufgefordert, sich am Telefon mit einem Doktortitel auszugeben.

Reportagen über Mehmet Göker

„Panorama – die Reporter. Die Rückkehr des Mehmet Göker“ ist in der ARD-Mediathek abrufbar. Der RBB zeigte ebenfalls beide Teile von „Versicherungsvertreter“, die Dokus des Kasseler Regisseurs Klaus Stern sind ebenfalls in der ARD-Mediathek abrufbar.

Kassel: Mehmet Göker will zurückkommen

Ausführlich wird der Fall einer 67-Jährigen aus München geschildert. Ein Mitarbeiter der „Finanz Check Rhein-Main GmbH“ habe ihr am Telefon eine Tarifoptimierung angeboten. Wenig später habe die Frau einen Anruf von ihrer Krankenversicherung erhalten. Weil ihr der angebliche Mitarbeiter den Finanz-Check-Tarif empfohlen habe, überwies sie 7000 Euro an die in Frankfurt ansässige Firma. Dabei war der Tarifwechsel unmöglich und der Anrufer gar kein Mitarbeiter ihrer Versicherung, wie sich später herausstellte.

Wer hinter der „Finanz Check Rhein-Main GmbH“ steckt, bleibt unklar. Mittlerweile soll die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen fünf Beschuldigte wegen des Betrugsverdachts ermitteln.

Mehmet Göker: Viele seiner Vertriebler scheinen ihn zu vergöttern

Immer wieder zitiert Schulze-Gabrechten aus der internen Whatsapp-Gruppe von Göker. Ihr Eindruck: Viele der neuen Vertriebler vergöttern Göker, wie es früher schon seine Mitarbeiter in der Falderbaumstraße in Waldau taten. Sie bringt Göker in Stimmung mit Sätzen wie: „Ich bin Napoleon.“ Und: „Wir kommen, um zu sterben.“ Andere hätten Angst vor ihm und äußern sich nur anonym. Wer nicht genug Umsatz macht, muss sich schon mal anhören, der „letzte Dreck“ zu sein.

Gegenüber der HNA bestreitet Göker die Vorwürfe, die „an Unverschämtheit nicht zu überbieten“ seien: „Ich mache meinen Beruf seit 22 Jahren und habe noch nie einen Kunden, Mandanten oder Mitarbeiter nur um einen Cent benachteiligt.“ Den NDR will Göker nun verklagen. Seine Krebserkrankung, mit der er zuletzt Schlagzeilen machte, hat er offensichtlich überstanden. Er kündigt an: „Ich mache weiter, immer weiter.“ (Matthias Lohr)

Im vergangenen Jahr musste ein Ex-MEG-Vorstand 20.000 Euro zahlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.